Sven Wolf
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der vorliegende Antrag gibt uns noch einmal eine tolle Gelegenheit, über das Ehrenamt in unserer Gesellschaft zu sprechen. Das freut mich sehr, denn das Ehrenamt hat ganz viele Gesichter. Ganz viele davon sehe ich hier im Raum. Da gibt es zum Beispiel die Kollegin, die sich ehrenamtlich im Vorstand ihres AWO-Kindergartens einbringt, da gibt es den Kollegen, der ehrenamtlich den Deutschen Ringer-Bund führt. Da gibt es den Kollegen, der ehrenamtlich Führungen in seiner Heimatstadt über den jüdischen Friedhof macht. Da gibt es die Kollegin, die sich im Vorstand ihrer Kirchengemeinde einbringt und für ein lebendiges Gemeindeleben sorgt. Diese Liste ließ sich mit Sicherheit sehr lang fortsetzen. Sie alle sollten vielleicht mal selber überlegen, was Sie so an ehrenamtlicher Tätigkeit leisten. Dann bleibt es nicht bei einem Ehrenamt, sondern andere Ehrenamtler werden Ihnen bestätigen: Ganz häufig macht man das nicht nur in einem Verein, man macht es in vielen. Ich finde, das ist ganz typisch für das Ehrenamt. Viele machen nicht in einem Verein, sondern meist in mehreren mit. Das Ehrenamt ist wertvoll. Meine Vorrednerin und mein Vorredner haben es gerade deutlich gemacht. Denn die Tätigkeiten sind unbezahlbar und dürfen daher für uns nie selbstverständlich werden. Das haben wir immer dann gemerkt, wenn Ehrenamt aus Altersgründen oder während der Coronapandemie weggebrochen ist. Denn alle im Ehrenamt bringen etwas absolut Unbezahlbares ein: ihre persönliche Zeit – Zeit, die einem niemand wieder zurückgibt, Zeit, die 25.08.2023 vielleicht bei der Familie fehlt, oder Zeit, die für Sport oder etwas anderes bei einem selber fehlt. Deswegen sage ich an dieser Stelle von mir persönlich, aber auch im Namen der SPD-Fraktion noch einmal ein großes Dankeschön an die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich in unserem Land engagieren. (Beifall von der SPD, der CDU und den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der FDP) Meine sehr verehrten Damen und Herren, beim Dankeschön sollte es nicht bleiben. Zur Wertschätzung gehören auch Ehrungen, Aktionen zum Tag des Ehrenamts, Ehrenamtspreise. Ich könnte jetzt ganz viele Beispiele aus unterschiedlichen Regierungszusammensetzungen, aus unterschiedlichen Anträgen der demokratischen Fraktionen nennen. Ein Beispiel ist der Engagementpreis, der vor zehn Jahren unter Hannelore Kraft eingeführt wurde. Der ist immer noch da und hat dieses Jahr den Schwerpunkt „Nachhaltigkeit“. Das ist wirklich eine tolle Idee, um das Ehrenamt zu fördern. Deswegen – das war Ihr Wunsch, Frau Kollegin; Sie haben es sehr deutlich gesagt – stimmen wir Ihrem Antrag zu. Wir finden es nämlich wichtig, dass wir, wenn eine gute Idee da ist, diese Idee auch gemeinsam als Parlament auf den Weg bringen. Insbesondere beim Ehrenamt in den Hilfsorganisationen haben wir gerade im Zusammenhang mit dem Jahrhunderthochwasser gemerkt, wie unglaublich wichtig es gewesen ist. Wir haben uns in der letzten Sitzung des Untersuchungsausschusses intensiv auch mit der psychischen Belastung der Ehrenamtler beschäftigt. Ich glaube, das hat uns alle sehr berührt und gezeigt, wie wichtig dieses Ehrenamt ist und wie stark sich die Menschen in diesem Ehrenamt einbringen. Ich will aber noch einen Gedanken hinzufügen. Das Ehrenamt leistet noch etwas unglaublich Wichtiges: Es schützt und bewahrt unsere Demokratie. Denn wer sich für andere einsetzt, wer sich für unsere Gesellschaft einsetzt, dem ist die Zukunft unseres Staates nicht egal. Wir müssen die Demokratie, wir müssen den Rechtsstaat stärken – gegen die Feinde der Demokratie von außen, aber auch von innen. Dabei können wir uns auf das Ehrenamt verlassen. Wir wissen das Ehrenamt bei der Verteidigung unserer Demokratie an unserer Seite. Vor 90 Jahren haben wir diese Demokratie einmal aus den Händen gegeben. Das wird uns nie wieder passieren. Das werden wir gemeinsam nie wieder zulassen. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD, der CDU und den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der FDP) Landtag
