Bernhard Hoppe-Biermeyer
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin Triathlet, schwimme regelmäßig in Seen und ab und an auch im Meer, manchmal sogar weit hinaus, aber immer vorsichtig, weil ich um die Gefahr weiß. Gute Schwimmer kennen die Risiken in Freigewässern, schlechte nicht unbedingt. Umso wichtiger ist es, dass Kinder richtig schwimmen lernen, um im Wasser sicherer zu sein, aber auch, um zu lernen, welche Gefahren vom Wasser ausgehen. Außerdem bin ich Vorsitzender eines Stadtsportverbands und DLRG-Mitglied. Ich kenne das Thema aus der Praxis, und es liegt mir am Herzen. Und wir sprechen auch regelmäßig im Sportausschuss des Landtags darüber. In Bezug auf Schwimmbäder ist die Situation in Nordrhein-Westfalen uneinheitlich. Es gibt Kommunen mit zu wenigen Wasserflächen und einem Investitionsstau bei den Schwimmbädern, und es gibt auch Städte und Gemeinden, wo alles in Ordnung ist. Das gleiche Bild haben wir bei der Schwimmausbildung. Stellenweise fehlen Fachkräfte, im Hauptamt genauso wie im Ehrenamt, andernorts klappt es mit dem Schwimmenlernen. Fakt ist aber, dass immer mehr Kinder am Ende der Grundschulzeit schlechter schwimmen als noch vor Jahren. Verstärkt wurde dieser schon vorhandene Trend noch durch Corona. Die gestiegenen Energiepreise machen es für die Kommunen teurer und damit schwieriger, ein Schwimmbad zu unterhalten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Politik das Problem nicht allein lösen können wird. Dass nicht jedes Kind schwimmen lernt, ist auch ein gesellschaftliches Problem. Zum einen gibt es die Gruppe Eltern – das war früher tatsächlich anders –, denen Schwimmen nicht so wichtig ist. Dann gibt es auch Eltern – auch das war früher anders –, die sogenannten Helikoptereltern, mit denen sich Schwimmausbilder – wie formuliere ich es diplomatisch? – schon mal schwertun. Die Praxis zeigt, dass Letzteres mitunter dazu führt, dass es schwer ist, insbesondere ehrenamtliche Schwimmausbilder zu gewinnen oder bei der Stange zu halten. Weil wir genau um diese vielen Probleme wissen – von fehlenden Wasserflächen über Energie- und Coronakrise bis hin zur fehlenden Wertschätzung des Ehrenamts –, haben wir in den vergangenen Landtag Jahren unsere Bemühungen verstärkt – die Landesregierung von 2017 bis 2022 genau wie die aktuelle. Wir haben die Sportpauschale im Gemeindefinanzierungsgesetz erhöht. Wir haben das Programm „Moderne Sportstätte“ aufgelegt. Es gibt eine Vielzahl von Programmen von der Städtebauförderung über EFRE und „progres.nrw“ bis hin zu „LEADER“, bei denen man auf den ersten Blick vielleicht nicht an Schwimmbäder denkt, über die aber Millionenbeträge in die Modernisierung der energieintensiven Sportstätten fließen. Seit der letzten Legislaturperiode gibt es den Aktionsplan „Schwimmen lernen in Nordrhein-Westfalen“. Wir haben mit Andrea Milz eine Staatssekretärin speziell für Sport und Ehrenamt. Auch wenn wir uns in Nordrhein-Westfalen vielleicht daran gewöhnt haben, ist das nicht selbstverständlich, und natürlich ist das auch eine Wertschätzung für das Ehrenamt. Von der in diesem Jahr laufenden Übungsleiter-Offensive profitiert natürlich auch die Schwimmausbildung. Als kurzfristige und flexible Lösungen für fehlende Wasserflächen haben wir jetzt das Schwimmcontainer-Projekt „narwali“ gestartet, um dort, wo Wasserflächen fehlen, möglichst vielen Kindern die Chance zu geben, sich an das Element zu gewöhnen und später zu sicheren Schwimmern zu werden. Diese Liste der direkten oder indirekten Förderungen ließe sich noch fortsetzen. Wie schon gesagt, wird die Politik das Problem, dass nicht alle Kinder richtig schwimmen lernen, allein nicht lösen können. Es ist eben auch ein gesellschaftliches Problem. Umso wichtiger ist es, dass wir heute darüber gesprochen haben. In der Sache ist dieser Antrag aber einfach überflüssig und bringt uns keinen Schritt weiter. Darum werden wir den Antrag ablehnen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
