Lisa-Kristin Kapteinat
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute soll es um ein Thema gehen, das mir und sicherlich uns allen sehr am Herzen liegt. Denn es geht um die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen, konkret um die gesundheitlichen Gefahren, die von HP-Viren ausgehen und die jährlich ca. 7.700 neue Krebserkrankungen hervorrufen. Vor allem junge Mädchen sind betroffen, da HPV eine der häufigsten Ursachen für Gebärmutterhalskrebs ist. Die Infektionen verlaufen zwar meist symptomfrei. Das ist allerdings das Problem; denn so werden sie erst spät erkannt. Wir wissen aber – Gott sei Dank –: Diesem Risiko muss heutzutage niemand mehr ausgesetzt sein. Bereits seit 2006 gibt es in Deutschland Impfstoffe gegen HPV mit nahezu 100%igem Schutz. Das Risiko für diverse Krebserkrankungen sowie Früh- und Fehlgeburten kann dadurch maßgeblich reduziert werden – und das mit nur sehr geringen Nebenwirkungen. Neben den häufigsten Nebenwirkungen wie Rötungen und Schmerzen an der Einstichstelle oder Kopfschmerzen sind keine schweren Langzeitfolgen der Impfung bekannt. Die Impfung bietet also einen vollumfänglichen Schutz und ist gut verträglich. So weit, so gut. Trotzdem liegt die Impfquote bei jungen Mädchen in Nordrhein-Westfalen bei knapp 50 % und bei Jungen sogar unter 20 %. Wie kann das sein? Aber noch viel wichtiger: Das sollte nicht so sein. Um dem entgegenzuwirken und den Schutz unserer Kinder und Jugendlichen zu stärken, fordert der Antrag nun die Einführung von freiwilligen Impfprogrammen an Schulen. Durch gezielte Information und Aufklärung können die Kinder und deren Eltern so schon in jungen Jahren über das Risiko von HPV aufgeklärt werden. Dadurch wird ihnen eine selbstbestimmte Entscheidung über die eigene Gesundheit ermöglicht. Ich möchte noch einmal betonen, dass es sich dabei lediglich um ein Angebot handeln soll, das für niemanden verpflichtend ist. Die Kinder und deren Eltern sollen nach ausgiebiger Aufklärung selbst entscheiden, ob sie das Angebot wahrnehmen möchten oder nicht. Unsere Aufgabe als Parlament besteht darin, diese Möglichkeit zu schaffen – und das so einfach und effektiv wie möglich. (Beifall von der SPD und der FDP) Mit einem freiwilligen Impfprogramm an Schulen können nicht nur nahezu alle Kinder und Jugendlichen erreicht werden, sondern auch alle Geschlechter gleichermaßen. Wir könnten den Impfunterschieden der Geschlechter entgegenwirken und den Impfschutz für unsere Kinder und Jugendlichen erhöhen. Landtag In einem Modellprojekt in Hessen ist dies sogar schon erfolgreich getestet worden. Gestartet wurde mit sechs Grundschulen, an denen freiwillige Impftage für Mädchen der 4. Klasse angeboten worden sind. Das Projekt war so erfolgreich, dass 2020 bereits über 70 % der zehnjährigen Mädchen vollständig gegen HPV geimpft waren und sich noch 13 weitere Schulen entschlossen haben, sich dem Projekt anzuschließen. Auch ein Blick in andere Länder Europas lohnt sich. Die EU-Kommission hat das Ziel, bis 2013 – Kollegin Schneider hat es gerade schon erwähnt – eine Impfquote von mindestens 90 % bei Mädchen im Alter von 15 Jahren zu erreichen. Länder mit umfassendem Impfangebot an Schulen wie zum Beispiel in Skandinavien erreichen bereits jetzt ca. 80 %. Deutschland liegt somit mit einer Impfquote von unter 50 % auf Platz 17 von 25 in Europa. Wir sind von diesem Ziel noch weit, nein, zu weit entfernt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, uns allen liegt die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen am Herzen. Warum also nicht der Impfempfehlung der WHO folgen und freiwillige Angebote schaffen, um den Impfschutz zu erhöhen? Wir stimmen daher für die Überweisung des Antrags in den Ausschuss, um gemeinsam daran weiterzuarbeiten, und freuen uns über den Antrag. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der SPD und der FDP)
