Zacharias Schalley
Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Was kommt unangemeldet und unerwünscht nach Deutschland? Was wurde häufig aus wirtschaftlichen Erwägungen hier eingeführt? Und was entpuppt sich nach der Heimischwerdung als Problem für die ursprünglich ansässigen Populationen? Genau: Ich rede von invasiven Tierarten. (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Ist das eklig! Ist das eklig!) Invasive Arten sind eine der zahlreichen negativen Begleiterscheinungen der Globalisierung. Sie verändern unsere Ökosysteme derart, dass die heimische Biodiversität massiven Schaden nimmt und ursprünglich ansässige Arten komplett verdrängt werden können. Laut Weltbiodiversitätsrat gehören invasive Arten zu den fünf Hauptursachen des weltweiten Artensterbens. (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Nummer eins ist der Klimawandel!) Ein Fünftel der Erdoberfläche ist von invasiven Arten bedroht. Und es ist nicht der Klimawandel, sondern der globale Warenverkehr, der sie zu uns bringt. Auch das mit dem Globalismus einhergehende Streben nach immer mehr Vernetzung muss dabei endlich kritisch hinterfragt werden. Daher brauchen wir mehr robusten Regionalismus statt fragiler Globalisierung. (Beifall von der AfD) Was passiert derweil? Es geht noch schneller in die entgegengesetzte Richtung. Ambitionierte Infrastrukturprojekte wie Chinas neue Seidenstraße müssen endlich auch als Brandbeschleuniger solcher Bioinvasionsprozesse wahrgenommen werden. Statt die 23.08.2023 Belastung durch invasive Arten zu reduzieren, werden hier sogar neue Wege für die Ausbreitung von noch mehr invasiven Arten geschaffen. (Zuruf von Tim Achtermeyer [GRÜNE]) Darum ist gerade in Europa mit seinen vergleichsweise laxen Regelungen mehr strikter Präventionsbedarf gegeben. Die sogenannte Unionsliste der EU führt zwar invasive Arten, die zur Bekämpfung freigegeben sind. Aber die Aufnahme in diese Liste folgt langwierigen Prüfprozessen. Dieses träge System muss angesichts der hohen Dynamik, die bei den eingeschleppten Arten weiter anhält, versagen. Das Management invasiver Arten wird nicht reichen. Tatsächlich werden die Missstände nur teuer verwaltet. Die Schäden durch invasive Arten sind nicht nur abstrakt zu benennen; auch in klingender Münze kann man sie beziffern. Laut Senckenberg Forschungsinstitut waren es 116 Milliarden Euro in der EU in den vergangenen 60 Jahren. Deutschland gehört mit über 8 Milliarden Euro zu den besonders betroffenen Ländern. Was die Höhe der finanziellen Schäden angeht, werden invasive Arten nur von Stürmen übertroffen. Als wäre das noch nicht genug, sind die Schäden invasiver Arten für den Zeitraum seit der Jahrtausendwende im Vergleich zu den Schäden im Zeitraum von 1980 bis 1999 um 700 % gestiegen. Studien prognostizieren sogar, dass es bis 2040 zu einem weiteren massiven Anstieg insbesondere bei den ohnehin besonders kostspieligen Arten kommen wird. Wen diese Zahlen noch nicht genug schockieren: Indirekte Kosten wie Gesundheitsschäden, eingeschleppte Krankheiten oder ökologische Schäden sind hierbei nicht einmal mit einberechnet. Überhaupt werden nur für 2 % der in der EU bekannten invasiven Arten die verursachten Kosten überhaupt ermittelt. Daher fordern wir ein artspezifisches Monitoring der Schäden durch die Bioinvasoren. Das ist zum Beispiel im Hinblick auf potenzielle Ernteeinbußen wichtig, aber auch im Hinblick auf den Erhalt der heimischen Artenvielfalt. Jede verdrängte heimische Art macht unser Ökosystem fragiler. Dies muss stets mitgedacht werden. Die Gefahren durch invasive Arten sind bekannt. Wenig ist aber darüber bekannt, wieso manche Arten invasiv werden und andere Neozoen in das bestehende Ökosystem integriert werden können. Darum fordern wir eine Potenzialanalyse, um ein Frühwarnsystem zum Erkennen invasiver Arten zu schaffen. Wie beschrieb es einst Hans Kasper in der FAZ? „Es ist besser, Deiche zu bauen, als darauf zu hoffen, dass die Flut allmählich Vernunft annimmt.“ Landtag Am Beispiel der Nutria lässt sich dieses Zitat sehr gut veranschaulichen. Die Niederländer wissen, dass es für den Fall des Falles besser ist, Deiche zu bauen und diese zu schützen – besonders vor den Nutrias, die die Deiche nämlich unterhöhlen und damit Fluten verursachen können. Daher wurde die Nutria so konsequent bejagt, dass sie erfolgreich wieder entfernt wurde. Ironie der Geschichte: Die Nutria als invasive Art taucht in den Niederlanden nur noch im Grenzland auf – als eingewandertes Problem aus Nordrhein-Westfalen. Hier glaubt man offenbar, dass die Nutria-Flut allmählich Vernunft annimmt. Wenn erfolgreiche invasive Arten wie die Nutria keine natürlichen Fressfeinde mehr haben, muss diese Aufgabe daher umso konsequenter der Jäger übernehmen, dem eine Ausweitung des Jagdrechts zugestanden wird, dem Fangprämien angeboten werden und dem zuletzt ein attraktives Arbeitsumfeld geschaffen wird. Bisher geschah – bis auf punktuelle Maßnahmen wie der lokalen Entnahme – kaum etwas Präventives gegen invasive Arten. Es fehlt sogar der politische Wille, die invasiven Arten wieder aus dem Ökosystem zu entfernen. Man argumentiert mit einer trivialen Kosten-Nutzen-Rechnung: Der Aufwand und die Kosten seien zu hoch, und man könne die etablierten invasiven Arten ohnehin nicht wieder entfernen. Der Autor und Umweltaktivist Michael Beleites bezeichnete die rasante Verbreitung von invasiven Arten als „Immunschwäche unserer Ökosysteme“. Wir müssen jetzt Maßnahmen ergreifen, um dieses Immunsystem zu stärken. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
