Charlotte Quik
Lieber Herr Kollege Hafke, vielen Dank für die Zwischenfrage. Wir werden noch Gelegenheit haben, über diese Themen ausführlich zu debattieren. Denn diese sind so grundlegend und grundsätzlich, dass es Sinn macht, darüber ausführlich zu diskutieren und zu sprechen. Daher möchte ich an der Stelle gerne mit meinen Ausführungen fortfahren, was ich jetzt auch tue. Deswegen haben wir in NRW rund 1.700 plusKITAs. Um für alle Kinder gerechte Bildungschancen von Anfang an zu ermöglichen, erhalten diese Kindertageseinrichtungen, die in ihrem Umfeld einen hohen Anteil von Familien mit erschwerten Startbedingungen haben, eine zusätzliche Förderung. Nach § 44 des KiBiz ist die plusKITA eine Kindertageseinrichtung mit einem hohen Anteil von Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf des Bildungsprozesses, und zwar insbesondere hinsichtlich des sprachlichen Förderbedarfs. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Das ist ja span- nend!) Darüber hinaus hat die plusKITA zur Stärkung der Bildungschancen und Steigerung der Nachhaltigkeit 23.08.2023 die Aufgabe, die Eltern durch adressatengerechte Elternarbeit, -beratung und -stärkung regelmäßig in die Bildungsförderung mit einzubeziehen. In jeder plusKITA steht dem Team zusätzlich eine sozialpädagogische Fachkraft mit besonderer Erfahrung und Kenntnissen im Bereich der alltagsintegrierten Sprachförderung zur Verfügung. Die NRW-Landesregierung stellt für Einrichtungen mit einem zusätzlichen Sprachförderungsbedarf seit 2020/2021 einen Zuschuss von 100 Millionen Euro bereit. Auch die Familienzentren haben den Auftrag zur Stärkung der Sprachbildung und -förderung. Insbesondere sind dies Sprachförderungsmaßnahmen für Kinder im Alter zwischen vier Jahren und Schuleintritt mit zusätzlichem Bedarf, die keine Kindertageseinrichtung besuchen. Selbstverständlich sind die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends ein Alarmsignal. Leider zeigt sich dieser Trend in allen Bundesländern und damit auch in Nordrhein-Westfalen. Die NRW-Landesregierung nimmt diese Ergebnisse sehr ernst. Es ist gut, dass sich die Fachministerinnen Dorothee Feller und Josefine Paul gemeinsam den Herausforderungen stellen. Nur so kann die Trendumkehr gelingen. Aktuell beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe im Auftrag der Landesregierung mit der Verbesserung der mathematischen und sprachlichen Bildung in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen. Zwischen dem Ministerium für Schule und Bildung und dem Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration besteht ein konstruktiver Austausch darüber, wie die Zahl der Kinder, die die Mindeststandards im Grundschulalter nicht erreichen, reduziert werden kann. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Maßnahmen immer Zeit brauchen, um Ergebnisse zu erzielen. Der Personalmangel ist bundesweit aktuell eine der größten Herausforderungen, insbesondere auch für die Kitas und Grundschulen in NRW. Da es überall an Fachkräften fehlt, müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich mehr leisten – von Krankheitsfällen gar nicht zu sprechen. Deswegen ist es eine gute Nachricht, dass sich Jahr für Jahr mehr Menschen für eine Tätigkeit in der Kindertagesbetreuung entscheiden. Natürlich sind wir noch weit davon entfernt, den Fachkräftemangel beseitigt zu haben. Aber die Richtung stimmt. Das zuständige Fachministerium hat schon heute einen hohen Stellenwert. Die NRW-Landesregierung hat bereits zusätzliche Mittel für Investitionen in frühkindliche Bildung, weitere Familienzentren und eine starke Förderung der Kinder- und Jugendarbeit bereitgestellt. Die größte Herausforderung besteht aber darin, mit den gesellschaftlichen Veränderungen Schritt zu halten. Landtag In Zeiten einer angespannten Haushaltslage stellt das Land mehr als 37 Milliarden Euro, deutlich mehr als ein Drittel des Gesamtetats, für die Bildung unserer Kinder zur Verfügung. Insbesondere lassen wir jene Kinder nicht im Stich, die auf eine besondere Förderung ihrer sprachlichen Kompetenzen angewiesen sind. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) In einem gemeinsamen Kraftakt aller Ressorts ist es gelungen, dass unsere Kinder nicht die Verlierer der aktuellen Umstände werden. Kinder sind und bleiben der Schwerpunkt dieser Landesregierung. Kinder sind unsere Zukunft. Sie stehen deshalb im Mittelpunkt unserer Politik. Natürlich geht immer mehr. Aber bestimmt werden uns die Antragsteller im Ausschuss genau erklären, was sie mit den einzelnen Forderungspunkten konkret meinen und dann auch genaue Zahlen nennen und Deckungsvorschläge machen. (Marcel Hafke [FDP]: Wir können unsere Vor- schläge erklären! Frau Feller kann nichts er- klären!) In diesem Sinne freue ich mich auf die Debatte im Ausschuss. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
