Andreas Keith
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! In Deutschland kann eins von vier Kindern nach der Grundschule nicht lesen. Wir sprechen hier nicht von Zentralafrika und nicht von Lateinamerika; nein, wir sprechen von Deutschland. Was wollen Sie nicht alles zum Wohl unserer Kinder tun: das Wahlalter senken, die Kinderrechte stärken, das Klima retten und, und, und. Dabei können Sie in Wahrheit nicht einmal verhindern, dass jeder vierte Neun- bis Zehnjährige in Deutschland Analphabet ist. Lassen Sie das bitte einmal sacken. Im internationalen Bildungsvergleich des Münchner ifo Instituts liegt das beste Deutschland aller Zeiten auf Platz 30, noch hinter Russland und Estland – in der Bildung und auch in der Bewegung. Unsere Schüler bewegen sich viel zu wenig. 90 Minuten am Tag sind das empfohlene Minimum. Das erreichen aber höchstens vier von zehn Kindern. Im Vergleich zu anderen Ländern befinden wir uns damit im unteren Drittel. In Schulnoten gedacht ist das höchstens eine Vier minus. Dieser seit Jahren verschlafene Handlungsbedarf kommt uns teuer zu stehen. Bewegt ein Kind sich zu wenig, hat es als Erwachsener nämlich ein viermal höheres Risiko für starkes Übergewicht. Laut der Deutschen Adipositas-Gesellschaft entstehen so Kosten von etwa 63 Milliarden Euro pro Jahr – Tendenz: steigend. Und was machen die Grünen? In Berlin will Ernährungsminister Cem Özdemir jetzt die Süßigkeitenwerbung verbieten. Typisch grün: Wo Argumente fehlen, müssen Verbote herhalten – Kantinenfleisch, Verbrennungsmotor, Ölheizungen und jetzt eben Werbung für Ü-Eier und Lakritze. Dabei haben die Grünen genauso wie SPD, CDU und FDP das Thema „Kindesgesundheit“ jahrelang nicht nur völlig vernachlässigt. Nein, mit Ihren Pandemiemaßnahmen haben Sie die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auch noch massiv Landtag verschlechtert. Auch das sollten Sie als vermeintliche Kinderschützer niemals vergessen. Unsere Kinder haben das Recht auf eine gesunde Ernährung in den Schulen. Sie haben das Recht auf Sportunterricht. Sie haben das Recht auf eine sinnvolle Mittagsbetreuung mit regelmäßigen sportlichen Aktivitäten. Aber wie soll das funktionieren, wenn es keine ausreichenden Schulküchen gibt, Sporthallen marode und Schwimmbäder kaum vorhanden sind und immer mehr Eltern dank Ihrer verkorksten Politik beide voll arbeiten müssen, dadurch kaum mehr Zeit für ihre Kinder haben und damit auf eine Ganztagsbetreuung angewiesen sind? Wenn Sie schon die Eltern zwingen, dass ihre Kinder eine Ganztagsschule besuchen müssen, dann müsste doch gerade die Ganztagsschule die beste Anlaufstelle für gesunde Ernährung und mehr Bewegung sein. Das ist sie aber nicht. Sie wissen das auch ganz genau. Zwar stehen drei Wochenstunden Sport im Lehrplan; erreicht werden aber durchschnittlich maximal 1,8 Stunden. 8.000 Lehrer fehlen in NRW. Wenn dann Unterrichtsstunden ausfallen, trifft das meistens den Sportunterricht. Von Jahr zu Jahr, von Studie zu Studie stellen wir fest: Nanu! Die Kinder sind immer inaktiver und werden immer dicker. Dass es auch anders geht, zeigt Finnland, das ich vor 14 Tagen mit dem Umweltausschuss besucht habe. Sport ist das mit Abstand beliebteste Hobby bei finnischen Schülern. Mehr als 90 % der unter 18-Jährigen betreiben ihn regelmäßig. In Deutschland sind es gerade einmal 23 %. Wir sagen: Unsere Schulen brauchen mehr Sportangebote, auch bis in den Nachmittag. Das gelingt aber nur durch die verbindliche Einbindung von Sportvereinen in den Schulalltag. Ja, ich weiß: Sie werden gleich wieder alle möglichen Rahmenvereinbarungen – Pakt X, Pakt Y – nennen und aufzählen, was das Land NRW in den letzten 20 Jahren nicht alles auf den Weg gebracht hat. Aber was haben diese Maßnahmen gebracht? Nichts! Rein gar nichts. Das beweisen alle Studien und deren Ergebnisse. Sowohl die 2011 mit dem Landessportbund geschlossene Rahmenvereinbarung über Bewegung, Spiel und Sport in Ganztagsschulen als auch der sogenannte Pakt für den Sport sind krachend gescheitert. Daher fordern wir, Ganztagsschulen in Zusammenarbeit mit Sportvereinen zu mehr Sportmöglichkeiten zu verpflichten. Die dafür notwendigen Mittel für Honorare und Übungsleiterpauschalen muss das Land aufstocken. Auch die Nachmittagsbetreuung und die Talentsichtung würden davon sicherlich profitieren. Aber dafür braucht es engagierte Ministerien und 25.05.2023 Schulleitungen, die das auch forcieren. Leider ist dieses Engagement nicht zu erwarten. Wenn Ihnen Nordrhein-Westfalen als Sportland Nummer eins wirklich wichtig ist, dann tun Sie auch etwas Vernünftiges dafür und unterstützen unseren Antrag. Andernfalls heißt es im internationalen Vergleich bald nicht mehr Vier minus, sondern: Setzen, Sechs. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der AfD)
