Andreas Keith
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ein Siebenjähriger droht beim Spielen am Rhein zu ertrinken. Sein Vater, 37, eilt ihm zur Hilfe. Er wird ebenfalls von der Strömung mitgerissen. Am Ende sind beide tot. So geschehen am Pfingstmontag an einer kleinen Flussinsel in Bornheim im Rhein-Sieg-Kreis. Bei den Opfern handelt es sich um die ersten Badetoten dieses Sommers in NRW. Ich befürchte, es werden nicht die letzten gewesen sein. Die DLRG spricht in ihrem Jahresbericht von 56 Opfern in und aus Nordrhein-Westfalen im Jahr 2022. Im Jahr davor waren es noch 24. Damit liegt NRW im Ländervergleich nach Bayern auf Platz 2, einem traurigen Platz. Insgesamt sind 355 Menschen 2022 in Deutschland ertrunken. Das sind 56 mehr als noch 2021. Die Gründe dafür sind vielfältig. Übermut, Alkohol und Unwissenheit tragen oft dazu bei, dass auch sichere Schwimmer die Gefahren von Fließgewässern unterschätzen. Auch Badeseen bergen ein hohes Risiko. Die meisten Badeunfälle ereignen sich an ungesicherten Badestellen, wo eben keine Rettungsschwimmer im Einsatz sind. So wie in Beckum im Kreis Warendorf, wo es am 4. Juni zu einem tragischen Unglück kam. Ein Wassersportler starb, nachdem er von seinem Board gefallen war. Als er an Land schwimmen wollte, kollabierte er, verlor das Bewusstsein und ertrank. Hätte ein Rettungsschwimmer diese Katastrophe verhindern können? Womöglich. Doch deutschlandweit fehlen mindestens 3.000 Rettungsschwimmer. Leider haben wir auch in NRW immer weniger davon. Mit den wenigen Fachkräften lässt sich nicht einmal ein Bruchteil der 100 Badegewässer ganz zu schweigen von den 2.000 Seen in Nordrhein-Westfalen beaufsichtigen. Leider hat sich die Landesregierung bei der Beantwortung unserer Großen Anfrage nicht einmal die Mühe gegeben, die Kommunen danach zu fragen, wie viele ihrer Badegewässer überwacht werden, und das, obwohl man dafür sechs Monate Zeit gehabt hat. Dass man hier keine Antwort bekommt, wundert uns aber schon lange nicht mehr. Landtag Warum haben Sie die Kommunen denn nicht befragt? Ich vermute, weil herausgekommen wäre, dass diese schlichtweg kein Geld für das notwendige Aufsichtspersonal haben. Wo kein Bedarf ermittelt wird, braucht man auch nichts zu tun. So werden auch diesen Sommer leider wieder Menschen an Badeseen ertrinken, und das alles nur, weil Sie alle von Wahlperiode zu Wahlperiode Politik machen nach dem Motto „Es wird schon irgendwie gutgehen“. Dabei schlagen die Schwimmverbände schon seit Jahren Alarm und warnen vor Bädersterben, der steigenden Zahl von Nichtschwimmern, Ausfall von Schwimmunterricht und Personalmangel. Und was hat die Landesregierung getan? Der Schwimmverband NRW geht alleine bei Viertklässlern im Schuljahr 2020/2021 von 152.000 Nichtschwimmern aus. Eine Erhebung zur tatsächlichen Schwimmfähigkeit von Grundschulkindern bekommen Sie aber nicht auf die Reihe. Die für 2022 angekündigte Schwimmerhebung konnte angeblich pandemiebedingt nicht durchgeführt werden, obwohl für den Schulsport laut Ihrer eigenen Aussage gar keine Einschränkungen mehr bestanden. Entweder hat die Landesregierung die Erhebung schlichtweg verschlafen oder man will auch hier die Zahlen lieber nicht so genau wissen. Lieber sprechen Sie von angeblichen Erfolgen Ihres Programms „NRW kann schwimmen“; das sich in absoluten Zahlen jedoch als Tropfen auf den heißen Stein erweist. Von 3.735 Teilnehmern im Jahr 2021 erlangten gerade einmal 770 die Schwimmfähigkeit, das heißt das Deutsche Schwimmabzeichen Bronze. Von den 152.000 Viertklässlern, die nicht schwimmen können, wären das gerade einmal 0,51 %. 2019 hatte die schwarz-gelbe Landesregierung noch großspurig den Aufbau von Schwimmassistenzpools angekündigt, um dem Personalmangel entgegenzutreten. Nun lautet die Antwort auf unsere Anfrage: „Über den Aufbau von Schwimmassistenzpools liegen der Landesregierung keine Informationen vor.“ Ahnungslos, tatenlos, erfolglos – anders kann man Ihre Bemühungen im Kampf gegen die abnehmende Schwimmfähigkeit nicht nennen. (Beifall von der AfD) Daran werden auch die 3 Millionen Euro für fünf mobile Schwimmcontainer nichts ändern. Statt mobiler Planschbecken braucht es ein Programm für den Bau moderner Schwimmbäder und eine ordentliche Vergütung für Bademeister und hauptamtliche Rettungsschwimmer. Statt immer mehr Geld für bunte Ideologieprojekte und grüne Wohlstandsvernichtung braucht es wieder mehr Geld für die Infrastruktur. Der Auftrag des Staates ist es, für die Sicherheit, die Freiheit und den Wohlstand der Bürger zu sorgen. 16.06.2023 Dafür steht heute allerdings nur noch die Alternative für Deutschland. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
