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Sven Werner Tritschler

AfD 26.10.2023 Sitzungen 18/46

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Alle reden von Kreislaufwirtschaft. In Nordrhein-Westfalen oder zumindest im Landtag wird gehandelt. So könnte auf diesem schwarz-grünen Antrag stehen: Ich war mal ein schwarz-gelber Antrag, der mal ein AfD-Antrag war. Aber der Reihe nach: Der Antrag mit dem Titel „Working Spaces 2.0. Dezentrale, wohnortnahe Arbeitsplätze für Beschäftigte des Landes“ ist im Wesentlichen – wir haben es gerade schon gehört – ein Aufguss eines Antrags der alten Regierungskoalition aus dem Jahr 2021 unter dem Titel „Mit Working Space-Angeboten Landesbehördenarbeitsplätze im ländlichen Raum dezentralisieren“. Der wiederum war – sagen wir einmal vorsichtig – stark inspiriert von unserem Antrag aus dem Jahr 2019 unter dem Titel „‚Gestresste‘ Wohnungsmärkte in Großstädten entlasten und den ländlichen Raum stärken – Verlagerung von Hochschuleinrichtungen und Behörden.“ Aber wenn man sich die Performance der Landesregierung so anschaut, dann muss man fast froh sein, wenn sie lieber abschreibt anstatt auf eigene Ideen zu kommen. Wie dem auch sei: Die Grundidee ist zweifellos nicht neu. Anstatt oft lange Anfahrtswege über das bekanntermaßen marode Straßen- und Schienennetz in NRW in Kauf zu nehmen, möchte man in der Fläche sogenannte Coworking-Spaces anbieten, in denen die Arbeitnehmer und Beamten der Landesverwaltung ihrer Tätigkeit nachgehen können. Das spart zumindest in der Theorie Lebenszeit, erhöht damit die Lebensqualität und ist obendrein noch billiger. Wer dran glauben mag, der meint auch noch, dass es das Klima rettet. Inspiriert ist das Ganze von der Start-up-Szene. Auch, wenn es vielleicht ein bisschen schwerfällt, sich die Mitarbeiter einer Oberfinanzdirektion auf einer Art landeseigenem Google-Campus mit Sitzecken und Tischkicker vorzustellen, so spricht gegen die weitere Umsetzung dieser Idee erst mal nichts. Besser gesagt: Es wäre überhaupt erst einmal Zeit für Umsetzung. Denn in den zwei Jahren seit dem besagten letzten Antrag ist nicht besonders viel passiert. 26.10.2023 Ganz stolz berichten Sie in Ihrem Antrag – ich zitiere –: „So bietet der“ – wohlbemerkt einzige – „Standort Aachen aktuell fünf feste und bis zu 6 sechs flexible Arbeitsplätze.“ Sagenhaft, meine Damen und Herren. Sie schaffen also im Schnitt 5,5 Plätze im Jahr. Bei rund 300.000 Landesbeschäftigten können Sie also in ungefähr 545 Jahren genau einem Prozent einen Coworking-Space anbieten und bis dahin aber immerhin noch 220 solcher Anträge schreiben, wenn Sie bei der bisherigen Schlagzahl bleiben. Aber wir wollen Ihnen die Freude an diesem Antrag nicht nehmen. Zweifelhaft ist allerdings, ob die ganze Sache wirklich – das hat mein Vorredner schon angesprochen – das ungeheure Potenzial hat, wie Sie es sich vorstellen. Es handelt sich wohl eher um eine Nischenlösung. Ähnlich wie das Homeoffice, das zeitweise für ganze Antragsfluten gesorgt hat, sehen viele Beschäftigte auch den Coworking-Space eher als eine Ergänzung zum gewohnten Arbeitsumfeld, wenn überhaupt. Das klassische Büro mit den kurzen Wegen zu den unmittelbaren Mitarbeitern hat durchaus seine Vorzüge. Ich bezweifle auch stark, dass die Arbeitnehmer im Land das kommunenartige Arbeitsumfeld schätzen, dass Sie hier in so blumigen Farben schildern. Ich zitiere: „Zudem werden durch Working Space-Angebote ganz unterschiedliche Menschen zusammengebracht, die sich vernetzen, gemeinsam arbeiten und voneinander lernen können.“ Deutschland ist ja überhaupt das Land, wo sehr gerne ganz unterschiedliche Menschen zusammengebracht werden, aber fragen Sie zur Abwechslung doch einmal die Menschen, ob sie das wollen. Wie dem auch sei, die hier im Antrag zum wiederholten Male skizzierten Coworking-Angebote für Landesbeschäftigte sehen wir als eine sinnvolle Ergänzung an. Wir stimmen dem Antrag von daher gerne zu und hoffen, dass bis zur nächsten Auflage – das dürfte wieder in etwa zwei Jahren sein – den vielen Worten auch einmal Taten folgen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

Protokoll ↗