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Jonathan Grunwald

CDU 26.05.2023 Sitzungen 18/35

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Grundstein für Bildungserfolg und Teilhabe wird bereits vor dem ersten Schultag gelegt. Denn nichts ist für Schülerinnen und Schüler frustrierender und damit 26.05.2023 schädlicher, als vom Tag der Einschulung an hinterherzurennen. Die Folgen sind im schlimmsten Fall ein Unwohlsein beim Betreten der Schule, innere Migration, frustabladende Ausbrüche, Schulverweise und das Verlassen der Schule ohne Abschluss. „Frühkindliche Bildung schafft wichtige Voraussetzungen für Chancengerechtigkeit, eine erfolgreiche Bildungsbiografie und ein Leben in Freiheit, Solidarität und Selbstbestimmung.“ Dieser Satz stammt nicht etwa aus dem dieser Debatte zu Grunde liegenden Antrag zur Einsetzung der Enquetekommission, nein, vielmehr haben ihn CDU und Grüne vor elf Monaten in den Zukunftsvertrag geschrieben und damit unterstrichen, dass Chancengerechtigkeit ein zentraler Baustein unserer Bildungspolitik ist. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Es ist absolut unstrittig und wissenschaftlich hinreichend belegt, dass Bildungschancen in Deutschland nach wie vor zu sehr von der sozialen Herkunft der Kinder abhängen. Genauso ist es unstrittig, dass es sich dabei um eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung handelt, die nicht alleine von den Lehrerinnen und Lehrern an unseren Schulen gelöst werden kann. Diese Erkenntnisse sind jedoch keineswegs neu. In der Studie „Bildungsgerechtigkeit. Herausforderung für das deutsche Bildungssystem“ aus dem Jahr 2021 führen Christina Anger und Axel Plünnecke eine Reihe von Handlungsempfehlungen auf, die wir bei uns in Nordrhein-Westfalen bereits in konkretes Regierungshandeln überführt haben. Ein zentraler Baustein unserer Politik ist die Stärkung der Familienzentren. Nur wenn wir die Eltern gerade auch in den sozial benachteiligten Milieus mitnehmen, werden wir die Chancengerechtigkeit in der Bildung nachhaltig erhöhen. Wir haben daher bereits nach wenigen Monaten die Einrichtung von 150 weiteren Familienzentren beschlossen. Werte Kolleginnen und Kollegen, wir reden nicht nur von Chancengerechtigkeit, wir lassen Taten folgen. (Beifall von der CDU) Unstrittig ist: Um die Stärken und Schwächen jeder Schülerin und jedes Schülers zu berücksichtigen, benötigen wir ausreichend Lehrkräfte. Mit dem Handlungskonzept von Dorothee Feller zur Unterrichtsversorgung und der Angleichung der Einstiegsbesoldung unserer Grundschul- und Sek.-I-Lehrer wollen und werden wir mehr junge Menschen für das Lehramt gewinnen. Die letzten Ergebnisse des IQB-Bildungstrends und der IGLU-Studie haben den Handlungsbedarf unterstrichen. Wenn rund ein Viertel aller Grundschüler in Deutschland die Mindeststandards in Deutsch und Mathe sowie bei der sozialemotionalen Entwicklung Landtag nicht erfüllt und Ausbilder genauso wie Hochschullehrer gleichermaßen die Ausbildungsreife der Schulabsolventen bemängeln, dann müssen wir gerade bei den Basiskompetenzen nachlegen. Mit der Erhöhung der verbindlichen Lesezeiten um zusätzliche 60 Minuten pro Woche und der Einführung der digitalen Lehranwendung „Leo“ zum kommenden Schuljahr stärken wir diese Schlüsselkompetenz bei uns in Nordrhein-Westfalen daher nachhaltig. Sie sehen: Wir reden nicht nur von Chancengerechtigkeit, wir lassen Taten sprechen. (Beifall von der CDU) In unseren Kindern liegt unsere Zukunft. Sie sind es, die die Ideen von morgen entwickeln, Geschäfte eröffnen und in unseren Unternehmen, in der Pflege oder an unseren Schulen arbeiten werden. Im Jahr 2021 haben Bund und Länder insgesamt 252 Milliarden Euro in die Bildung investiert. Das sind 40 % mehr als noch im Jahr 2010. Noch nie floss so viel Geld in den Bildungsbereich, und noch nie wurden unsere Kinder so lange außerhalb des Elternhauses betreut und beschult. Trotz alledem haben sich die Lernergebnisse unserer Schüler in dem Zeitraum nicht verbessert. Der Ruf nach immer mehr Geld greift zu kurz. Lassen Sie uns daher die Enquetekommission gemeinsam nutzen, um den Blick auch abseits des politischen Tagesgeschäfts zu schärfen und Fragen zu stellen: Kann ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr die Chancengerechtigkeit erhöhen? Inwiefern können KI-Technologien zur Bildungsteilhabe beitragen und einer zunehmend heterogenen Schülerschaft gerecht werden? Welche Auswirkungen haben Mentoring-Programme auf den Lernerfolg und die soziale Kompetenz gerade bei lernschwächeren Schülerinnen und Schülern? Oder: Wie gelingt es uns, die Begeisterung und intrinsische Motivation für Lernen und Wissen bei allen Schülerinnen und Schülern zu steigern? Lassen Sie uns gemeinsam und mit wissenschaftlicher Begleitung Antworten auf diese Fragen finden und Handlungsempfehlungen erarbeiten, wie wir der Individualität und Einzigartigkeit unserer Schülerinnen und Schüler noch stärker Rechnung tragen und sie noch unabhängiger von ihrer sozialen Herkunft fördern und fordern können und damit allen Kindern die Türen für ein selbstbestimmtes Leben aufreißen. Ich freue mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen der CDU-Fraktion auf die vor uns liegende Arbeit in der Enquetekommission und wünsche uns allen konstruktive und sachliche Beratungen im Sinne unserer Kinder und im Sinne der Zukunftsfähigkeit unseres Landes. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) 26.05.2023

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