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Susanne Schneider

FDP 23.08.2023 Sitzungen 18/39

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich, dass wir immer zuverlässige Schriftführer haben, weil der Minister dann nachlesen kann, was die Gesundheitsfachfrau der FDP am Redepult von sich gegeben hat. (Beifall von der FDP und der SPD) Eine Infektion mit Humanen Papillomviren wirkt harmlos. Meistens klingt die Infektion der Haut oder der Schleimhäute dank einer wirksamen Immunabwehr ohne gesundheitliche Probleme wieder ab. Oftmals bemerken Betroffene die Infektion gar nicht, weil sie auch ohne erkennbare Symptome ablaufen kann. Doch der Schein trügt. Eine HPV-Infektion kann schwerwiegende Folgen haben. In rund 10 % der Fälle bleibt die Infektion nämlich dauerhaft bestehen. Aus Gewebeveränderungen können sich im Laufe von mehreren Jahren Krebserkrankungen entwickeln. Am häufigsten wird Gebärmutterhalskrebs verursacht. In Deutschland sterben jedes Jahr 1.500 Frauen daran. Allerdings sind nicht nur Frauen betroffen. Etwa ein Fünftel der Krebserkrankungen, die mit HPV in Zusammenhang stehen, entfällt auf Männer. Insgesamt werden in Deutschland rund 7.700 Krebsneuerkrankungen im Jahr durch HPV verursacht. Landtag Dabei ließen sich eine HPV-Infektion und die daraus resultierenden Folgen mit einer Impfung ganz einfach verhindern. Bereits seit 2006 gibt es eine Impfung gegen dieses Virus. Die Impfung gilt als gut verträglich und ist eine Regelleistung der Krankenversicherung. Damit sind die Voraussetzungen für eine hohe Impfquote eigentlich sehr gut. Die Realität sieht jedoch leider anders aus. Obwohl die Ständige Impfkommission die Impfung gegen HPV seit 2007 für Mädchen und seit 2018 für Jungs empfiehlt, nutzen zu wenige Menschen den Impfschutz. In Deutschland waren im Jahr 2020 nur 51 % der Mädchen und 17 % der Jungs im Alter von 15 Jahren gegen HPV geimpft. Das von der WHO gesteckte Ziel, bis 2030 eine Impfquote von 90 % bei den 15-jährigen Mädchen zu erreichen, wird damit mehr als deutlich verfehlt. Während der Coronapandemie ist die Zahl der HPV-Impfungen noch einmal deutlich zurückgegangen. Dies zeigt, dass wir neue Wege gehen müssen. Andere Länder haben es durch einfache Maßnahmen geschafft, die HPV-Impfquote zu erhöhen. Australien und England setzen vor allem auf Impfangebote an Schulen. Impfraten von mehr als 80 % bei jungen Menschen zeigen dort eindrucksvoll, dass dieses Angebot eine effektive Strategie ist. Auch in Österreich werden im Rahmen des nationalen Impfprogramms teilweise Schulimpfungen angeboten. In Deutschland hingegen ist dieses Instrument noch nicht weit verbreitet. Dabei gab es auf regionaler Ebene und in einzelnen Bundesländern bereits mehrere Modellprojekte zu freiwilligen Schulimpfungen gegen diese Infektion. So wurde dies zum Beispiel in der Metropole Rhein-Neckar oder im Bundesland Bremen erprobt, und auch dort waren die Erfahrungen durchaus positiv. Die Akzeptanz freiwilliger HPV-Impfungen an Schulen ist sehr hoch. Das hat zuletzt eine repräsentative Umfrage ergeben, die vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Auftrag gegeben wurde. Über zwei Drittel der Menschen in Deutschland befürworten ein freiwilliges HPV-Impfprogramm an Schulen. In Nordrhein-Westfalen liegt die Zustimmungsquote bei 71 %, und bei der wichtigen Zielgruppe der 14- bis 17-Jährigen liegt sie sogar bei 96 %. Die Landesregierung zeigt sich davon bis jetzt recht unbeeindruckt. (Lachen von Thorsten Klute [SPD]) In Nordrhein-Westfalen wird ein solches Impfprogramm bislang nicht erwogen. Vielmehr beschränkt man sich weitgehend auf den Verweis auf allgemeine Impfkampagnen. Lediglich die Förderung eines Projekts Gesundheitsbildung mit dem Fokus auf HPV-Impfaufklärung und Motivation für Schülerinnen und Schüler und Erwachsene wird derzeit geprüft. Das dauert uns zu lange, und das reicht uns nicht aus. 23.08.2023 Mit unserem Antrag setzen wir uns dafür ein, an nordrhein-westfälischen Schulen ein landesweit koordiniertes Programm freiwilliger HPV-Impfungen einzuführen. Auswertungen der bisherigen Modellprojekte haben gezeigt, dass sich die Impfbereitschaft deutlich erhöht, wenn Eltern umfassend über die Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen der Impfung informiert sind. Über 60 % der Eltern entscheiden sich nach Elternabenden, in denen das Impfangebot vorgestellt wurde, für die Impfung. Diesen Effekt sollten wir auch in Nordrhein-Westfalen nutzen. Auch bei Humanen Papillomviren gilt: Impfungen retten Menschenleben. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass die Menschen über Impfmöglichkeiten besser und frühzeitig informiert sind und es mehr niedrigschwellige Impfangebote gibt. – Ich danke Ihnen. (Beifall von der FDP und der SPD)

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