Dietmar Brockes
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Leider ist wieder deutlich geworden, dass in diesem Hohen Haus die Zahl der Bedenkenträger in der deutlichen Mehrheit ist. Herr Kollege Tigges, ich weiß nicht, wo Sie das vergangene Jahr verbracht haben. Wenn Sie der FDP vorwerfen, wir hätten keine Vorschläge für die erneuerbaren Energien eingebracht, dann haben Sie vermutlich mehr Zeit in Ihrem Kreis oder Ihrem Stadtrat als in diesem Hohen Hause verbracht. Wir haben Anträge zu den erneuerbaren Energien eingebracht: zu Tiefengeothermie, zu Biomethan. Auch „Agrophotovoltaik“ und „Wasserkraft“ sind Themen bei uns. Wir wollen die erneuerbaren Energien in ihrer gesamten Bandbreite nutzen und auf neue, zukunftsfähige Themen wie die Kernfusion setzen. (Beifall von der FDP) Frau Kollegin Eisentraut, ich frage mich wirklich, wie man in einem so jungen Alter eine so rückwärtsgewandte Wissenschaftspolitik an den Tag legen kann, wie Sie das gerade eben getan haben. (Zurufe von Jule Wenzel [GRÜNE] und Raphael Tigges [CDU]) Landtag Scheinbar sind Sie es, die die wissenschaftlichen Ergebnisse vorlegt. Ich möchte Ihnen mal ein Zitat von Albert Einstein nahelegen. (Julia Eisentraut [GRÜNE]: Lesen Sie sich doch mal die Stellungnahme durch!) Der eine oder andere wird durch den Film „Oppenheimer“ vielleicht auf ihn aufmerksam geworden sein. Er hat gesagt: „Eine gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vorneherein ausgeschlossen erscheint.“ (Zuruf von Michael Röls-Leitmann [GRÜNE]) Das ist nämlich genau der Punkt. Sie schließen alles aus, weil nicht sein darf, was Sie sich nicht vorstellen können. Wissenschaft allerdings ermöglicht Dinge, die für uns momentan noch völlig undenkbar sind. Bei der Kernfusion geht gerade wirklich die Post ab. Die Frage ist deshalb, ob wir das für unser Land nicht nutzen wollen. (Beifall von der FDP – Zuruf von Raphael Tig- ges [CDU]) – Herr Tigges, es ist traurig, wie rückwärtsgewandt Sie Politik betreiben. In diesem Zusammenhang zitiere ich Herrn Thomas Forner. Er ist einer derjenigen, die in diesem Bereich tätig sind. Er sagt: „Ich möchte betonen, dass wir seit Jahrzehnten fantastische Forschung in Deutschland haben. In den letzten 50 Jahren sind wir mit Sicherheit weltweit immer ganz vorne mit dabei. Aber wir verlieren immer bei der Kommerzialisierung, weil wir immer das Risiko überbewerten. Immer, wenn andere sagen, die Chance ist da und jetzt legen wir los, dann sagen wir: Nein, die Risiken sind noch zu groß, das machen wir noch nicht.“ Das ist das Kernproblem, und es hat sich leider heute in der Debatte wiedergefunden. Forschungsunternehmen wollen den ersten Reaktor bereits bis zum Jahr 2028 auf den Weg bringen. Frau Ministerin, wenn wir diese Chance jetzt nicht ernst nehmen – das haben Sie in Ihrer Rede leider nicht getan –, dann ist es wieder mal so, dass Bayern die Bundesmittel abgreift, private Investoren ins Land holt und die Dinge zur Reife bringt. Diesen Vorwurf muss ich Ihnen machen. (Zuruf von Raphael Tigges [CDU])
