Susanne Schneider
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gestern stand das Blutspendemobil des Deutschen Roten Kreuzes hier vor dem Landtag, und ich habe dieses Angebot wieder sehr gerne genutzt, um Blut zu spenden. Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich bei den Mitarbeitern und Kolleginnen der FDP-Landtagsfraktion für die zahlreiche Unterstützung, um mit ihrem Blut anderen zu helfen. Jeder von uns kann schnell und unerwartet in die Situation kommen, auf eine Blutspende angewiesen zu Landtag sein, zum Beispiel durch einen Unfall, durch eine notwendige Operation oder Ähnliches. Der Bedarf in Nordrhein-Westfalen liegt täglich bei 2.500 Blutkonserven. Trotzdem ähneln sich jährlich die Schlagzeilen, wo davor gewarnt wird, dass es zu wenige Blutspenden gibt. Das war am Anfang des Jahres so, und das ist jetzt leider wieder so. Dieser Rückgang in den Sommermonaten wäre vielleicht noch verkraftbar, wenn es sonst genug Blutspenderinnen und Blutspender gäbe. Der Trend weist aber leider in die falsche Richtung. Die Spendenbereitschaft sinkt immer weiter. Weniger als 5 % in Deutschland spenden regelmäßig Blut. Das ist ausgesprochen erschreckend. Viel hängt auch mit dem demografischen Wandel zusammen. Die Spendenbereitschaft ist bei den Babyboomern noch höher, doch auch diese Gruppe wird älter. Zwar hat die Fortschrittskoalition aus FDP, SPD und Grünen auf Bundesebene die strikten Altersgrenzen mittlerweile gekippt, aber trotzdem kommt manche treue Blutspenderin und mancher treue Blutspender irgendwann nicht mehr infrage, weil sie oder er aufgrund von Medikamenteneinnahmen von der Spende ausgeschlossen ist. Vielfach werden auch aus Blutspendern nun Blutempfänger. (Zuruf von der SPD: Ja, das ist wahr!) Die Spendenbereitschaft von jungen Menschen hingegen ist leider noch sehr gering. Anlässlich des heutigen Weltblutspendetages haben viele Akteure Kampagnen gestartet, um die jüngere Generation für Blut- und Plasmaspenden zu gewinnen. In den sozialen Medien werben bekannte Gesichter wie Motsi Mabuse, Laura Wontorra oder Mats Hummels für die Blutspende. Unter „#missingtype – erst, wenn’s fehlt, fällt‘s auf“ werden junge Menschen aufgefordert, Blut zu spenden. Aber es kommen auch die Menschen zu Wort, denen eine Blutspende das Leben gerettet hat. Diese Emotionalisierung brauchen wir auch, um die lebenswichtige Bedeutung von Blutspenden zu vermitteln. (Beifall von der FDP) Kampagnen in den sozialen Netzwerken allein werden natürlich nicht ausreichen. In Schweden setzt man seit Jahren auf eine noch viel unmittelbarere Emotionalisierung, um zu mehr Spendenbereitschaft zu motivieren. Bei ihrer Spende können Spenderinnen und Spender freiwillig ihre Handynummer hinterlegen. Kommt dann später ihre Blutspende zum Einsatz, erhalten sie dann eine Dankesbotschaft per SMS, insbesondere auch, wenn im akuten Fall ein Leben gerettet wurde. Nachdem ein Modellprojekt in Stockholm erfolgreich war, wurde 2015 diese Aktion auf das gesamte Land ausgeweitet. Auch in anderen Staaten wurde dies übernommen. 14.06.2023 Mit der Dankesbotschaft per SMS machen Spenderinnen und Spender die Erfahrung, dass ihre Tat positive Konsequenzen hatte. Die Erkenntnis, dass dies motivierend sein kann, beginnt sich auch in Deutschland langsam durchzusetzen. Erste Blutspendedienste arbeiten an einer solchen Spenderinformation. Auch Transfusionsmediziner machen deutlich, dass dies Blutspenden anschaulicher macht. Die Landesregierung sollte sich daher dafür einsetzen, dass diese Dankesbotschaften auch in Nordrhein-Westfalen möglich werden. Aber auch andere Anreize können die Spendenbereitschaft erhöhen. So setzt zum Beispiel die Universitätsklinik Düsseldorf auf Kinogutscheine für Neuspender, kleine Aufwandsentschädigungen und eine besondere Veranstaltung zur Ehrung regelmäßiger Blutspender. Mehrere gesetzliche Krankenkassen geben ihren Versicherten Bonuspunkte für Blutund Plasmaspenden. Gesammelte Bonuspunkte können dann beispielsweise für Geldprämien oder als Boni für bestimmte Leistungen genutzt werden. Dieser Weg muss konsequent weitergegangen werden. Die Landesregierung sollte daher gemeinsam mit den Akteuren im Gesundheitswesen beraten, welche innovativen Wege sich noch finden lassen, um die Spendenbereitschaft zu erhöhen. Schließlich ist das nicht nur eine Aufgabe am Weltblutspendetag, sondern eine lebenswichtige Daueraufgabe. Lassen Sie uns mehr unternehmen, um die Bereitschaft für die Blut- und Plasmaspende zu erhöhen. – Ich danke Ihnen. (Beifall von der FDP)
