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Susanne Schneider

FDP 20.09.2023 Sitzungen 18/42

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir alle haben noch die Bilder von der furchtbaren Hochwasserkatastrophe vor zwei Jahren vor Augen. Wenn schon ich diese Bilder nicht aus dem Kopf bekomme, wie schlimm muss das dann erst für die Betroffenen sein, wenn man Angehörige, Freunde oder Nachbarn verloren hat? 49 Menschen sind in Nordrhein-Westfalen plötzlich aus dem Leben gerissen worden. Auch die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei waren enormen Belastungen ausgesetzt, wenn sie Menschen nicht mehr helfen konnten oder gar Todesnachrichten überbringen mussten. Neben dieser menschlichen Trauer kommt der Schock, dass Hab und Gut einfach weggespült wurden. Viele Menschen standen nur noch vor Trümmern, Lebenswerke wurden vernichtet. Dies alles geht natürlich nicht spurlos an einem vorbei, und so war oder ist rund ein Viertel der von der Katastrophe Betroffenen psychisch erkrankt. Gerade auch junge Menschen sind schwer traumatisiert und müssen wahrscheinlich auch Langzeitfolgen meistern. Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, die psychisch erkrankten Betroffenen in den Flutgebieten brauchen Unterstützung und haben sie zum Teil auch schon bekommen. Unmittelbar nach der Flutkatastrophe hatte das Land mit den Landschaftsverbänden vereinbart, die Angebote von Traumaambulanzen für die Betroffenen zu öffnen. Dieses Angebot der psychologischen Frühintervention steht sonst eigentlich nur Opfern von Gewalt- und Sexualstraftaten offen. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die medizinische und psychotherapeutische Erststabilisierung innerhalb von wenigen Tagen nach einer Gewalttat. Die Traumaambulanzen konnten vielen Flutopfern schnell und professionell helfen. Zudem hat das Land die Errichtung eines niedrigschwelligen gruppentherapeutischen Angebots für extrem psychisch belastete Betroffene und Fluthelfer vor Ort durch die KV Nordrhein bis zum Frühjahr 2022 mit 95.000 Euro gefördert. Dieses Angebot fand an sieben Standorten in von der Flutkatastrophe besonders betroffenen Kommunen statt. Bei der hohen Zahl von Menschen mit seelischen Erkrankungen reichten die damals getroffenen Sofortmaßnahmen jedoch nicht aus. Es mussten und müssen immer noch die Übergange in die Regelversorgung organisiert werden, was eine echte Herausforderung ist. Die Flutopfer benötigen eine weiterführende, individuelle Behandlung wie eine ambulante Landtag Psychotherapie. Allerdings sind in der Region trotz des erhöhten Behandlungsbedarfs nicht ausreichend Kassenzulassungen für Therapeuten vorhanden. Die Landesregierung hatte mit der KVNO und den Krankenkassen Mitte 2022 acht zusätzliche Abrechnungsermächtigungen für gesetzlich Versicherte geschaffen, die allerdings nur auf zwei Jahre befristet erteilt wurden. Bewerben konnten sich auf diese Ermächtigungen nur Inhaberinnen und Inhaber von bereits bestehenden Praxen. Das ist viel zu wenig. Eine nachhaltige Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung kann so nicht ansatzweise erreicht werden. Damit aber sichergestellt ist, dass wirklich alle Betroffenen die psychotherapeutische Versorgung nutzen können, sollten die Abrechnungsermächtigungen entfristet werden. Viele Behandlungen werden schließlich definitiv nicht 2024 abgeschlossen sein. Ich bin den Kolleginnen und Kollegen der SPD-Landtagsfraktion sehr dankbar, dass sie mit ihrem Antrag auf den Handlungsbedarf reagieren. Die psychotherapeutische Versorgung in den Flutgebieten muss angesichts der fortdauernden Behandlungsbedarfe langfristig gesichert und verbessert werden. Dafür sind zusätzliche Therapieplätze und Sonderbedarfszulassungen für psychologische Psychotherapie in den betroffenen Kommunen erforderlich. Ergänzend kann eine Brückentraumabegleitung betroffene Menschen bis zum Beginn einer Therapie auch länger begleiten, zum Beispiel um weiterführende Hilfsangebote zu vermitteln. Wie bereits erwähnt, ist der Handlungsbedarf groß. Wie groß er ist, wird auch anhand der Berichte deutlich, dass unmittelbar nach der Katastrophe in den Flutgebieten Scharlatane unterwegs waren. Diese selbsternannten Heiler versprachen den Menschen mit Gesundbeterei Besserung. Mir liegen jetzt einige unparlamentarische Begriffe auf der Zunge, um dieses schändliche Ausnutzen von Menschen in Not zu verurteilen. Daher sollten wir alles dafür tun, die psychotherapeutische Versorgung in den Flutgebieten weiterhin so zu sichern, dass Betroffene die professionelle Hilfe bekommen, die sie benötigen. – Ich danke Ihnen. (Beifall von der FDP und der SPD)

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