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Dr. Martin Vincentz

AfD 23.08.2023 Sitzungen 18/39

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Bei dem vielen frei flottierenden Halb- und Unwissen auch in dieser Debatte ist es vielleicht gut, dass wir auch zu so später Stunde noch mal einen kurzen, vielleicht manchmal gruseligen, aber auf jeden Fall bunten Exkurs ins Reich der sexuell übertragbaren Krankheiten wagen. Das Allermeiste ist sehr gut mit einem Kondom abgefrühstückt. Beim HPV-Virus – Akronym für Humanes Papillomavirus – ist das allerdings nicht der Fall. Dort gibt es durch das Kondom nur einen geschätzten Schutz von rund 50 %. Insgesamt ist das Virus ein sehr schwieriges, weil es ungefähr 200 bisher entdeckte Typen gibt, die eine Wirkung auf den Menschen haben, mindestens 40 davon auch mit Krankheitswert. Rund 80 % der Menschen haben im Alter irgendwann mal eine Infektion mit dem HPV-Virus hinter sich gebracht. Sie sehen daran: Nur ein ganz kleiner Bruchteil der Menschen, die mal eine Infektion damit hatten, wird dann hinterher auch schwer krank. Das HPV-Virus bzw. die -Familie löst vor allen Dingen die meisten Warzenerkrankungen am Menschen 23.08.2023 aus – sei es die Warze am Fuß, seien es Genitalwarzen verschiedenster Art. Sie sind alle durch HPV ausgelöst. Nur ein sehr kleiner Teil davon ist onkogen. Da HPV in Deutschland nicht meldepflichtig ist, wissen wir auch gar nicht genau, wie viele Menschen tatsächlich von onkogenen Stämmen befallen sind. Wir wissen nur, dass rund 8.000 Krebserkrankungen pro Jahr wahrscheinlich durch HPV ausgelöst werden. Dabei sind vor allen Dingen die Gruppen Gebärmutterkrebs im Fokus, aber genauso auch – deswegen sind Jungen auch nicht zu vernachlässigen – Penis- oder Analkarzinome und zunehmend mit sich ändernden Praktiken auch Kehlkopfkrebs. Auch davor warnen mittlerweile viele Otorhinolaryngologen, also HNO-Ärzte, und sagen, dass man das auch nicht vernachlässigen darf. Daher ist es gut, dass man jetzt gegen einige Hochrisikogruppen, und zwar 16 und 18, impfen kann. Allerdings – es ist vielleicht wichtig, das in dieser Debatte noch mal zu betonen – bietet das nur einen Schutz gegen genau diese Gruppen, also keinen vollständigen Schutz. Sie machen zwar die meisten Infektionen in dem Bereich aus. Aber es gibt noch weitere Gruppen – immerhin zwölf an der Zahl –, die auch unter Verdacht stehen, Krebs auszulösen. Daher sollte man trotz erfolgter Impfungen dringend weiterhin an den Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Auch hier von dieser Stelle den Eindruck zu erwecken, man würde mit einer Impfung zu 100 % geschützt sein, ist sogar eher gefährlich. Man sollte also weiterhin den Gynäkologen bzw. den Arzt aufsuchen, insbesondere bei einem Verdachtsfall. Ebenfalls ist es, wie ich schon ausführte, bei 8.000 Krebserkrankungen so, dass die Number Needed to Treat sehr hoch ist. Sie müssen also sehr viele Menschen impfen, um tatsächlich einen gefährlichen Fall zu bekämpfen. Eine Massenimpfung, wie sie in Frankreich geplant ist – auch dort durch die liberale Partei –, ist daher nur bedingt sinnvoll. Man kann darüber diskutieren. Auf der anderen Seite gibt es aber sicherlich viele andere Punkte, an denen man eher ansetzen kann, insbesondere vor dem Hintergrund, dass auch die therapeutische Impfung im Zulauf ist. Sie ist aktuell in der Erprobung – noch in den Stadien der Tierversuche; aber es gibt sehr gute Erfolgsaussichten. Daher wäre dies eine Maßnahme, die, wenn sie in die Praxis kommt, schon längst überholt sein könnte. Gerade vor dem Hintergrund, dass der Personaleinsatz hoch und der Öffentliche Gesundheitsdienst sehr stark belastet ist, muss man sicherlich darüber diskutieren, ob das der richtige Weg ist, um eine hohe Durchimpfungsrate in der Bevölkerung zu erreichen. Landtag Nichtsdestotrotz: Sie fordern des Weiteren eine Informationskampagne. Ich habe versucht, in einem absoluten Schnellabriss auch für Sie heute Abend einige Informationen zusammenzupanschen und Ihnen zu präsentieren. Ich glaube, dass es sinnvoll ist, auch in der Allgemeinbevölkerung kundzutun, was das HPV-Virus überhaupt ist, wogegen man impfen kann und warum das gut ist. Insofern sind Teile Ihres Antrags in jedem Fall gut. Ob man am Ende zu der Conclusio kommt, diese Form der Massenimpfung an den Schulen durchzuführen, ist die Frage. Aber darüber können wir sicherlich noch im Ausschuss diskutieren. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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