Franziska Müller-Rech
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Inklusion bereichert unsere Schulen in Nordrhein-Westfalen aus ganz verschiedenen Gründen. Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen lernen zusammen. Durch gezielte Unterstützung und Förderung können sie, aber auch alle anderen Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeiten und Potenziale besser entfalten und erfolgreich lernen. Zudem fördert die Inklusion auch die Chancen- und Bildungsgerechtigkeit und kann zur Entwicklung von innovativen pädagogischen Ansätzen und Methoden beitragen. Wir Freien Demokraten sind fest davon überzeugt, dass gezielte Unterstützung und Förderung aber nicht nur diejenigen Schülerinnen und Schüler erhalten sollten, die eine festgestellte besondere, zum Beispiel körperliche oder emotional-soziale, Beeinträchtigung haben, sondern auch Schülerinnen und Schüler, bei denen das nicht formal festgestellt ist, die unter einer Lese- und Rechtschreibstörung oder Rechenschwäche leiden. Jedes achte Grundschulkind ist von einer Lernstörung betroffen, und ca. 4 bis 6 % der Grundschulkinder sind von einer Lernschwäche betroffen. Auch diese Schülerinnen und Schüler brauchen unsere bestmögliche Unterstützung, um erfolgreich am Schulalltag teilnehmen zu können und eine erfolgreiche Schullaufbahn mit hervorragenden Abschlüssen absolvieren zu können. Landtag Daher ist dieser Antrag, den wir gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der SPD-Fraktion einbringen, für die betroffenen Schülerinnen und Schüler immens wichtig. Die aktuelle Situation im Umgang mit Dyskalkulie und Lese- und Rechtschreibstörung ist nämlich noch nicht sachgemäß und führt immer noch zu viel zu viel Chancenungleichheit. Die Praxis zeigt, dass immer noch zu viel Unsicherheit und mangelnde Information bei Eltern, Schulen und Lehrkräften vorliegen. So fordern zum Beispiel Schulen in Nordrhein-Westfalen immer noch von betroffenen Schülerinnen und Schüler fachärztliche Atteste, um eine Lese- und Rechtschreibstörung anzuerkennen. Das ist weder notwendig noch erlaubt. Wie wir in der Anhörung von den Expertinnen und Experten erfahren konnten, gibt es viel bessere, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Diagnostik und zur Therapie, die aktuell leider noch nicht ausreichend berücksichtigt werden. Es herrscht noch zu viel Unkenntnis. Daran müssen wir dringend herangehen. (Beifall von der SPD) Wir Freien Demokraten fordern daher die Landesregierung auf, die Erlassregelungen dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Forschung zur Dyskalkulie und zur Lese-Rechtschreib-Störung anzupassen. Im Schulgesetz muss dies auch dringend verankert werden. Unsere Schulen in Nordrhein-Westfalen brauchen Sicherheit im Umgang. Vor allem müssen wir diesen Umgang zugunsten der betroffenen Schülerinnen und Schüler anpassen. Wir schlagen im Antrag noch weitere Maßnahmen vor. Exemplarisch nenne ich drei, die mir ganz besonders wichtig sind. Erstens sollen Nachteilsausgleiche für Dyskalkulie ermöglicht werden. Das ist im Moment noch nicht der Fall. Es ist aber besonders wichtig, damit betroffene Schülerinnen und Schüler nicht durch schlechte Noten entmutigt werden. Zweitens soll ein Case-Management mit Kooperationszeit innerhalb der multiprofessionellen Teams an unseren Schulen geschaffen werden, damit sie sich multiprofessionell übergreifend über den besten Weg zum Wohl des Kindes austauschen können. Drittens brauchen wir dringend eine landesweite Beratungsstelle, damit betroffene Schülerinnen und Schüler, aber auch die Eltern genau wissen, wohin sie sich wenden können. Auch für die Lehrkräfte ist das eine wichtige Unterstützung. Diese Angebote müssen – darauf pochen wir – auch digital verfügbar sein. Zur gelingenden Inklusion gehört eben auch, dass wir Kinder mit Lese-Rechtschreib-Störung und Dyskalkulie in den Blick nehmen, sie unterstützen und ihnen gerechte Bildungschancen einräumen, damit 26.05.2023 sie erfolgreich und motiviert durch die Schule kommen. Dafür setzen wir uns ein. Ich freue mich sehr, dass wir darüber gemeinsam im Ausschuss beraten, und möchte auch die Hand zu CDU und Grünen ausstrecken. Das ist ein wichtiges Thema für die Schülerinnen und Schüler. Es ist kein parteipolitischer Angriffspunkt. Ich glaube, dass wir hier wirklich eine große Chance haben, zusammen die beste Lösung für diese Kinder erreichen zu können, die unsere Unterstützung verdient haben. Ich freue mich sehr darauf, dass uns das hoffentlich gelingt. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP und der SPD)
