Dr. Martin Vincentz
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Dass Sie ausgerechnet im „Movember“, dem Awareness-Monat für Männergesundheit, einen frauenspezifischen Gesundheitsantrag stellen, ist nicht unbedingt geschlechtersensibel, Frau Butschkau. Daran können wir aber noch arbeiten. Gerade die Herren und Jungen sind absolute Vorsorgemuffel, weswegen bei ihnen Krebserkrankungen oftmals viel zu lange unentdeckt bleiben. Daher im Monat November, der zwar zur Neige geht, der kurze Hinweis darauf, dass es nicht wehtut und durchaus sinnvoll sein kann, zum Arzt zu gehen. Je früher man gewisse Erkrankungen entdeckt, umso besser kann man sie behandeln. Das ist ein wichtiges Signal, das man insbesondere an die Männer senden soll. Denn anders als beispielsweise in der Medikamenten-30.11.2023 forschung sind es bei den Vorsorgeuntersuchungen meistens die Jungs, die sich ein bisschen weniger trauen als die Damen, die eine größere Bereitschaft zeigen, zum Arzt zu gehen. Nichtsdestotrotz ist Endometriose eine häufige Erkrankung. Daher ist es gut, im Plenum ein Schlaglicht darauf zu werfen. Aber es sind, anders als die Ärzteschelte auf der linken Seite des Parlaments es ausgedrückt hat, weniger die Mediziner, die diese Krankheit nicht erkennen; denn der Vorteil von „oft“ ist, dass es oft vorkommt. Wenn man Hufe hört, so sagt man in der Medizin, sind es meistens keine Zebras, sondern Pferde. Der Arzt ist doch gewillt, eine Erkrankung, die oft vorkommt, die sehr oft in der Bevölkerung existiert, vielleicht zu finden, wenn man ihn denn aufsucht. Leider scheitert es oft daran, dass in der Bevölkerung ein gewisses Wissen über die Erkrankung nicht vorhanden ist. Wenn Sie ein Problem haben, das Wort „Endometriose“ schnell auszusprechen, dann versuchen Sie es mal mit „ektopem Uterusgewebe“. Das ist das, was eigentlich dahintersteckt. Das in der Tat etwas schwieriger, weil es überall vorkommen kann, in der Bauchhöhle, in seltenen Fällen selbst in der Lunge. Dann ist es sogar für den Mediziner schwierig. Ab und zu, einmal im Monat Blut zu husten und das als Symptom einer Endometriose zu entdecken, ist in der Diagnose schon etwas herausfordernd. Die allermeisten Fälle werden bei ihrer Vorstellung beim Arzt allerdings relativ schnell diagnostiziert. Das Problem ist, dass es die Bevölkerung nicht so genau weiß. Daher ist es gut, dass Sie das Thema mit Ihrem Antrag aufgegriffen haben und mit einer Kampagne in die Bevölkerung tragen möchten, dass es keine starken Regelschmerzen sein müssen, sondern es ganz andere Sachen dahinter geben kann, sodass man sich zum Arzt bzw. zur Ärztin begibt, um das abklären zu lassen. Denn – das ist schon angeklungen – man kann Endometriose aktuell noch nicht heilen, aber gut behandeln. Man muss also keine Schmerzen erleiden, sondern man kann Patientinnen mit dieser Krankheit mit Schmerzmitteln oder einer Hormontherapie zumindest einstellen. Ein weiterer Aspekt, den Sie in dem Antrag aufgreifen, ist die medizinische Forschung. Die Hoffnung ist durchaus, dass man Endometriose irgendwann kurativ therapieren kann, dass es Mittel und Wege gibt und man nicht über Jahrzehnte darunter leiden muss, unter Umständen auch noch während einer Therapie Schmerzen erleidet. Es ist allerdings relativ schwierig, deswegen führte ich das vorhin aus. Ektopes Uterusgewebe will man ja nur an ganz bestimmten Stellen nicht mehr so produktiv haben, an anderen eben doch, damit zum Beispiel der Kinderwunsch noch erfüllt werden kann. Das ist forschungstechnisch – so viel nur als kleinen Landtag Einblick – sehr schwer. Daher ist man gut beraten, vielleicht einige Gelder in diese Richtung zu geben. An einer anderen Stelle warb ich bereits bei einem sehr häufigen Erkrankungsbild dafür, Gelder freizumachen. Auch Endometriose ist eine Erkrankung, bei der man mit relativ wenig Geld sehr vielen Menschen helfen kann. Es sollte uns daher im Plenum, wo es eher unüblich ist, sich mit sehr speziellen Themen in dieser Tiefe zu beschäftigen, tatsächlich fünf Minuten Redezeit wert sein, sich über das komplizierte Thema „Endometriose“ in dieser Tiefe zu unterhalten. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
