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Dr. Martin Vincentz

AfD 26.10.2023 Sitzungen 18/46

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Das Thema „Abtreibungen“ ist ein politisches Minenfeld. Das Klima ist vergiftet und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit wahrscheinlich von Extremen geprägt. 26.10.2023 Aber deswegen ist es so wichtig, dass wir darüber sprechen und gerade wenn es darum geht, das Thema in die allgemeine medizinische Ausbildung, in das Studium der Humanmedizin, zu überführen, vielleicht zu einem Dialog der Mitte zurückkommen und die Extreme ein bisschen einfangen. Das Medizinstudium wird vor allen Dingen von Idealisten ergriffen. Früher schwor man den Hippokratischen Eid. Darin hieß es beispielsweise wörtlich: „Ich werde niemandem, auch nicht auf seine Bitte hin, ein tödliches Gift verabreichen oder auch nur dazu raten. Auch werde ich nie einer Frau ein Abtreibungsmittel geben. Heilig und rein werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren.“ Das war früher. Mittlerweile wird dem damaligen Text bzw. dem, was man laut diesem durchführen darf, eindeutig widersprochen, und man hat sich auf das Genfer Gelöbnis geeinigt. Auch das leistet man bei seiner Ehre, und darin heißt es: „Als Mitglied der ärztlichen Profession gelobe ich feierlich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen. […] Ich werde den höchsten Respekt vor menschlichem Leben wahren.“ Jetzt können Sie lange darüber diskutieren, was das für Sie bedeutet, und es wird auch kontrovers diskutiert. (Zuruf von der SPD) Ich nehme an, dass gleich wieder, wie soeben schon geschehen, Häme in großem Maße ausgekübelt wird. Aber es kann nicht sein, dass man mit sich vereinbaren muss, dass man als Grundvoraussetzung dafür, Mediziner werden zu können, einen klaren Standpunkt in eine sehr einseitige Richtung beziehen muss. Ich denke, Ihnen allen ist klar, dass man nicht abtreiben muss, wenn man Facharzt ist für: Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Anatomie, Arbeitsmedizin, Augenheilkunde, Biochemie, Allgemeine Chirurgie, Gefäßchirurgie, Herzchirurgie, Kinderchirurgie, Orthopädie, Plastische Chirurgie, Thoraxchirurgie, Viszeralchirurgie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, (Thorsten Klute [SPD]: So kriegt man auch fünf Minuten rum!) Angiologie, Endokrinologie, Gastroenterologie, Hämatologie, Kardiologie, Nephrologie, Pneumologie, Radiologie, Kinder- und Jugendmedizin, Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie, Neurologie, Nuklearmedizin, Öffentliches Gesundheitswesen, Pathologie, Neuropathologie, Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Pharmakologie und Toxikologie, Physika-Landtag lische und Rehabilitative Medizin, Physiologie, Psychiatrie, (Thorsten Klute [SPD]: Abpfeifen!) Psychosomatische Medizin, Radiologie, Rechtsmedizin, Strahlentherapie oder Transfusionsmedizin. Dann ist es nicht Voraussetzung, dass Sie eine Abtreibung durchführen können oder auch nur in der Theorie darüber Bescheid wissen müssen, wie das im Einzelnen funktioniert. (Beifall von der AfD) All diese Menschen sollen ein Recht darauf haben, das ärztliche Handwerk ausführen zu dürfen. Sie sollen nicht in einen ethischen Konflikt geraten und mit sich vereinbaren müssen, das durchzuführen. Im Referentenentwurf heißt es, dass das zu einem Prüfungsinhalt aller drei medizinischen Prüfungen, die man ablegen muss, gemacht werden soll, sodass man unter Umständen durchfallen kann, wenn man damit nicht übereinstimmt. Wo es hingehört, das ist die Weiterbildung für Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Dort kommt man tatsächlich damit in Kontakt, und dort hat man sechs Jahre lang die Möglichkeit, diese Eingriffe in Theorie und Praxis zu lernen. Dort macht es Sinn, das auf hohem Niveau zu praktizieren, denn dorthin wenden sich Frauen, wenn sie das durchführen lassen wollen. Sie sollen sich auch dorthin wenden, anstatt zu einem anderen Arzt zu gehen, denn hoffentlich haben wir die Zeiten hinter uns gelassen, in denen man zum Augenarzt oder zu irgendwem in einem Hinterhof ging, um das durchführen zu lassen. Wenn es also darum geht, die Approbationsordnung zu novellieren, und es einen Referentenentwurf auf Bundesebene gibt, haben die Bundesländer heute schon die Möglichkeit, einen Strich darunter zu ziehen und zu sagen, dass man bei diesem sensiblen Punkt, bei diesem hochideologischen Projekt – und das ist es, wenn man die Abtreibung zur allgemeinen Voraussetzung, zum allgemeinen Thema in der medizinischen Ausbildung macht – nicht mitgeht. Vielmehr sollte man bei dem schwierigen Dialog zu allem, was Abtreibungen betrifft, endlich wieder in die Mitte zurückkehren und sagen: Es gehört dahin, wo es durchgeführt wird, in die Hände von professionell ausgebildeten Fachärzten und Fachärztinnen für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, und nirgendwo sonst hin. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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