Susanne Schneider
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Gewinnung und die Bindung weiblicher Fachkräfte sowie die Entwicklung hin zu einer familienfreundlichen Unternehmenspolitik sind große Aufgaben unserer Zeit, denen wir uns unbedingt widmen müssen. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen können diesen Wandel oft nicht ohne Hilfe bewältigen, selbst wenn der Wille zur Veränderung vorhanden ist. Frauen sind nach wie vor stark benachteiligt, wenn es um ihre beruflichen Perspektiven geht. Frauen sind oft mit größeren Hürden und Herausforderungen konfrontiert, die sie oft alleine meistern müssen. Nicht selten ist der Beruf für Frauen eine zusätzliche Belastung, und eine berufliche Weiterentwicklung wird Ihnen noch häufig schwer gemacht. 14.06.2023 Unser Ziel muss mehr Gleichberechtigung in der Arbeitswelt sein, und zwar nicht nur, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, sondern vor allem, um es Frauen zu ermöglichen, ihre Potenziale zu nutzen. Es gibt viele kluge und engagierte Frauen in unserem Land, die inzwischen auch die besseren Abschlüsse erreichen. Diesen Frauen müssen wir den Weg besser ebnen. Dazu braucht es innovative Ideen, die etwas bewegen. Leider ist es gerade die genannte Innovation, die wir in dem vorliegenden Antrag vermissen. (Beifall von der FDP) Die aufgezählten Punkte und Forderungen sind altbekannt; wir haben sie in der vergangenen Legislatur im Ausschuss oft thematisiert. Um dies zu veranschaulichen: Die Kompetenzzentren laufen momentan über die Landesmittel, ein Schwerpunkt der ausgelaufenen EFRE-Förderung lag bereits auf der Digitalisierung. Die Frage ist also: Wo sind die neuen Ideen, wo finden sich Impulse zur Weiterentwicklung? Laut Antragsprosa stellen zudem insbesondere Frauen mit internationaler Familiengeschichte, Frauen mit Behinderungen und Frauen im fortgeschrittenen Alter und mit großer Berufserfahrung ein besonderes Potenzial auf dem Arbeitsmarkt dar. Absolut richtig: Wir müssen verschiedene Lebenssituationen anerkennen und einbeziehen. – Doch ist in den Forderungen nicht ersichtlich, wie diese Frauen konkret unterstützt werden sollen. Hier wurden mit schönen Worten Probleme aufgezeigt und Wünsche formuliert, doch das ist eben nicht genug. (Beifall von der FDP) Sinnvoller wäre es gewesen, sich ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen, inwiefern das Aufgabenspektrum der Kompetenzzentren weiterentwickelt werden kann. Welche Themen beschäftigen uns schon jetzt? Welche werden zukünftig noch wichtiger? Wie wird momentan damit umgegangen? Wo müssen wir ansetzen, damit ein Richtungswechsel stattfinden kann? Ich denke hier zum Beispiel an das Thema „Care-Arbeit“. Wir beklagen oft, dass diese fast immer von Frauen bewältigt werden muss. Doch wie schaffen wir es konkret, mehr Männer in die Care-Arbeit zu bekommen? Wie können wir die Männer auch für Care-Berufe begeistern? Wir müssen uns um Zukunftsthemen kümmern. Wir brauchen ganzheitliche Gleichstellungsansätze. Dem Antrag fehlt es deutlich an neuen Überlegungen und klaren Vorschlägen zur Umsetzung. (Beifall von der FDP) Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass die Arbeit der insgesamt 15 Kompetenzzentren nur schwer vergleichbar ist. Oft haben sie eine völlig unterschied-Landtag liche Herangehensweise – ebenfalls ein Thema, das uns in der vergangenen Wahlperiode häufig beschäftigt hat. Es gibt keine festen Kennzahlen zur validen Überprüfung der Leistungen und Erfolge. Um festzustellen, wie die Arbeit der Kompetenzzentren sich tatsächlich auswirkt, wäre das Auslaufen der EFRE-Mittel im vergangenen Jahr ein guter und nachvollziehbarer Anlass gewesen. Hier hätte man erkennen und festlegen können, wo Verbesserungen möglich sind, wie man Ressourcen besser einsetzen kann und wo man in Zukunft hinmöchte. Es hätte eine echte Chance für neue wirksame Konzepte gegeben. Stattdessen bleiben wir mit diesem Antrag beim Status quo. Das ist schade, damit können und dürfen wir uns nicht zufriedengeben. Aus diesem Grund werden wir uns enthalten. – Ich danke Ihnen. (Beifall von der FDP)
