Zacharias Schalley
Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Ich mache Ihnen heute ein Geständnis. Als Vertreter der AfD stimme ich Pro Choice absolut zu: Alle Menschen sollen die freie 05.05.2023 Wahl haben, ob sie sexuell aktiv sein wollen oder nicht. Sie sollen ebenso die freie Wahl haben, ob sie verhüten und welches Mittel sie dazu nutzen – sei es zur Vermeidung einer ungewollten Schwangerschaft das Kondom, die Pille, Spirale oder einfach Enthaltsamkeit. Dies bleibt jedem selbst überlassen. Neuester Geheimtipp unter den Verhütungsmitteln für Frauen ist übrigens die bunte Kurzhaarfrisur. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit des Geschlechtsverkehrs wirklich gegen null. Auch das ist völlig legitim. (Franziska Müller-Rech [FDP]: So eine Frau- enfeindlichkeit in diesem Hause! Geht es noch? – Lisa-Kristin Kapteinat [SPD]: Das darf nicht möglich sein!) Aber das Töten eines bereits heranwachsenden Kindes darf niemals als nachträgliche Verhütungsmethode salonfähig werden. Das Grundgesetz garantiert den Schutz des menschlichen Lebens – allen Lebens, auch des Lebens ungeborener Kinder. Nicht nur deshalb sollten Schwangerschaftsabbrüche die Ausnahme bleiben. Daran ändern auch die mittlerweile merklich abgestandenen Floskeln der feministischen Kader nichts. Wie ich eingangs demonstriert habe, kann bereits jeder über sein Sexualverhalten selbst bestimmen. Wer also willentlich einen wehrlosen Organismus tötet und dabei wohlwollend von körperlicher Selbstbestimmung spricht, ist nicht nur moralisch verwahrlost, (Norwich Rüße [GRÜNE]: Sie sind verwahr- lost!) sondern gewährt seinen eigenen Nachkommen nicht einmal die gleichen Rechte wie sich selbst. Auch im letzten Jahr wurden wieder weit mehr als 20.000 Kinder in Nordrhein-Westfalen abgetrieben. Die traurige Tatsache, dass die Zahl der Abtreibungen nicht nur in NRW, sondern deutschlandweit gestiegen ist, sollte wohl Anlass genug sein, den zugesicherten Schutz des Lebens – übrigens auch den des ungeborenen Lebens – gewissen Personenkreisen erneut ins Gedächtnis zu rufen. Die Gründe für eine Abtreibung laufen in eine besorgniserregende Richtung. Die erschreckend lapidare Formulierung „ich will momentan kein Kind“ verschleiert die Tatsache, dass wir in einem Land leben, in dem Familien systematisch benachteiligt sind. Es sind nicht nur finanzielle Aspekte, sondern auch ein Gesellschaftsklima, in dem das Natürlichste der Welt, das Zeugen von Nachwuchs, als Einschränkung der individuellen Entfaltungsmöglichkeiten geschmäht wird. Das wiederum sind gute Nachrichten für die Hersteller von Katzenfutter und Wein, die sich um den Fortbestand ihrer Zielgruppe vorläufig keine Sorgen machen müssen. (İlayda Bostancıeri [GRÜNE]: Ekelhaft!) Landtag Nun ist es auch noch zunehmend en vogue, nicht etwa aus Gründen der Selbstbestimmung auf ein Kind zu verzichten, sondern um das Wetter zu ändern. So sagte erst diese Woche eine Klimakleberin in München vor Gericht, sie habe sich sterilisieren lassen, weil sie es nicht verantworten könne, Kinder in die Welt zu setzen. Da kann man nur sagen: Charles Darwin gefällt das. In Deutschland ist eine Dame namens Verena Brunschweiger, eine – Achtung! – Gymnasiallehrerin, Vordenkerin dieses Gedankenguts. Sie hat Bücher mit Titeln wie „Kinderfrei statt kinderlos“ und „Die Childfree-Rebellion“ verfasst, in denen sie das Kinderkriegen zur Klimasünde erklärt. Noch mehr CO hätte gespart werden können, wenn für diese Bücher keine Bäume hätten gefällt werden müssen. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Vor allem Ihre heiße Luft können Sie sich sparen!) Wenn es um die Verbreitung abstrusen Gedankenguts geht, kann aber auch der öffentliche Rundfunk nicht weit sein. (Anja Butschkau [SPD]: Ja klar!) So hat das Format „Quarks“ des WDR berichtet, der Verzicht auf ein Kind spare fast 60 t CO und sei damit ein hervorragender Beitrag zum Klimaschutz. Auch die Jugendformate des öffentlichen Rundfunks wie „funk“, „Y-Kollektiv“ oder „STRG_F“ behandeln das Thema „Abtreibung“ trotz der jungen Zielgruppe nicht nur unverhältnismäßig häufig, sondern bringen Kritikern normalisierter Abtreibung Unverständnis entgegen. Hier streitet man sich höchstens noch darum, bis zu welchem Monat die Abtreibung straffrei und unkompliziert möglich sein soll – eine unverschämte und auch noch durch die GEZ-Gebühren finanzierte Verzerrung, die jungen Frauen ein völlig falsches Bild dieses schweren, lebensbeendenden Eingriffs vermittelt. Allen jungen Paaren da draußen kann ich nur sagen: Kinder machen macht Spaß. Kinder großziehen erfüllt. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD und Dr. Christian Blex [fraktionslos])
