Dietmar Brockes
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! So wütet der Wolf in NRW: „Wolf reißt vier trächtige Schafe“; „Wolf wütet auf Schafweide in Dinslaken und tötet mehrere Muttertiere“. 24.05.2023 Das sind Schlagzeilen, die die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land sehr beunruhigen und besorgen. Ganz besonders sorgen diese Schlagzeilen bei vielen Weidetierhalterinnen und -haltern für deutliche Unruhe. Dabei leisten diese Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter für die Gesellschaft und die Natur einen enormen Dienst. Ihre Tiere schützen seltene Biotope, leisten einen aktiven Beitrag zum Hochwasserschutz durch Deichpflege und tragen maßgeblich zum Umweltschutz und zur Biodiversität bei. (Beifall von Ralf Witzel [FDP]) Doch die Ausbreitung des Wolfes in Nordrhein-Westfalen gefährdet diese wertvolle Arbeit. Herr Minister Krischer, werden Sie endlich aktiv. Verweigern Sie sich nicht länger, in dieser Sache aktiv zu werden. Lassen Sie die Weidetierhaltung in Nordrhein-Westfalen nicht weiter zurückgehen. (Beifall von der FDP) Innerhalb kürzester Zeit ist neben Schafen auch ein Rind gerissen worden. Im Kreis Recklinghausen sind Tiere sogar am helllichten Tag gerissen worden. Beide Vorfälle sind sehr bedenklich. Sie zeigen auch, dass die Wölfe sich immer mehr zutrauen. Nun ist klar, dass für die Wolfsrisse in Dinslaken, wo fast 20 Schafe getötet wurden, die Problemwölfin Gloria sowie eines ihrer Jungen verantwortlich ist. Seit 2018 war die Wölfin Gloria an über 64 Wolfsrissen beteiligt. Dabei sind über 150 Schafe und ein Pferd gerissen worden. Geschehen ist seither leider nichts. Laut Umweltminister ist die Wolfsproblematik nicht so groß, wie sie wirkt. Da wird lapidar darauf verwiesen, dass der Wolf auch weiterhin den empfohlenen Herdenschutz überwindet. Das klingt doch wie blanker Hohn für die betroffenen Weidetierhalterinnen und -halter. (Vereinzelt Beifall von der FDP) Auch von der für die Weidetierhalter zuständigen Landwirtschaftsministerin, die jetzt leider nicht da ist, hört man zu dem Thema leider nichts. Der Wolf schafft Probleme, die wir ernst nehmen müssen. Dafür brauchen wir Lösungen. Anders als die Landesregierung wollen wir Freie Demokraten die Weidetierhalter nicht alleinlassen. Sie sollen auch künftig ihre wichtige Funktion für Umwelt-, Natur- und Katastrophenschutz erfüllen können. Dafür braucht es ein Wolfsmanagement 2.0 in diesem Land, ein Upgrade. Wir fordern ein länderübergreifendes belastbares Monitoring inklusive Ausarbeitung fundierter Populationsmodelle, eine deutliche Verkürzung der Bearbeitungszeit von Wolfsübergriffen, eine Beschleunigung der Untersuchung von Proben zur Feststellung von Wolfsangriffen in Deutschland durch dezentrale Landtag Referenzlabore, eine intelligente Vernetzung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit dezentralen Referenzlaboren, um Zeit zu verkürzen und dadurch die Zahlungen auch schneller bei den Betroffenen ankommen zu lassen, eine jährliche Überprüfung des Erhaltungszustandes des Wolfes und eine Lockerung des Schutzstatus. Der Wolf ist aus Anhang IV – strenger Schutz – in Anhang V – weniger strenger Schutz – der FFH-Richtlinie zu überführen. (Beifall von Ralf Witzel [FDP]) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir waren ja vor Kurzem mit den Mitgliedern des Umweltausschusses in Finnland. Und siehe dort: Ein Land, das so groß ist wie die Bundesrepublik, hat wohl deutlich weniger Wölfe. In Finnland gibt es eine Bestandsquote für den Wolf, und diese Bestandsquote wird jedes Jahr neu überprüft. Aber unabhängig davon: Verhaltensauffällige Wölfe dürfen sogar außerhalb der Quote entnommen werden. Wenn dort ein Rentier gerissen wird, dann darf nach Zustimmung der Polizei die Problemwölfin oder der Problemwolf entnommen werden. Warum geht das in Nordrhein-Westfalen nicht, meine Damen und Herren? (Vereinzelt Beifall von der FDP) Ich komme zum Schluss. Mit jedem Wolfsriss sinkt die Akzeptanz für den Wolf, und immer mehr Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter hören leider mit ihrer Arbeit auf. Sorgen wir für einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen von Mensch und Tier in Nordrhein-Westfalen! – Vielen Dank. (Beifall von der FDP)
