Prof. Dr. Daniel Zerbin
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wissenschaft ist ein schöner Beruf, und das fängt schon im Studium an. Man hat in der Regel Freiheiten und die Möglichkeit, sich selbst zu entfalten, Dinge auszuprobieren und auch mal neu anzufangen. Unser Land hat keine nennenswerten Rohstoffe mehr. Der einzige Rohstoff, der uns bleibt, sind kluge, fleißige und gut ausgebildete Menschen. Davon gibt es immer weniger. Das hat einmal mit dem Landtag demografischen Wandel, mit der fatalen Familienpolitik der letzten Dekaden, aber auch teilweise mit den Verhältnissen an den Schulen zu tun, wo der Nachwuchs immer schlechter ausgebildet wird und sich deswegen schlechter an Universitäten zurechtfindet. Wissenschaftlicher Nachwuchs ist eine Schlüsselressource. Ziel muss es sein, die Besten aus dem Pool der Absolventen für eine wissenschaftliche Karriere zu gewinnen. Deswegen muss Wissenschaft attraktiv sein. Es darf keine Lehrsklaven in prekären Verhältnissen geben. Wissenschaft muss familienfreundlich, Kinder und Wissenschaft dürfen kein Widerspruch sein. Deswegen finde ich die Idee der SPD zur Harmonisierung von Schul- und Semesterferien erst mal gut, Herr Dr. Hartmann. Was will der Antrag weiter? Er will mit Hochschulen, Forschungsorganisationen, Studenten, Hochschulbeschäftigten in den Dialog treten, um da eine Umstellung der Semesterzeiten zu erreichen. Gleichzeitig sollen Chancen für ein einheitliches Vorgehen in den Ländern erörtert werden. Wir sehen aber Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Da haben wir die Anhörung anders beurteilt als die SPD. Es gab auch einige kritische Stimmen, insbesondere aus der Organisation der Universitäten. Wir haben es auch gerade schon von der CDU gehört: Es gibt ein weiteres Problem bei den Oster- und den Herbstferien. Auch die Hochschulen für angewandte Wissenschaften haben nämlich zeitlich gesehen andere Semesterferien als die Unis. Die Kunst- und Musikhochschulen haben noch vorangehende Auswahlverfahren, die auch dementsprechend harmonisiert werden müssten. Wenn so etwas gemacht wird, ist es außerdem besser, wenn man einheitlich, das heißt die Semesterferien und Schulferien in allen Bundesländern, synchronisiert. Es gibt aber gute Gründe dafür, dass man das nicht macht. Wenn die Schulferien nämlich gleichzeitig sind, gibt es Probleme auf den Straßen und mit Überbuchungen beispielsweise von Hotels und anderen Unterkünften. Ich komme zum Schluss. Grundsätzlich finden wir die Verbesserung natürlich gut, sehen aber insbesondere dann ein Problem, wenn diese Harmonisierung bundesweit durchgeführt werden soll. Da haben wir ein Dilemma; das funktioniert nicht so einfach. Nichtsdestotrotz werden wir uns bei diesem Antrag enthalten. (Beifall von der AfD und Dr. Christian Blex [fraktionslos])
