Dr. Günther Bergmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen, meine Herren! Europa wird besonders in den Grenzregionen und vor Ort gelebt und dort vielleicht sogar ein Stück weit gemacht. (Vereinzelt Beifall von der CDU) Das wollen wir weiter stärken und unterstützen. Das europäische Projekt ist etwas Besonderes, und diese Besonderheit müssen wir immer mehr und immer öfter als Besonderheit betonen. (Beifall von der CDU) – Ihr habt recht. Die Normalität im Alltag ist für die jungen, aber nicht für die älteren Menschen eine Normalität, weil die Älteren noch zu würdigen wissen, dass hier etwas zusammengewachsen ist, was man 1945 für unmöglich gehalten hat. Dieses Friedensprojekt „Europa“, das sich bei uns in den Grenzregionen so stark manifestiert, hat beste Voraussetzungen, bei uns vor Ort in den Grenzregionen zu Belgien und zu den Niederlanden immer weiter forciert zu werden. Unsere Grenzen zu den Niederlanden und zu Belgien sind viel länger, als wir zu Rheinland-Pfalz oder zu Hessen Grenzen haben. Dort bestehen Verzahnungen aus der Tradition und aus der Historie heraus, in die wir in allen Bereichen weiter investieren müssen. Am heutigen Tag haben wir die Bildung und die Kultur im Fokus. Es wird aber weitere Bereiche geben, die diesbezüglich wichtig sind und eine große Rolle spielen. Ein Beispiel dafür ist das Thema „Sicherheit“, bei dem mit den grenzüberschreitenden Polizeiteams viel getan wurde, und die Themen „Hochwasserschutz“ und „Katastrophenschutz“ sind weitere, die folgen werden. Wir sind allerdings, wenn man ehrlich ist, in einer kritischen Phase, denn die alten persönlichen Verbindungen wachsen langsam raus, und das Bewusstsein für das Besondere oder den besonderen Wert nimmt leider – und das naturgemäß – etwas ab. Die Euregios vor Ort bei uns in Nordrhein-Westfalen spielen in vielen Bereichen eine wichtige Rolle, und das soll auch so bleiben. Die sollen weiter gestärkt werden. Aber andere Akteure müssen hinzukommen wie etwa Schulen, Hochschulen, Kulturvereine etc. Wir wollen im Grunde genommen als Fortsetzung der erfolgreichen Europapolitik der letzten Jahre die Elemente bei uns an der Grenze in vielen Bereichen stärken, nicht immer nur monetär, sondern oft auch ideell. Davon sollen die Euregioschulen, die Euregio-Profilschulen, die Europaschulen genauso profitieren wie die Schulen an der Grenze, wo der Schwerpunkt „Niederländisch“ mehr in den Mittelpunkt gerückt werden soll. Es sollen die gegenseitigen Anerkennungen von Berufsabschlüssen erleichtert und Ausbildungsgänge vielleicht sogar grenzüberschreitend besser aufeinander abgestimmt werden. 25.05.2023 Des Weiteren erhoffen wir uns, dass bestehende, aber auch gerne neue Kulturkooperationen zwischen Nordrhein-Westfalen, den Niederlanden und Belgien neuen Schwung erhalten. Das könnte zum Beispiel ausgehend von den Doppelkommunen Kerkrade und Herzogenrath oder Dinxperlo und Suderwick stattfinden, also einmal Kreis Borken, einmal Aachener Land. Nicht zu vergessen sind dabei vielleicht auch neue Wege in der Erinnerungskultur – ein Punkt, der viel mehr in unseren Fokus gerückt werden sollte und heute mit dem zeitlichen Abstand gemeinsam angegangen werden kann. Ich darf in diesem Zusammenhang an das Vrijheidsmuseum in Groesbeek erinnern, das früher einmal Bevrijdingsmuseum hieß, was natürlich schon damit zeigt, was sich da geändert hat. Kurzum: Es gibt viele große Potenziale, die wir gern heben möchten, und deshalb bitte ich schon jetzt nicht nur um Überweisung, sondern auch um Unterstützung unseres Antrags. Dames en heren, hartelijk bedankt voor de aandacht en tot de volgende keer. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der SPD)
