Claudia Schlottmann
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wie meine Kollegin Charlotte Quik bereits ausführlich erläutert hat, ist uns die Bedeutung von Sprache für unsere Kinder und deren Zukunft mehr als bewusst. Sprache ist der Zugang zur Teilhabe an unserer Gesellschaft und zur Bildung. Bereits Wilhelm von Humboldt sagte: „Sprache ist der Schlüssel zur Welt.“ Der Grundstein für das Erlernen von Sprache und Sprachentwicklung wird bei Kindern bereits in frühen und jungen Jahren gelegt. Zwischen dem ersten und dem sechsten Lebensjahr bilden sich bei Kindern sprachliche Fähigkeiten heraus. Entscheidend ist hier, frühzeitig Probleme und Förderbedarfe zu erkennen. Dementsprechend hat die Sprachförderung in der Landesregierung einen hohen Stellenwert. Ich bin Ministerin Paul sehr dankbar, dass sie noch mal sehr deutlich gemacht hat, dass es nun eine gute 23.08.2023 und enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Ministerien gibt, die für dieses Thema zuständig sind. Das ist sicherlich etwas, was man sich in früheren Zeiten durchaus auch gewünscht hätte. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Es ist unsere Pflicht, den Kindern in unserem Land die bestmögliche Bildung und damit das Rüstzeug für eine selbstbestimmte und erfolgreiche Zukunft zu geben. (Zuruf von Frank Müller [SPD]) Vielfach hat sich die Situation in den letzten Jahren, auch bedingt durch die Coronakrise, verschlechtert. Viele Kinder sind damit aufgewachsen, dass Münder hinter Masken versteckt waren. Damit fehlten ihnen wichtige Hilfestellungen für das Erlernen von Sprache. Dazu gehören beispielsweise die Lippenbewegungen. Gerade hier benötigen die Kinder unsere Unterstützung. (Silvia Gosewinkel [SPD]: Das stimmt!) Damit betroffene Kinder so früh wie möglich die entsprechende Förderung erhalten, gibt es die Sprachstandsfeststellung. Diese wird von den Schulämtern an Grundschulen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Es ist ein wichtiges Instrument, um die Sprachfähigkeit von Kindern zu ermitteln, gibt sie uns doch eine wichtige Information über den frühkindlichen Bildungsstand bei angehenden Schülerinnen und Schülern. Es gibt uns aber auch frühzeitig die Möglichkeit, Familien Unterstützung zu bieten. Hier zeigt sich sehr deutlich, dass in bestimmten Brennpunktbereichen die Bedarfe besonders hoch sind. Wird auf der Grundlage des Sprachstandstests bei einem Kind ein Bedarf an Sprachförderung festgestellt, erhalten die Eltern entsprechende Information und Hilfestellung. Gerade in Brennpunkten ist der Bedarf nach solchen Hilfestellungen besonders hoch. Wir steuern hier bereits mit der Ausweitung der Familiengrundschulzentren nach. Mit diesen bringen wir die Förderungen direkt an die Schulen vor Ort und bauen ein umfangreiches multiprofessionelles Netzwerk zur Unterstützung von Kindern und Familien aus. Dort erhalten Familien die wichtige Rückendeckung und Zugänge zu wichtigen Unterstützungsangeboten, um die notwendige Förderung für ihre Kinder zu erhalten. Im Schuljahr 23/24 werden weitere Standorte zu Familiengrundschulzentren ausgebaut. Hier knüpfen wir an das Erfolgskonzept der Familienzentren an Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen an. Es bleibt festzuhalten, dass uns das Problem natürlich bewusst ist und wir bereits in diesem Bereich aktiv sind. Landtag Mit der Sprachstandserhebung versuchen wir frühzeitig zu ermitteln, welche Kinder Förderbedarfe haben, und diese zu unterstützen. Wir statten unsere Schulen mit multiprofessionellen Teams und Sozialpädagogen aus, um besonderen Bedarfen von Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden und ihnen eine bestmögliche Lernatmosphäre zu geben. Auch mit dem geplanten landesweiten Screening vor der Einschulung wollen wir Kinder gezielt fördern, um ihnen einen erfolgreichen Bildungsweg zu ermöglichen. Derzeit prüfen wir, welche Methode die beste ist, um hier anzusetzen. Dennoch, meine Damen und Herren, müssen wir uns ehrlich machen. Uns fehlen hier, genauso wie in allen anderen Bundesländern Deutschlands auch, die personellen Ressourcen, um die Mehrbedarfe, die in den letzten Jahren bei Erziehern, Sozialpädagogen, Lehrkräften entstanden sind, kurzfristig aufzufangen. Hier steuern wir bereits mit dem Handlungskonzept Unterrichtsversorgung gegen. Wir tun unser Möglichstes, um Schülerinnen und Schülern guten Unterricht zu bieten. Jedoch werden wir keine Lehrerinnen und Lehrer von heute auf morgen bekommen. Mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen werden wir an der Versorgung kontinuierlich weiterarbeiten. Wie ich bereits anfangs erwähnt habe, ist Sprache der Schlüssel für die Teilhabe an unserer Gesellschaft. Wir müssen alles dafür tun, dass jedes Kind in unserem Land diesen Schlüssel erhält und damit aktiv an unserem gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. Dies ist unsere Verpflichtung gegenüber den Kindern und der Zukunft unseres Landes. Lassen Sie uns gemeinsam mit konstruktiven Vorschlägen daran arbeiten. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Marcel Hafke [FDP]: Wo war jetzt der Vor- schlag?)
