Dr. Christian Untrieser
Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Das waren gerade wieder mal ein Antrag und eine Rede aus der Kategorie à la Kaiser Wilhelm: Ich glaube nicht an das Automobil, sondern ich glaube an das Pferd. (Beifall von der CDU) Sie legen ja eine Technologiefeindlichkeit an den Tag, die einen sehr verwundert. Denn schauen wir nur mal ins europäische Ausland, wie es da mit mobilen Messeinheiten, mit intelligenten Stromzählern aussieht. In Dänemark und Schweden – das hätten Sie leicht recherchieren können – sind 100 % der Stromzähler intelligente Messsysteme. In Spanien, Finnland, Italien und Norwegen sind 98 % der Stromzähler intelligente Messsysteme, in Frankreich sind es ungefähr 80 %. 23.08.2023 Jetzt frage ich Sie: Ist denn das Leben da so schlimm oder so dramatisch oder – um es mit Ihren Worten zu sagen – so unromantisch, wenn man jetzt nicht mehr vor dem alten Ferraris-Zähler sitzt, sondern vor der digitalen Messeinrichtung? Ich glaube, die Menschen in diesen Ländern sehen das alle viel entspannter, als Sie uns gerade in Ihrer Schreckensdiskussion hier weismachen wollten. Deswegen ist es auch ein vernünftiger Weg. Es ist doch in allen Lebensbereichen so. Sie haben auch kein analoges Telefon mehr. (Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Wer weiß das schon?) – Ja, vielleicht doch. – Sie haben heute digitale Telefone. In allen Lebensbereichen gehen wir doch von der analogen auf eine digitalisierte Technik. Das ist auch besser, das ist moderner, das ist auch sicher. Von daher kann ich nicht verstehen, dass Sie immer wieder diese alte Leier spielen und den Menschen Angst machen wollen. Es ist natürlich so, dass ein digitaler Stromzähler ein bisschen teurer ist als der alte Ferraris-Zähler. Dafür bekommen Sie auch ein Mehr an Leistungen. Die Kosten sind ja auf 20 Euro pro Verbraucher gedeckelt. Sie bekommen dafür auch ganz neue Features. Ja, vielleicht kann ich die bisherigen Abschlagszahlungen mit monatlichen Abrechnungen ersetzen. Ich kann vielleicht von Stromlieferanten ganz neue kundenindividuelle Verträge bekommen. Denken Sie mal an den Mobilfunkbereich. Da ist gibt es das heute auch schon. Weil Sie sagten, heute könnten die Kunden damit noch gar nichts anfangen: Da hätten Sie auch mal besser recherchieren sollen. Denn ab 2025 müssen die Versorger genau solche Tarife anbieten, mit denen Sie dynamische Stromtarife haben. Also spätestens ab 2025 können Sie sich aussuchen, ob Sie einen Tarif nehmen, bei dem Sie sagen: Ich spare halt in der Stunde, wo viel Sonne oder viel Wind da ist. Dann wird daraus ein Schuh, und dann haben Sie einen echten Vorteil. Sie haben aber auch schon heute Energieversorger, die genau das anbieten. Insofern regelt das heute schon der Markt. Wenn Sie das wollen, dann können Sie das machen. Sprechen Sie doch mal mit Leuten, die sich zum Beispiel heute eine neue Photovoltaikanlage angeschafft haben und mit ihrer App kommen. Ich kenne sehr viele Menschen und habe in letzter Zeit mit vielen Bürgerinnen und Bürgern auch darüber geredet. Die kommen ganz stolz mit ihrer App und sagen: Schau mal, ich kann dir gerade in Echtzeit zeigen, was ich gerade für eine Stromerzeugung auf meinem eigenen Dach habe, auch gestern oder vorgestern oder im letzten Monat. Die Menschen sind total begeistert und sagen: Ja, ich denke jetzt wirklich daran: Landtag Wann verbrauche ich meinen Strom? Wann mache ich die Spülmaschine an, wann mache ich die Waschmaschine an? Es ist ein ganz natürliches Verhalten, das die Menschen an den Tag legen, weil sie die digitalen Daten in Echtzeit haben. Es ist eben das Problem, dass wir das mit dem alten Stromzähler nicht hatten. Von daher ist eine schöne, eine gute Sache. Deswegen ist es gut, dass wir in Deutschland bis zum Zieljahr 2030 alle Stromzähler digital machen. Insofern ist das eine …
