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Zacharias Schalley

AfD 25.10.2023 Sitzungen 18/45

Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Sie alle kennen den Tiger. Von der majestätischen Raubkatze gibt es weltweit weniger als 4.000 in freier Wildbahn. Wissen Sie, wie viel in die Rettung des Tigers investiert wird? Ein Beispiel: Im Jahr 2010 gab die Bundesregierung zusammen mit dem WWF allein 4,7 Millionen Euro für die Rettung der 450 verbliebenen Amurtiger in Sibirien. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Gut so!) Sie kennen sicher auch den Panda. In freier Wildbahn gibt es noch etwa 2.000 Tiere. Um zwei dieser putzig-tollpatschigen Bären zu halten und Schutzprojekte zu fördern, gab der Berliner Zoo im Jahr 2017 rund 920.000 Euro aus. Nun frage ich Sie: Kennen Sie das Bentheimer Landschaf? (Norwich Rüße [GRÜNE]: Ich halte es sogar!) Von diesem größten deutschen Moor- und Heideschaf gibt es noch ca. 3.000 Tiere. Und wie viel investiert die Regierung, um dieses einstmals auch für NRW prägende Tier zu erhalten? Das weiß weder ich noch die Landesregierung. Überschlagen kann ich Ihnen nur sagen, dass für alle bedrohten Schafsrassen in NRW letztes Jahr insgesamt 376.000 Euro gezahlt wurden. Anscheinend interessiert man sich in der hohen Politik nur wenig für bedrohte Nutztierarten. Es ist also an der Zeit, dass die AfD den Fokus darauf legt. Da wir als AfD staatlicherseits mit großem Interesse beobachtet werden, hier ein sachdienlicher Hinweis an die Verfassungsschutzbehörden: Sie sollten dringend das Deutsche Reichshuhn beobachten. Nicht nur der Name ist verdächtig. Es gibt sogar Farbschläge in schwarz-weiß-rot. Haldenwang, übernehmen Sie! (Beifall von der AfD und Dr. Christian Blex [fraktionslos]) 25.10.2023 Aber gut, probieren wir es mal mit einem gefiederten Nutztier aus Nordrhein-Westfalen: die Lippegans. Die namensgebende Region Lippe findet sich auch in unserem Landeswappen wieder. Wie vieler dieser federbehaupten Gänse aus unserer Heimat gibt es? Keine 120 Tiere. Wie viel investiert die Landesregierung, um dieses Symboltier für eine ganze Region vor dem Aussterben zu retten? Null, nada, nichts, keine müde Mark. (Zuruf von Dr. Dennis Maelzer [SPD]) Das Land NRW hat nicht mal Förderprogramme für Kleinvieh, also Hühner, Enten, Gänse, Kaninchen usw. Dabei macht Kleinvieh bekanntlich auch Mist. Die Biodiversität, also die Vielfalt an Arten, Ökosystemen und Genen auf unserer Erde, erleidet dramatische Verluste. Das ist allgegenwärtig und unbestritten. Die alten Nutztierrassen sind vom Menschen geschaffenes Kulturgut, das aber genauso schützenswert ist wie seltene Wildtiere. Früher zeichnete sich die Landwirtschaft durch eine große regionale Vielfalt an Nutzpflanzen und Nutztierrassen aus. Heutzutage haben die Populationen einen neuen Tiefpunkt ihrer Existenz erreicht. Der Marktdruck zwingt die Bauern, auf industrielle Rassen zu setzen. Doch dadurch verschwinden viele alte Nutztierrassen unwiderruflich. 70 % der heimischen Nutztierrassen sind vom Aussterben bedroht. Gleichzeitig erfährt die konventionelle Tierzucht eine zunehmende Monopolisierung. Bei Masthähnchen haben nur vier Konzerne einen weltweiten Marktanteil von über 90 %. Bei Legehennen liegt die Zucht bei ganzen drei Unternehmen. Die Monopolisierung der kommerziellen Tierzucht sorgt für genetische Verarmung und verschärft den negativen Trend beim Nutzvieh. Laut Statistischem Bundesamt gehörten im Mai 2023 85 % der Milchkühe nur einer Rasse an. Bei der Fleischerzeugung bilden nur vier Rassen und deren Kreuzungen 80 % des Gesamtbestandes. Auf globaler Ebene heißt das: Ein Drittel der Weltproduktion des Schweinefleisches, die Hälfte der Eier, zwei Drittel der Milchproduktion und drei Viertel des Geflügelfleisches stammen von wenigen industriellen Hochleistungsrassen, die die alten heimischen Nutztierrassen verdrängen. Diese zeichnen sich, anders als die Hochleistungsrassen, nicht durch ihre Fleisch- oder Milchmenge aus, sondern haben andere wertvolle Eigenschaften wie Standortangepasstheit, Genügsamkeit, Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten. Was würde das Verschwinden dieser alten Nutztierrassen für die Menschheit bedeuten? Wir werden nicht mehr in der Lage sein, uns auf sich verän-Landtag dernde Umweltverhältnisse, Bewirtschaftungsmethoden oder Verbrauchererwartungen einzustellen. Die Auslöschung der alten Nutztierrassen muss verhindert werden. Dazu müssen wir die Biodiversitätsstrategie überarbeiten und ganzheitlich denken. Wir müssen alte Nutztierrassen in die Schutzkonzepte von Kulturlandschaft erhaltenden Großschutzgebieten einbeziehen. Warum wird im Wittgensteiner Land nicht die Haltung des Wittgensteiner Rotviehs gefördert? Warum unterstützt die Landesregierung nicht, dass es in Lippe auch Lippegänse gibt? (Zuruf von Dr. Dennis Maelzer [SPD]) Nutzvieh gehört nicht nur zum Landschaftsbild, sondern ist an der Gestaltung und Pflege von Kulturlandschaften beteiligt. Natürlich gelingt der langfristige Erhalt nur, wenn Zucht und Haltung auch wirtschaftlich attraktiv sind. Das Potenzial ist da. Verbraucher legen großen Wert auf regionale Lebensmittel, nicht nur aus Gründen der Nachhaltigkeit, sondern weil ihnen Heimat etwas bedeutet. Nach Ansicht der AfD steht das Land hier in der Pflicht und muss die bei uns heimischen Nutztierrassen zu Landesverantwortungsarten ernennen und besonders fördern. Kehren wir erst vor der eigenen Haustüre, bevor wir die Welt retten wollen! Agrobiodiversität, Naturschutz, Kulturlandschaftspflege und der Erhalt der lokalen Identität gehören zusammen und gelingen nur zusammen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD und Dr. Christian Blex [fraktionslos])

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