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Nina Andrieshen

SPD 27.10.2023 Sitzungen 18/47

Kinder entdecken und erforschen spielerisch ihren eigenen Körper. Sie sind neugierig und unbefangen. Das beginnt schon in frühester Kindheit – nicht nur, aber auch durch körperliche Erkundung und Rollenspiele, sogenannte Doktorspiele, mit anderen Kindern. Sie sind Bestandteil einer normalen psychosexuellen Entwicklung. Im Gegensatz dazu ist die Erwachsenensexualität eher genital, auf Entspannung und Befriedigung ausgerichtet und dabei stark beziehungsorientiert. In aller Kürze: Kinder durchlaufen von Geburt an eine sexuelle Entwicklung. Sie sind keine asexuellen Landtag Wesen. Sie sind auch keine kleinen Erwachsenen. Sexualpädagogische Konzepte in Kitas stülpen ihnen keine Erwachsenensexualität über. Dieses breit erforschte und wissenschaftlich anerkannte Fachwissen fehlt der AfD anscheinend. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und der FDP – Zuruf von Andreas Keith [AfD]) Vielleicht interpretiert und formt sie aber auch bewusst Fakten und Aussagen so lange um, bis sie in ihr eigenes ideologisches Storytelling passen. Ich zitiere wirklich ungern aus dem Antrag: „Die frühzeitige Konfrontation mit sexuellem Inhalt beeinträchtigt nicht nur die natürliche Entwicklung sowie Unschuld der Kindheit, sondern muss nicht zuletzt auch im direkten Zusammenhang mit dem rasanten Anstieg an sexuellen Übergriffen unter Kindern in Kindertageseinrichtungen gesehen werden. Kinder werden in einer Phase ihres Lebens, in der sie noch nicht vollständig in der Lage sind, abstrakte Konzepte zu verstehen, mit Themen konfrontiert, die für ihren Entwicklungsstand noch nicht angemessen sind.“ Was für ein Schwachsinn! (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU und der FDP) Erstens entbehrt diese Aussage jeder wissenschaftlichen Grundlage und ist lediglich eine eigene, an den Haaren herbeigezogene Schlussfolgerung. Zweitens frage ich mich, welches Kopfkino Sie haben, wenn Sie an sexualpädagogische Konzepte in Kitas denken. Auch hier gebe ich gerne Nachhilfe. Da findet keine detaillierte Aufklärung über Geschlechtsverkehr statt. Die AfD hat da wieder die Brille der Erwachsenensexualität auf. Es geht vielmehr um altersangemessene Aufklärung und darum, dass die Kinder ein gesundes Körperbewusstsein entwickeln, Gefühle einordnen können – im Sinne von: Was mag ich? Was mag ich nicht? –, eigene Grenzen setzen und erkennen und benennen können, wenn ihnen sexuelle Gewalt droht oder angetan wird. Sexualpädagogik fördert also nicht nur die Entwicklung der Kinder, sondern ist auch ein wichtiger Bestandteil in der Missbrauchsprävention. Gleichzeitig hat es den sehr positiven Effekt, dass sich Erzieher*innen bei der Erstellung der Konzeption intensiv mit der Thematik auseinandersetzen, was eine professionelle Haltung und Handlungssicherheit schafft – etwas, was ich mir in diesem Zusammenhang auch von der AfD gewünscht hätte. (Beifall von der SPD, Charlotte Quik [CDU] und Marcel Hafke [FDP]) Es ist eine schamlose Frechheit, wie dem Kinderschutzbund in diesem Antrag Dinge in den Mund gelegt werden, die so nicht stimmen, oder Aussagen 27.10.2023 aus dem Kontext gerissen werden, um die eigene AfD-Ideologie zu bedienen. Wenn die AfD anscheinend keinen intellektuellen Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen hat, dann wird die Wahrheit eben gebogen, bis sie bricht. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und der FDP) Aber, liebe AfD, ein Vorschlag zur Güte: (Zuruf von Marcel Hafke [FDP]) Bis zur Behandlung dieses Antrags im Ausschuss vergeht ja noch etwas Zeit. Es wäre wirklich von Vorteil, wenn Sie sich bis dahin zur Thematik fachlich weiterbildeten und ihre Wissensrückstände aufholten. Falls Sie einen Tipp für entsprechende Fachliteratur benötigen: Das Buch „Sexualpädagogik in der Kita“ von Jörg Maywald kann ich Ihnen da wärmstens empfehlen. Mit 136 Seiten und einer auch für Laien verständlichen Sprache sollte das relativ schnell durchgearbeitet sein. (Heiterkeit und Beifall von der SPD – Beifall von den GRÜNEN und der FDP – Vereinzelt Beifall von der CDU) Der Überweisung in den Ausschuss stimmen wir zu, aber dem Inhalt dieses Antrags in keinster Weise. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD, der CDU und den GRÜNEN)

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