Dr. Martin Vincentz
Was bedeutet es heutzutage, ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Es bedeutet, die Kontrolle über sein eigenes Leben zu haben, eigenverantwortlich Entscheidungen treffen zu können. 18,5 Prozent der jungen Menschen zwischen 18 und 34 Jahren in Nordrhein-Westfalen verfügen nach aktuellen Zahlen des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales nicht über einen beruflichen Abschluss, damit einher gehen häufig Perspektivlosigkeit und fehlende gesellschaftliche Teilhabe. Zwei Drittel der Langzeitarbeitslosen hierzulande verfügt ebenfalls nicht über eine Berufsausbildung. Dies veranschaulicht, wie wichtig es ist, bereits frühzeitig Perspektiven aufzuzeigen, um einen erfolgreichen Start in das Berufsleben zu ermöglichen. Um sich gar nicht erst in dieser Spirale zu verlieren, benötigen viele Schüler eine Anschlussperspektive, insbesondere wenn Elternhaus und das soziale Umfeld versagen. Die Landesregierung hat im Rahmen von „Kein Abschluss ohne Anschluss“ bereits im Jahr 2021/2022 eine Initiative in Leben gerufen, in dem Schüler, die zu bestimmten Zeitpunkten noch keine Anschlussperspektive haben, frühzeitig identifiziert werden und in dem weiteren Prozess unterstützt werden können, sofern gewünscht. Diese Initiative hat bereits vielen Schülern, die womöglich ebenfalls in diese Spirale geraten wären, den Einstieg in ein Berufsleben ermöglicht. Um die Möglichkeit zu haben, dass die Agenturen für Arbeit Schüler ohne Anschlussperspektive unmittelbar anschreiben und auf das Angebot der beruflichen Orientierung und Berufsberatung hinweisen können, gerade auch wenn sie nicht mehr in der Schule sind, bedarf es nun im Folgenden einer Anpassung des Schulgesetzes Nordrhein-Westfalens. Das „Schülerinnen- und Schülerdatenübermittlungsgesetz NRW“ ermöglicht es der Agentur für Arbeit, auf die Daten eben dieser Schüler zugreifen zu können. Das ist ein wichtiger Schritt raus aus dem Kreislauf der Arbeitslosigkeit und rein selbstbestimmtes Leben. Wir stimmen daher zu. 20.09.2023
