Franziska Müller-Rech
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Endo… was? Das ist etwas, was wir noch viel zu oft hören. Endometriose – wie spricht man das genau aus? Was ist das überhaupt? Das möchten wir jetzt ändern. Wir möchten dafür sorgen, dass mehr 30.11.2023 Menschen wissen, was Endometriose ist und was es für die Leben von vielen betroffenen Mädchen und Frauen bedeutet. Endometriose ist eine chronische Krankheit, die das Leben massiv einschränken kann. Wir haben eben schon viele Beispiele dafür gehört. Viel zu oft müssen sich diese Frauen und Mädchen anhören: „Das sind einfach nur Regelschmerzen. Stell dich nicht so an. Du musst heute zur Schule gehen. Geh doch zur Arbeit. Du kannst dir nicht weitere Fehlzeiten erlauben“ usw. usf. Das geht teilweise über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren und länger, bis sie irgendwann mal sagen können: Endo… was? Ach, Endometriose! Ja, das kann sein, dass ich das habe. – Dann können sie zu Ärztinnen und Ärzten gehen, die genug fortgebildet sind und endlich bei dieser Erkrankung helfen und vor allem das Leid lindern können. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin sehr froh, dass wir es geschafft haben, gemeinsam einen Antrag auf den Weg zu bringen, der hoffentlich das Leid von betroffenen Mädchen und Frauen in Nordrhein-Westfalen lindern kann. Ich möchte mich ganz herzlich für die wichtigen Impulse bedanken, die nun in dem Antrag festgehalten sind. Einer der wichtigsten Punkte ist zum Beispiel die Forschung, natürlich mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das auch einen Schwerpunkt auf Endometriose setzt. Aber es ist auch wichtig, dass wir das Thema hier in Nordrhein-Westfalen verstärken, Hochschulen und Universitätskliniken einbeziehen und vor allem der geschlechtersensiblen Medizin bei medizinischem Personal einen höheren Stellenwert einräumen. Das sollten wir übrigens nicht nur bei der Endometriose tun, sondern auch bei anderen frauenspezifischen Erkrankungen. Wir müssen diesen Schwerpunkt in der Aus-, Fortund Weiterbildung von medizinischem Personal sichern, neue interdisziplinäre Behandlungsoptionen finden und vor allem Lehrkräfte, aber auch die jungen Mädchen selber darüber aufklären. Lassen Sie mich damit zu dem einzigen Wermutstropfen heute kommen. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass wir es noch geschafft hätten, gerade bei dem letzten Punkt stärker anzusetzen, nämlich bei der Aufklärung von jungen Mädchen, damit sie nicht mehr sagen: „Endo… was?“, sondern wissen, was Endometriose bedeutet, und einschätzen können, ob sie es vielleicht haben. Das Thema braucht mehr Öffentlichkeit, mehr Aufklärung und Entstigmatisierung. Wir hätten uns daher sehr gewünscht, dass wir uns noch auf eine Aufklärungskampagne hätten einigen können, zumal die Sachverständigen in der Anhörung gerade die Bedeutung von Aufklärungskampagnen einmütig und deutlich bekräftigt haben. Landtag (Beifall von der FDP, der SPD, den GRÜNEN und Anke Fuchs-Dreisbach [CDU]) 150.000 Euro sind ein Mittelwert für erfolgreiche PR-Kampagnen. Wir hätten uns vorgestellt, dass das noch drin gewesen wäre. Aber wir lassen nicht locker und werden daran erinnern. Hoffentlich finden wir noch das eine oder andere Quäntchen, aus dem wir die 150.000 Euro herausholen können. Das wäre wirklich gut investiertes Geld, wenn wir für mehr Awareness sorgen können und den Zeitraum von bis zu zehn Jahren, den es bis zur Diagnose dauern kann – ich habe es angesprochen –, maßgeblich verkürzen und damit jungen Mädchen und Frauen ihr Leben deutlich vereinfachen können. Ich komme zum Schluss. Insgesamt braucht unser Anliegen ein noch ambitionierteres Vorgehen. Gleichwohl ist unsere heutige Initiative immens wichtig. Wir setzen aus Nordrhein-Westfalen heraus das Signal, dass wir bei dem Thema eine Vorreiterrolle einnehmen. Ich freue mich sehr, dass Minister Laumann das für uns auch bestimmt gleich tun wird. (Heiterkeit von Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales) – Nicht? Jetzt bin ich noch gespannter. (Thorsten Klute [SPD]: Da lacht er!) Ich danke auf jeden Fall schon einmal den Kolleginnen und Kollegen, die sich zu dem gemeinsamen Antrag committet haben, damit wir bei dem wichtigen Thema „Endometriose“ weiterkommen. – Herzlichen Dank. (Beifall von der FDP, der CDU, der SPD und den GRÜNEN)
