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Zacharias Schalley

AfD 24.08.2023 Sitzungen 18/40

Frau Präsidentin! Werte Damen und Herren! Es ist ein schön populistischer Antrag der Oppositionskoalition, der so wenig gehaltvoll ist wie eine dünne Wassersuppe. Statt Fettaugen schwimmen in dieser Antragsuppe nur ein paar Plattitüden über Ressourcenverschwendung und Startups. Und um Ihre Zutaten für diesen Antrag voll zu machen, wird natürlich auch der Klimawandel reingerührt. Es ist wie der Appell von Mutter: Wenn du deinen Teller nicht leer isst, dann kommt die globale Erwärmung! Landtag Das Problem der Lebensmittelverschwendung beginnt doch tatsächlich viel früher als beim Endverbraucher. Wie Sie selbst schreiben, ist die Definition von „Verschwendung“ unklar. Der Strunk vom Salat oder die Kartoffelschale sind nicht verwertbar, außer man füttert das Hausschwein damit, oder – moderner – man wirft es in die Biogasanlage. Tatsächlich ist auch das Mindesthaltbarkeitsdatum kritisch zu sehen, vor allem, wenn man sich die teilweise skurrilen Auswüchse ansieht: Millionen Jahre altes Salz, das in drei Jahren ablaufen soll, nur weil Kräuter beigemischt sind. Die tatsächlich vermeidbare Verschwendung beginnt bei der Produktion und findet vor allem bei den Zwischenhändlern statt. Die verfügbaren frischen Lebensmittel im Supermarkt haben prinzipiell eine geringere Lagerfähigkeit, alleine aus ökonomischem Interesse der Händler. Die schnell wachsenden, aber wenig resilienten Apfelsorten sind für den Handel attraktiver als alte Sorten, die auf gute Lagerfähigkeit hin gezüchtet wurden. Dafür sind diese nicht so ertragreich und optisch ansprechend. Hinzu kommen Verteilungsverluste im Groß- und Einzelhandel, wo aus Marketinggründen absolut genießbare Lebensmittel entsorgt werden. Ich nenne Ihnen ein Beispiel. Knapp 60 kg Kartoffeln isst jeder Deutsche pro Jahr; gerundet konsumieren wir knapp 7 Millionen Tonnen. Es wird ein erklecklicher Teil bereits auf dem Weg vom Acker zum Teller ausgesondert. Grund hierfür sind häufig Vorgaben der Industrie zum Zweck der besseren Verarbeitung und des normgemäßen Erscheinungsbildes. Die EU-Verordnung zur Gurkenkrümmung lässt grüßen. Auch die Verarbeitung sorgt für geringere Haltbarkeit. Eine gewaschene, polierte und in einem durchsichtigen Netz feilgebotene Kartoffel verdirbt schneller. Wer noch weiß, was eine Kartoffelmiete ist, der versteht, was ich meine. Dasselbe gilt für andere Ware im Supermarkt. Ein bereits aufgeschnittener Käse oder geschnittenes Brot halten nicht so lange wie ein ganzer Laib, den man nach Bedarf portioniert. Zusätzlich müssen für die Optik noch Zusatzstoffe oder Chemikalien rein, die künstlich für Haltbarkeit sorgen. Auch die Art des Angebots im Lebensmitteleinzelhandel produziert mehr Verschwendung. Die abgepackten Mengen passen nicht zum veränderten Konsumverhalten. Es gibt mehr Singlehaushalte. Die Mengen in einer Packung sind jedoch für zwei bis drei Personen kalkuliert. Gleichzeitig nehmen sich die Leute weniger Zeit, um zu Hause zu kochen. Sie greifen zu Fertiggerichten oder essen direkt außer Haus. Es gilt das Wort des katholischen Naturheilkundlers Sebastian Kneipp: Gegen das, was man im Überfluss hat, wird man gleichgültig. 24.08.2023 Sie schreiben, 15 % der weggeworfenen Lebensmittel entstünden in der Verarbeitung von beispielsweise Fertiggerichten. Dazu berichtete der Verband der Lebensmittelhersteller auf der Grünen Woche: Es gibt Gesetze, die Lebensmittelverschwendung vorschreiben. Ich erläutere das an einem Beispiel. Wenn in der Fabrik eine mit Salami belegte Tiefkühlpizza hergestellt wird, dann gibt es eine Maschine, die die durchaus meterlange Salami in Scheiben schneidet und damit die Pizza belegt. Doch egal, wie lang die Hersteller diese Salami machen, diese hat immer zwei Enden. Diese zwei Enden dürfen nicht auf die Pizza und müssen weggeworfen werden. Bei fast 400.000 t Fertigpizza, die letztes Jahr in Deutschland gegessen wurden, ist das eine erhebliche Menge an Wurstenden, die qua Gesetz in den Müll wandern. Weiter führen Sie auf, 17 % der weggeworfenen Lebensmittel entstünden in der Außer-Haus-Verpflegung. Das ist ja auch logisch. In Kantinen und Großküchen kann man die benötigten Mengen nicht so gut kalkulieren wie zu Hause bei Muttern, und einen Sonntagseintopf oder die Reste vom Vortag aufgewärmt darf man den Kunden in der Kantine qua Gesetz auch nicht auftischen. Die Lösung für die Berge von verschwendeten Lebensmitteln sieht die Politik wieder beim schwächsten Glied im Konsumkreislauf, beim Bürger. Der Bürger soll das systembedingte Problem der Überproduktion und fehlgeleiteten Lebensmittelästhetik durch Konsumanpassung lösen. Sie gehen den Weg des kleinsten Widerstandes und wälzen die Verantwortung auf diejenigen ab, die angesichts grassierender Inflation auch bei Lebensmitteln ohnehin jeden Pfennig dreimal umdrehen müssen. Der Endkonsument kann die wesentlichen Stützpfeiler der Wegwerf- und Konsumgesellschaft – Lebensmittelmarketing, Preisdumping und verquere ästhetische Normen – über seinen Konsum nicht ändern. Das kann der Markt nicht regeln. Das wäre ureigenste Aufgabe der Politik durch Anpassung der Vorschriften, indem beispielsweise beim Sack Kartoffeln auch die nicht normgemäßen bis zu einem bestimmten Grad beigemischt werden sollen oder eine konsequente Saisonalität in der Gemüse und Obstauslage vorgegeben wird. Doch wie bei so vielen politischen Initiativen kratzen Sie nur die Schale an, die man tatsächlich nicht verwerten kann und die darum in die Tonne gehört – wie Ihr Antrag. – Vielen Dank.

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