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Andreas Keith

AfD 15.06.2023 Sitzungen 18/37

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Brockes, ich glaube nicht, dass die meisten Bürger oder Zuhörer wissen, was Agroforstsysteme überhaupt sind. Aber ich versuche es ihnen in meinem Redebeitrag so 15.06.2023 verständlich zu erklären, dass jeder weiß, um was es hier geht. Synergieeffekte mit Agroforstsystemen schaffen – so der Titel Ihres Antrags –, das hört sich nach smartem Selfmarketing à la Christian Lindner und megagrünem Technokratendeutsch an. Als Volksvertreter sollten wir uns den Bürgern allerdings verständlich mitteilen. Darum sagen wir lieber, was Agroforstsysteme eigentlich sind. (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Die sind klüger als Sie, da machen Sie sich keine Sorgen!) Es sind Streuobstwiesen und Windschutzhecken, Haubergschaften und Hudewälder und Gehölze in Kombination mit Tierhaltung. Sie nutzen bewusst Wechselwirkungen zwischen Gehölz und Ackerkultur aus, um ökologische und ökonomische Vorteile zu erzielen. Kurz: Die ebenso alte wie ganz natürliche Kombination aus land- und forstwirtschaftlichen Elementen, wie wir sie seit 200 Jahren kennen. Sie sind somit wirklich nichts Neues, auch wenn der FDP-Antrag diesen Anschein erwecken möchte. Vielmehr stellt jede Kulturlandschaft auf die eine oder andere Art ganz natürlicherweise einen Agroforst dar. Agroforstsysteme können das Landschaftsbild aufwerten, und auch die vielen positiven Auswirkungen auf die Artenvielfalt überraschen hier nicht. Zwischen einfachen Hecken, einzelnen Sträuchern, bestehenden Bäumen bieten sie vielen Vogelarten Brutplätze, Nahrung und Deckung. Als konservative, traditionelle Heimatpartei, die unsere Umwelt- und Kulturlandschaft erhalten und schützen will, sind wir daher von ihrem Nutzen überzeugt. So hat die AfD-Bundestagsfraktion längst beantragt, Agroforstsysteme als ein nachhaltiges Anbausystem anzuerkennen und entsprechend zu fördern, denn sie sind quasi das Gegenkonzept zur grünen Horrorshow, zu Monokulturen für grünes Biogas und Biosprit, zu Windindustrieanlagen in Wäldern und Solaranlagen auf Äckern. Die FDP setzt dieser Naturzerstörungsorgie leider nichts entgegen, auch wenn dieser in der Sache richtige Antrag zeigt, dass da wenigstens noch ein Restfunke an umweltverträglicher Politik scheint. Daher zeigt der Antrag leider auch nur ein bisschen in die richtige Richtung. Wir vermissen gleich mehrere Aspekte. Erstens: Die wirtschaftlichen Herausforderungen bei Neuanlagen und Bewirtschaftung von Agroforstsystemen sind mit beachtlichen Risiken verbunden, einmal durch Kosten bei der Etablierung des Systems, den hohen Pflegeaufwand und die lange Kapitalbindung. Der entsprechende Fachverband kritisiert daher zu Recht, dass Bayern als bislang einziges Bundesland hier eine planungssichere Förderung gewährleisten kann. Das ist noch unverständlicher, wenn man weiß, dass die EU-Vorgaben zur gemein-Landtag samen Agrarpolitik eine Förderung der Investitionskosten von bis zu 100 % erlauben. Zweitens: Der langfristige Nutzen, der – wie es der FDP-Antrag unterstellt – in erster Linie aus einer besseren CO - und Stickstoffbilanz resultiert, dürfte für einen Vollblutlandwirt zweitrangig sein. Landwirte in der brandenburgischen Lausitz verweisen vielmehr auf eine Verbesserung des Mikroklimas durch die Wasserverdunstung der angepflanzten Gehölze und eine langfristige Aufwertung ihrer Böden durch den Humuseintrag des Laubes. Drittens: Die Kombination aus mangelnden Pachtflächen und steigenden Pachtpreisen macht Agroforstwirtschaft in NRW bei derzeitiger Förderung von 60 Euro pro Hektar unrentabel. Auch die Begrenzung von Pachtverträgen auf maximal 20 Jahre erschwert die Nutzung solch einer gerade auf Langfristigkeit angelegten Maßnahme. Viertens: Ein Landwirt brachte es schon vor zwei Jahren auf einer Konferenz im Rahmen des Tages der Agroforstsysteme in Münster auf den Punkt – Zitat –: In viehdichten Regionen wird es schwierig, Agroforst zu etablieren, denn der natürliche Wirtschaftsdünger muss auch genutzt werden. Wenn jemand, der 20 Hektar Fläche besitzt, davon ein bis zwei Hektar für Agroforst nutzt, muss er womöglich weitere Flächen pachten oder seinen Dünger abgeben. Zitat Ende. – Recht hat er! Wir aber haben beim Lesen des FDP-Antrags verwundert festgestellt: All diese Punkte hinsichtlich Flächenstruktur, Größe und Nutzung werden mit keiner Silbe erwähnt. Fünftens: Gänzlich vermissen wir den traditionellen Aspekt von Agroforstwirtschaft als enorm wichtigem landschaftsgestaltendem und identitätsstiftendem Element: Wallhecken, Gehölzstreifen im Münsterland, Streuobstwiesen und Kopfweidenkoppeln am Niederrhein, Haubergswälder im Siegerland, hudewaldähnliche Flächen in Ostwestfalen – all das zeigt den ganzen Reichtum unserer Kulturlandschaft in Nordrhein-Westfalen, die es unbedingt zu erhalten gilt – nicht, weil die EU Agroforst gerade fördert, die Klimaleistung gerade passt oder die FDP einen Antrag stellt, nein, sondern – das sage ich ohne dieses Technokratendeutsch – aus Liebe zur Natur, zur Umwelt, zu unserer Landwirtschaft und unserer Heimat. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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