Lisa-Kristin Kapteinat
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 20.000 Haushalte, 180 betroffene Kommunen, 12 Milliarden Euro Schaden, 49 tote Menschen, und hinter jeder dieser verstorbenen Personen stehen Familie, Freunde und Bekannte, die zurückbleiben, Menschen, die keine Angehörigen verloren haben, aber alles an Hab und Gut, Retterinnen und Retter, die Menschen aus den Fluten retten konnten, die Leichen bergen mussten und dabei oft selbst ihr Leben riskiert haben. Statistisch gesehen werden bis zu 30 % der direkt vom Hochwasser betroffenen Personen eine seelische Erkrankung entwickelt haben. Eine Risikofolgenabschätzung aus dem Kreis Euskirchen geht von 5.000 bis 8.000 Menschen aus. In diesem Zusammenhang – das fällt mir nach Ihren letzten Worten gerade gar nicht so leicht – muss ich zugestehen: Die Landesregierung ist schon tätig geworden, spät, aber immerhin. Auch hier gilt: Jede Hilfe hilft. – Daher danke ich Ihnen diesbezüglich ausdrücklich. Die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die in der Region tätig geworden sind, die von der Flut getroffen worden sind, von der Flut, die schon über zwei Jahre her ist, die aber die Menschen, die dort überlebt haben, tagtäglich weiter beschäftigt, beschreiben Panikstörungen, Angsterkrankungen, depressive Episoden und Traumafolgeerkrankungen als gehäuft auftauchende Krankheitsbilder. Dabei ist völlig klar: Wenn diese Erkrankungen nicht ausreichend therapiert werden, kann es zu Berufsunfähigkeit, Frühverrentung oder Schlimmerem kommen. Die befristeten Ermächtigungen, die es durch das Land für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gegeben hat, um tätig zu werden und um den Menschen zu helfen, werden spätestens Mitte 2024 auslaufen. Bereits jetzt ist aber klar: Das, was es dort an Unterstützung gegeben haben, reicht nicht annähernd, um diese – ich habe es gerade gesagt – 5.000 bis 8.000 Personen zu erreichen und ihnen Unterstützung zu leisten. Und es ist völlig klar: Die Notwendigkeit wird auch über 2024 hinaus bestehen bleiben. Wir kennen alle die Zahlen, die es schon ohne solche Katastrophen gibt im Hinblick auf die psychotherapeutische Versorgung, auf Wartezeiten, auf vermeintliche Erfüllung, was die formalen Voraus-20.09.2023 setzungen angeht, und auf die tatsächlichen Erfahrungen, die Menschen machen, die Hilfe brauchen. Daher unser Antrag. Bitte entfristen Sie diese Abrechnungsermächtigungen. Schaffen Sie darüber hinaus eine ambulante Brückentraumabegleitung sowie zusätzliche psychotherapeutische Therapieplätze. Bitte lassen Sie uns hier alle gemeinsam helfen. Das Wasser ist weg, die Belastung aber bleibt. – Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der SPD und der FDP)
