Lisa-Kristin Kapteinat
Herzlichen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir befinden uns gerade in der Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“. Auch wenn wir uns hier im Landtag mindestens seit einem Jahr in der gesamten Breite – die Expertinnen und Experten, die vorher der Enquetekommission angehörten, sicherlich schon wesentlich länger – sehr intensiv mit dem Thema Einsamkeit beschäftigt haben, freue ich mich doch sehr darüber, dass dieses Thema bundesweit und jetzt auch hier aufgenommen wird und NRW beschäftigt. Ich freue mich darüber, dass die Bürgerinnen und Bürger darauf aufmerksam werden, dass es wichtig ist, sich mit diesem Thema zu beschäftigen; denn wenn wir eines wissen, auch als Lehre aus der Enquete, dann, dass wir im Bereich der Einsamkeit immer noch eine große Tabuisierung haben. 15.06.2023 Allen muss klar sein, nicht nur hier im Parlament, sondern auch im Land: Für Einsamkeit muss sich niemand schämen. (Beifall von der SPD) Es gibt auch gute Nachrichten. Das wissen wir auch aus den letzten Monaten und Jahren. Politik kann Maßnahmen auf den Weg bringen, um Einsamkeit zu begegnen. Es gibt noch mehr gute Nachrichten. Ministerpräsident Wüst hat sich angeschaut, wie Japan mit Einsamkeit umgeht. Er scheint also mittlerweile über den Punkt „Kekse von den Nachbarn, für die Nachbarn“ – oder auch Plätzchen, worauf der Kollege Schmidt Wert legt; Schmitz, Entschuldigung –, (Klaus Voussem [CDU]: Macht nichts!) hinaus zu sein. (Zuruf von der CDU) Aber warum macht Ministerpräsident Wüst medienwirksame Termine im Ausland, anstatt mit der tatsächlichen Abarbeitung der 65 Handlungsempfehlungen der Enquete weiterzumachen? (Beifall von der SPD) Wenn ihm die Handlungsempfehlungen der Enquete nicht gefallen, warum nutzt er dann nicht die Antworten, die wir von der Landesregierung zu unserer Großen Anfrage zum Thema Einsamkeit erhalten haben? An vorderster Front wissen wir: Eine Möglichkeit, um Einsamkeit zu begegnen, um dem etwas entgegenzusetzen, ist der Kampf gegen Armut. Jeder Mensch hier in Nordrhein-Westfalen hat ein Recht auf soziale Teilhabe. Es ist unsere Verantwortung, das durchzusetzen. (Beifall von der SPD) Wir haben hier in den vergangenen Wochen und Monaten wiederholt auch durch Anträge von CDU und Grünen über das Thema Einsamkeit debattiert. Wir wissen, was wir tun können, um ganz konkret beispielsweise Familien zu entlasten und ihnen mehr soziale Teilhabe zu ermöglichen. Das ist das kostenlose Mittagessen in Schulen und Kitas – das wäre eine einfach umzusetzende Maßnahme, die sehr konkret entlastet – oder die Absicherung von sozialund gesundheitsbezogenen Trägern in Nordrhein-Westfalen, die sich mittlerweile mit Brandbriefen überschlagen, weil sie nicht mehr weiterwissen. Wir machen uns dafür stark, dass die Quartiersarbeit gestärkt wird und dass wir sozialräumlich orientierte Wohlfahrtspflege ausbauen können. Wir bitten Sie ernsthaft: Unterstützen Sie uns dabei, den Menschen in Nordrhein-Westfalen zu helfen, aus Landtag der Armut zu kommen, und Einsamkeit zu begegnen, bevor es zu spät ist. (Beifall von der SPD) Aber bitte – bitte! – hören Sie auf damit, dieses Thema ausschließlich auf Ehrenamtliche abzuwälzen und für Social Media zu missbrauchen. – Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der SPD)
