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Dr. Ralf Nolten

CDU 25.10.2023 Sitzungen 18/45

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am Freitag beim Besuch einer Bürgerinitiative in der Rureifel zeigte mir der Gastgeber stolz seine Hinterwälder. Er züchtet die Rinder schon seit seinem Kauf einer Mühle mit den dazugehörigen Flächen als Herdbuchbetrieb. Die Richtlinie zur Förderung der Zucht und Haltung bedrohter Haus- und Nutztierrassen des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2015 führt die Hinterwälder als eine der 15 förderfähigen Rinderrassen, obwohl sie aus dem Hochschwarzwald stammen. Warum? Weil die einzelnen Rassen nicht, entgegen der Aussage des AfD-Antrags, für den Phänotyp einer Landschaft verantwortlich sind. Mit der Eifel eng verbunden scheint das Glan-Donnersberger Rind. Das leichte, milchergiebige Glanrind entstand im 18. Jahrhundert ebenso wie das schwerere Donnersberger Rind als Arbeitstier auf-25.10.2023 grund einer Körverordnung des Landesherrn durch Einkreuzung Schweizer Rinder. Erste Glan-Donnersberger Zuchtverbände wurden Ende des 19. Jahrhunderts, die ersten preußischen Zuchtgenossenschaften wenige Jahre später gegründet. 1930 gab es etwa 400.000 Tiere. Der Niedergang der Rasse hatte seinen Tiefpunkt in den 1980er-Jahren. Von 25 Kühen waren nur vier reinrassig; einen reinrassigen Bullen gab es nicht. Durch Gefriersperma wurde mittels Herdbuchzucht von Haltern in ganz Deutschland wieder ein Bestand von etwa 2.000 Tieren aufgebaut. Auch deswegen scheint die Forderung nach einem landesspezifischen Monitoring oder die Erklärung von sogenannten Landesverantwortungsarten – gemeint sind wohl eher Rassen – unsinnig. Im Frühjahr gab es den AfD-Antrag zum Erhalt alter Kultursorten von Obst, Getreide und Gemüse. Nun dieser Antrag zu den alten Nutztierrassen; gestellt, um die Agrobiodiversität und die Identität – wessen eigentlich? – zu fördern. Wer bei der Anhörung zum Antrag zu den Kultursorten zugehört hat, hat durch die Experten von Bundessortenamt, Landwirtschaftskammer, Universität und Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt vom sehr guten Miteinander staatlicher und privater Initiativen bei Erhalt, Vermehrung und Vermarktung erfahren. Erst private Initiativen, ab den 1990er-Jahren auch die öffentliche Hand haben erreicht, dass in der EU 13.900 Obstsorten von 30 Arten vertriebsfähig sind. Wenn auch Kundengeschmack und Heterosis-Effekt mit wenigen Sorten den Massenmarkt bestimmen, zeigen die Zahlen der BLE: Wir sind erfolgreich – auch beim Erhalt der Nutztierrassen. Da ist Ihr Alarmismus absolut fehl am Platze. (Beifall von der CDU und Norwich Rüße [GRÜNE]) Es wird ein hoher finanzieller Aufwand in Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung betrieben: – die Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland: in Ihrem Antrag nicht erwähnt; – der Fachbeirat Tiergenetische Ressourcen: ebenso unerwähnt; – die Kryogenbanken mit den Tiefkühlsamen in den verschiedenen Zuchtstationen und Universitäten sowie beim Friedrich-Loeffler-Institut des Bundes: Fehlanzeige; – die Strategien für Erhaltungs- und Beobachtungspopulationen: ohne Erwähnung; – ein Hinweis auf die finanzielle Förderung von Zucht und Haltung bedrohter Nutztierrassen über Landtag die zweite Säule der Europäischen Agrarpolitik: Schweigen bei der AfD. Die jährliche Förderung beträgt bei Rindern und Pferden bis 200 Euro pro Tier, bei Schweinen bis zu 100 Euro sowie bei Schafen und Ziegen 30 Euro. Das ist doch nicht nichts. Ja, die finanzielle Förderung bei Geflügel und Kaninchen fehlt, wenn auch alle anderen bereits genannten Maßnahmen für sie genauso bestehen. Den Mitgliedern der Kaninchen- und Geflügelzuchtvereine ist aber nicht mit ein paar Euro pro Tier und Jahr gedient. Hier geht es mehr um das Verständnis bei ihren Nachbarn für den Hahnenschrei am Morgen oder das Stallklopfen und um Fingerspitzengefühl bei den Veterinärämtern. Ein Satz noch zur Biosphären-Vermarktung: Ja, das Rhönschaf wird als regionales Produkt aus dem Biosphärenreservat Rhön vermarktet. In NRW haben wir noch kein solches Biosphärenreservat. Ist das jetzt der Ruf der AfD nach einem Biosphärenreservat? Das wären ja mal ganz neue Töne. Kurzum: Dass Wiederkäuer wie Hinterwälder auf ihrer Weide im Rurtal nur bis zum nächsten Berghang schauen können, ist gewünscht, das Wiederkäuen von Anträgen durch Menschen, die ihren Horizont erweitern könnten, hingegen nicht. Der Überweisung stimmen wir zu. (Beifall von der CDU, der SPD und den GRÜNEN)

Protokoll ↗