Anke Fuchs-Dreisbach
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit Zustimmung des Präsidenten möchte ich gern zu diesem wichtigen Gesundheitsthema mit einem Zitat Landtag von Gerd Glaeske, Professor für Gesundheitswissenschaften an der Universität Bremen, beginnen. Er sagte in einem Interview: „Wir sind alle daran gewöhnt, dass es gegen jedes Leiden ein Mittel gibt.“ Auch gegen die Frauenerkrankung Endometriose wünschen wir uns alle ein wirksames Mittel, denn 10 bis 15 % aller Frauen sind von Endometriose betroffen und leiden damit unter einer gynäkologischen Erkrankung, deren Ursache bislang wissenschaftlich kaum geklärt ist. Bei Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter. Die betroffenen Frauen leiden. Sie leiden zumeist an Unterleibsschmerzen, starken Monatsblutungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Blasen- und Darmproblemen bis hin zur ungewollten Kinderlosigkeit. Auch Vernarbungen nach Operationen können das Leiden zusätzlich verstärken. Durch die Vielzahl der unterschiedlichen Beschwerden und Symptome wird eine frühzeitige Diagnostik erschwert. Auch die nicht ausreichende Forschungslage hat zur Folge, dass vom Auftreten erster Symptome bis zur Diagnose häufig zwischen sieben und zehn Jahren vergehen. Neben der Unwissenheit, was im eigenen Körper passiert, müssen die betroffenen Frauen eine Beeinträchtigung und Verschlechterung ihrer Lebensqualität hinnehmen. Ein fehlendes Bewusstsein in der Gesellschaft erschwert die Situation der Endometriosebetroffenen zusätzlich. So berichten Betroffene von Problemen am Arbeitsplatz, zum Beispiel durch vermehrte Fehlzeiten, über Schwierigkeiten in der Partnerschaft oder über psychische Probleme. Zur Verbesserung braucht es deshalb eine stärkere Wahrnehmung in der breiten Öffentlichkeit und des medizinischen Fachpersonals. Endometriose ist keine Frage des Alters. Bereits bei der ersten Menstruation von Mädchen können Krankheitssymptome auftreten. Die frühzeitige Aufklärung und die Enttabuisierung durch das Elternhaus, Fachärzte und den Sexualkundeunterricht an Schulen spielen eine entscheidende Rolle. Es darf gar nicht erst der Eindruck entstehen, dass Schmerzen während der Menstruation normal sind, und ein Gang zum Facharzt so vermieden werden. Frauen und insbesondere Mädchen müssen demzufolge frühzeitig mit ihren Schmerzen und Beschwerden ernst genommen werden. Endometriose ist mehr als starke Regelschmerzen. Trotz der hohen Zahl Betroffener mangelt es leider bisher an einer ausreichenden wissenschaftlichen Datenlage, einer Therapiemöglichkeit und einer umfangreichen Aufklärung über die Erkrankung und ihre Folgen. Mit dem heutigen fraktionsübergreifenden Antrag setzen wir genau hier an, indem wir die Aufklärung, die Versorgung und die Forschung stärken wollen. 30.11.2023 Die Erhöhung der Bundesmittel im Jahr 2023 auf 5 Millionen Euro sowie die kürzlich veröffentlichte zusätzliche Förderrichtlinie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sind ein wichtiger erster Schritt. Mit Blick auf den Haushalt 2024 müssen ungeachtet der Haushaltslage weitere Bundesmittel für die Forschung bereitgestellt werden. Als CDU-Fraktion begrüßen wir außerdem, dass sich die Fort- und Weiterbildung von Ärzten gemeinsam mit den zuständigen Ärztekammern noch einmal angeschaut werden soll. Sofern dort das Angebot weiterentwickelt werden kann, stärkt auch dies die Versorgung der betroffenen Frauen. Es ist unsere Aufgabe, die Rahmenbedingungen für Frauen mit Endometriose gesamtgesellschaftlich zu verbessern. Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen von FDP, SPD und Bündnis 90/Die Grünen, dass wir diesen Antrag heute gemeinsam einbringen und verabschieden. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN, Lisa- Kristin Kapteinat [SPD] und Franziska Müller- Rech [FDP])
