Zacharias Schalley
Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Die FDP hat anscheinend wieder Science-Fiction-Filme geguckt. Sie träumt von modernen Gewächshochhäusern in den Metropolen, die sie mit frischem Obst und Gemüse aus der Großstadt versorgen. Wenn Vertical Farming so toll ist, warum macht es dann eigentlich kaum jemand? Ich gebe Ihnen einen Hinweis, der doch bei der Marktwirtschaftspartei FDP auf fruchtbaren Boden fallen müsste: Der Markt regelt das. Vertical Farming ist schlicht nicht wirtschaftlich. Das Land Institute, das sich mit nachhaltiger Landwirtschaft in den USA beschäftigt, hat ausgerechnet: Wollte man die Jahresernte an Weizen der USA mittels Vertical Farming produzieren, so bräuchte man Landtag das 440-Fache an Energie. Woher soll eigentlich der Strom für diese hochtechnisierten Anlagen angesichts der dümmsten Energiepolitik der Welt kommen? Der Vorteil von Vertical Farming, die Unabhängigkeit von Wettereinflüssen, wird doch genau dadurch zunichte gemacht, dass die Verfügbarkeit von Strom doch wieder von Wind oder Sonnenschein abhängig ist. Damit sind wir bei einem weiteren Kernpunkt angelangt. Sie verkaufen uns Vertical Farming als Lösung für die knapper werdende landwirtschaftliche Nutzfläche. Doch was verursacht eigentlich den größten Flächenfraß? Neben Verkehr und Siedlungen sorgt der massive Ausbau der Wind- und Solarindustrie auf unseren Ackerböden für den Verlust an landwirtschaftlicher Nutzfläche. Und wenn Sie die Fläche nicht versiegeln, dann zahlen Sie noch Subventionen, damit der Bauer den Acker oder die Weide brachlegt. Sie bezahlen also dafür, dass nichts produziert wird. Ludwig Erhard gefällt das nicht. Landwirtschaftliche Nutzfläche auf dem Land wird tatsächlich immer knapper und teurer. Das wollen Sie lösen, indem Sie die landwirtschaftliche Produktion in die Städte holen, also genau dahin, wo freie Flächen ohnehin knapp sind und gleichzeitig Wohnraum Mangelware ist. Es ist jetzt schon wirtschaftlich unattraktiv, Wohnraum zu schaffen. Was glauben Sie eigentlich, welcher Investor sich bei der Wahl zwischen Wohnbebauung und Gewächshochhäusern für die landwirtschaftliche Produktion mit ihren ohnehin geringen Gewinnmargen entscheidet? In naiv-progressistischer Manier glauben Sie an digitalisierte und technisierte Lösungen für Probleme, die Sie selbst erst geschaffen haben. Doch all diese vermeintlichen Lösungen sind Symptome für die Entkoppelung des Menschen von der Natur. Punkt 1. Vertical Farming ist mit dem Ideal des bäuerlichen Familienbetriebs nicht vereinbar. Will ein Landwirt Vertical Farming betreiben, so muss er eher Informatik als Agrarwissenschaften studieren. Es ist ein hoher technischer Aufwand und nicht bäuerliches Spezialwissen nötig, um die Produktionsanlagen überhaupt betreiben zu können. Punkt 2. Pflanzen ziehen sowohl Nährstoffe als auch die darin enthaltenen Mikroorganismen aus dem Boden. Damit produzieren die Pflanzen sogenannte sekundäre Inhaltsstoffe. Die sind gesund und sorgen für Geschmack, sind aber via Vertical Farming nicht verfügbar. Jeder Kunde im Supermarkt kennt das: Gemüse und Obst aus Gewächshäusern schmeckt schlechter als Freilandgemüse. (Hendrik Schmitz [CDU]: Das ist aber 20 Jahre her!) 26.10.2023 Punkt 3. Zivilisationskrankheiten, also Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten, nehmen seit Jahren zu. Das liegt an der Behandlung der Lebensmittel mit Chemie, durch Erhitzen, Einfrieren und andere Prozesse. Unser Essen wird immer unnatürlicher, und unser Körper reagiert darauf mit Unverträglichkeiten und Allergien. Ein Immunsystem bleibt aber nur dann auf Stand, wenn es auch negativen Einflüssen ausgesetzt ist. Dreck reinigt bekanntlich den Magen. Was meinen Sie, was mit unseren Körpern passiert, wenn wir Lebensmittel konsumieren, die im Reinraum produziert werden? Und was passiert eigentlich, wenn dort doch mal Erreger eindringen, Stichwort „Krankenhauskeime“? Ich fasse zusammen: Nährlösungen, künstliches Licht, geschlossene Systeme, in die der Bauer – der Bauer! – im ABC-Schutzanzug reingeht, als nächster Schritt genveränderte Pflanzen und Tiere bis zu Frikadellen, die in der Petrischale wachsen – pfui Deibel! Und für Sie: Guten Appetit bei Proteinblöcken und Soylent Green! Wir als AfD sagen: Ein Bauer gehört auf einen Hof und nicht ins Labor; Gemüse gehört aufs Feld und nicht in eine Petrischale; die Landwirtschaft produziert Lebensmittel und keine Betriebsstoffe für den Menschen. Ihr Antrag gehört in einen Science-Fiction-Film und nicht ins Plenum. Selbstverständlich stimmen wir der Überweisung an den Ausschuss zu. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
