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Christina Weng

SPD 14.06.2023 Sitzungen 18/36

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die existenzielle Bedeutung der gesicherten Versorgung mit Blut und Blutprodukten ist uns allen klar. Jeder und jede Dritte in Deutschland – wir können hier also einmal durch die Reihen zählen – ist statistisch betrachtet einmal im Leben davon betroffen: lebensrettend nach einem schweren Unfall, aber zum Beispiel auch bei Tumorerkrankungen oder Herz- und Kreislauferkrankungen. Der Vorrat an Blutprodukten sinkt bei den Blutspendediensten, in den Krankenhäusern und auch bei den großen Versorgern in Nordrhein-Westfalen aber gerade im Sommer in der Ferienzeit stark und bedrohlich (Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Ge- sundheit und Soziales: Genau!) auf eine Vorratshaltung von bis zu einem Tag. Wir wissen, dass für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Blut in Deutschland jeden Tag bis zu 15.000 Blutkonserven gebraucht werden, und uns allen ist bekannt, wie besorgniserregend diese Situation in Krankenhäusern ist; die Hilferufe haben uns nicht erst seit Corona erreicht. 14.06.2023 Auch, wenn wir das Thema mehrfach plenar behandelt haben, bleibt es hochaktuell, weil die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung kontinuierlich sinkt. Auch das Stadt-Land-Gefälle haben wir nicht aufgelöst. Die Aufhebung der absoluten Altersgrenze und die Orientierung an der persönlichen Befindlichkeit ist ein absolut richtiger Schritt. Allerdings brauchen älter werdende Dauerspenderinnen und Dauerspender, die tatsächlich vier- bis sechsmal im Jahr gespendet haben – Frau Schneider hat es bereits gesagt – künftig zunehmend selbst Unterstützung durch eine Blutspende. An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, dass inzwischen auch die diskriminierende Behandlung von homo- und bisexuellen sowie transgeschlechtlichen Menschen im Rahmen der Reform des Transfusionsgesetzes endlich beendet ist. (Beifall von der SPD und der FDP – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Das hat mich nicht nur gefreut, sondern das war längst überfällig und hilft, die Situation zu entspannen. Jüngere Menschen spenden derzeit in der Tat noch sehr wenig Blut. Allerdings sind sie bei konkreten Hilfeanfragen wie der Typisierung für Leukämiebetroffene absolut ansprechbar. Wir sollten deshalb unbedingt die Erreichbarkeit junger Menschen in den Blick nehmen. Dazu hält der Forderungsanteil Ihres Antrags viele wichtige Ansätze bereit, die aber einige Ergänzungen hätten vertragen können. Verschiedene Studien geben dazu Hinweise. Das können Anreize finanzieller Art oder in Gutscheinform gerade für junge Menschen oder die Ermöglichung einer Blutspende während der Arbeitszeit sein. Es kann aber auch bereits in den Schulen im Rahmen einer frühzeitigen Aufklärung und Sensibilisierung angesetzt werden. Das hätte gut in den SoWi-Unterricht gepasst, den es aber leider nicht mehr gibt, weil er übrigens auch mit Ihrer tatkräftigen Unterstützung abgeschafft wurde. In Gesprächen mit Studentinnen und Studenten bezüglich der Frage der proaktiven Information über die ASten habe ich durchweg positive Antworten bekommen. Der Hinweis auf mehrsprachige Informationen sollte im gesamten Kontext von Gesundheitsleistungen längst obligat sein. Was zunehmend mehr Bedeutung bekommt, ist der aufsuchende, also der mobile Blutspendedienst. Das haben wir gestern auch hier vor Ort erlebt. Anrufe, um für eine Spende Danke zu sagen und für eine neue zu motivieren, werden gut angenommen. Es stimmt nämlich nicht, dass es das nicht gibt. Ich kenne Blutspenderinnen, die sind Anfang 30 und erleben das. Sie werden gut angenommen und bergen Landtag das Potenzial der Multiplikation im Umfeld der Spendenden. Vor die Lage kommt man damit allerdings nicht, weil wir damit nur registrierte, tatsächliche Spenderinnen erreichen, die datenschutzkonform ihre Handynummer hergeben. Datenschutzmäßig muss man da nicht ganz so viel tun. Wir alle reagieren sehr stark, wenn wir persönliche Betroffenheit empfinden. Das ist uns allen klar. Vielleicht lassen sich ähnlich wie im Transplantationsbereich Menschen, denen eine Blutspende das Leben gerettet oder gesundheitliche Linderung und Heilung gebracht hat, als Botschafterinnen und Botschafter für dieses Thema verstärkt in Szene setzen. Wir erleben das. Frau Schneider hat auch gerade die Namen genannt. Mats Hummels ist ein gutes Beispiel dafür. Wer Blut spendet, übernimmt Verantwortung in der Gesellschaft. Menschen wissen das, und sie tun dies, wenn sie sich angesprochen fühlen. Das sollten wir mit allem fördern, was möglich ist. Ich hätte zwar gerne im Ausschuss auf die Einsatzmöglichkeiten von Plasmaprodukten für Patientinnen mit Long COVID und seltenen Erkrankungen intensiver beraten. Dennoch ist der Antrag wichtig, und meine Faktion stimmt ihm zu. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD)

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