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Franziska Müller-Rech

FDP 26.05.2023 Sitzungen 18/35

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Für uns Freie Demokraten ist glasklar: Es kommt nicht darauf an, woher du kommst, sondern allein darauf, wohin du willst. – Genau das ist gelebte Chancengerechtigkeit. Ich bin sehr froh, dass wir uns hier erneut mit diesem Thema befassen. Lassen Sie mich eines zu Anfang klarstellen: Diese Enquetekommission zur Chancengleichheit darf keine verkappte Schulstruktur-Enquetekommission werden. Dafür ist das Thema viel zu wichtig, viel zu übergreifend. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir einen Kompromiss, eine übergreifende Zusammenkunft finden würden, um über das Thema „Chancengerechtigkeit“ reden zu können, ohne wieder ideologische Schulstrukturdebatten eröffnen zu müssen. Lassen Sie mich mit Blick auf die berufliche Bildung und die Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler noch etwas sagen: Gerade im Hinblick auf Neuerungen wie ChatGPT werden wir auf Berufe setzen müssen, die nicht durch Technik ersetzt werden können, und die finden sich vor allem im Handwerk. Würden wir politisch definieren, dass unbedingt jeder einzelne Schüler, jeder einzelne Schülerin Abitur machen müsse, weil das die gesellschaftliche Forderung sei, würden wir einen großen Fehler begehen. Das Abitur ist nicht der sichere und nicht der einzige Weg zum Glück. Genau daran müssen wir als Gesellschaft insgesamt arbeiten und die mittleren Schulabschlüsse mit Blick auf die Zukunft dringend wieder stärken. (Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der SPD) Talente sind eben unterschiedlich, und wir dürfen nicht den Fehler machen, nur auf akademische Landtag Talente zu schauen. Für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft werden wir vor allem die beruflichen Bildungstalente brauchen können, insbesondere aus Handwerk und Technik. Sie sind nicht weniger gut als akademische Talente. Unabhängig davon, welche Talente jedes Kind mitbringt, ist es noch zu sehr davon abhängig, wo man aufwächst, welche finanziellen Möglichkeiten das Elternhaus hat, in welchem Stadtteil man lebt oder welchen Nachnamen man hat. Wir müssen dringend daran arbeiten, dass jedes Kind, jeder Mensch in Nordrhein-Westfalen unabhängig von diesen Voraussetzungen – für die man nichts kann – seine Talente entfalten kann, dass sie entdeckt und gefördert werden, damit man sein Leben selbst in die Hand nehmen und selbstbestimmt leben kann. Wir haben in der vergangenen Legislaturperiode schon Maßnahmen für Chancengerechtigkeit in der schulischen Bildung auf den Weg gebracht, zum Beispiel die Talentschulen. Hier wurden Mittel nicht mit der Gießkanne verteilt, sondern dort Unterstützung hingebracht, wo sie am meisten benötigt wird. Wir haben den schulscharfen Sozialindex auf den Weg gebracht, der dafür sorgt, dass Ressourcen gerecht verteilt werden, nämlich dorthin, wo sie am meisten gebraucht werden. Auch mit dem Masterplan Grundschule haben wir diese wichtige Schulform enorm gestärkt und zum Beispiel mit 3.000 sozialpädagogischen Fachkräften in der Schuleingangsphase für mehr gelebte Chancengerechtigkeit im schulischen Alltag gesorgt. Es ist wichtig, zu erwähnen, dass auch der Bund seiner Verantwortung nachkommt. Die Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger hat mit der Ampelkoalition jetzt ein Startchancenprogramm auf den Weg gebracht – eine Bildungsmilliarde, die auch nicht mit der Gießkanne verteilt wird, sondern mittels einer gezielten Förderung an diejenigen Schulen gebracht werden soll, an denen diese Förderung am meisten gebraucht wird. (Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der SPD) Meine Damen und Herren, Sie merken es mir an: Ich freue mich wirklich auf dieses Thema. Ich mache bei dieser Enquetekommission für mehr Bildungsgerechtigkeit gerne mit. (Heiterkeit und vereinzelt Beifall von der SPD) – Vielen Dank. – Ich glaube, dass wir für dieses wichtige Thema gemeinsam viel erreichen können. Ich freue mich auf die Arbeit mit Ihnen und euch. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der SPD) 26.05.2023

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