Dr. Martin Vincentz
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Um mehr junge Menschen für Ausbildungsberufe zu gewinnen, brachte die AfD bereits im Januar dieses Jahres einen längeren Antrag ein. In diesem Antrag haben wir insgesamt 15 Forderungen gestellt, die die Menschen dazu bewegen sollten, sich doch in jungen Jahren vielleicht für eine Ausbildung zu entscheiden. Um die Spannung rauszunehmen, was mit diesem Antrag passiert ist: Er wurde in diesem Haus von allen anderen Fraktionen abgelehnt. Übrig geblieben ist von diesen 15 Forderungen eine einzige, die die FDP nun einbringt, nämlich mal irgendwas mit Social Media zu machen. Als wäre das Ministerium nicht schon von alleine darauf gekommen, sollen es nun 05.05.2023 Influencer richten, die – ich sage es mal so – in den meisten Fällen nicht unbedingt Leuchttürme für solide Ausbildungsberufe und berufliche Werdegänge sind. Wahrscheinlich kommt dann so etwas dabei heraus wie beim Justizminister Buschmann, der zum „May the 4th“ ein Bild mit Grogu, den er dann noch als Yoda fehlbezeichnete, hochgeladen hat – das war wirklich megacringe. (Heiterkeit von Sven Werner Tritschler [AfD] und Zacharias Schalley [AfD]) Was soll als Nächstes kommen? Tänze bei TikTok, vielleicht ein kesser Twitch-Stream? Man kann nur Schlimmes vermuten, wenn sich die Regierung tatsächlich an junge Menschen wenden möchte. So bleibt es wie so oft: Politik baut Wolkenschlösser, Handwerker und Ingenieure bauen die Welt. Wir sind für mehr Ausbildung und MINT-Berufe. Wer das möchte, wählt die AfD. In diesem Sinne: Möge die Macht mit Ihnen sein. (Beifall von der AfD) Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass die duale Ausbildung ein großer Schatz ist, den wir in Deutschland haben, ist hier im Parlament Konsens, und das wird in vielen Reden – manchmal auch sonntags – von allen betont. Das ist auch gut so. Ich möchte gerne zu dem kommen, was wir machen, damit mehr Menschen die Welt der dualen Ausbildung kennenlernen. In meinem Job geht es nicht darum, die Menschen zu überreden, in die duale Ausbildung zu gehen, sondern mir geht es darum, dass man die Welt der dualen Ausbildung kennt, wenn man seine Berufsentscheidung trifft, um dann für sich die richtige Entscheidung treffen zu können. Einen Beruf zu haben, der einem liegt, hat viel mit dem Gelingen eines Menschenlebens zu tun. Da sind wir in den letzten Jahren sehr viel weitergekommen. Heute werden die Schülerinnen und Schüler über ihre Elternhäuser nicht mehr so stark mit der Welt der dualen Ausbildung konfrontiert, wie es früher war. Deswegen müssen wir hier große Anstrengungen unternehmen. Der Länderbericht der Bertelsmann Stiftung besagt, dass wir 33.000 weniger Leute in der dualen Ausbildung haben als 2011. Es wäre auch ganz schön gewesen, wenn sie dazugeschrieben hätten, dass die Schülerzahlen in dem gleichen Zeitraum von fast 2,8 Millionen auf 2,4 Millionen gesunken sind. Es verlassen also auch wesentlich kleinere Jahrgänge unsere Schulen, und es stellt sich weniger Menschen die Frage nach der Berufsorientierung, als das noch vor elf Jahren der Fall war. Landtag Ich bin auf jeden Fall sehr froh darüber, dass wir in diesem Jahr zum ersten Mal mehr unterschriebene Ausbildungsverträge in Nordrhein-Westfalen haben als Leute, die ein Studium beginnen. Es ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass mehr junge Leute einen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben, als es Einschreibungen an einer Universität oder an einer Fachhochschule gibt. Um Ihnen die genauen Zahlen zu nennen: Wir haben 105.198 begonnene Ausbildungsverträge und 103.699 Studieneinträge. Das macht deutlich, dass das, was der Ausbildungskonsens in Nordrhein-Westfalen seit vielen Jahren umsetzt, nämlich die duale Ausbildung an die allgemeinbildenden Schulen zu bringen, auch Wirkung zeigt. Darüber sollten wir sehr froh sein. Liebe Frau Schneider, wenn Sie sich um den Ausbildungskonsens kümmern würden, dann wüssten Sie auch, dass wir in Nordrhein-Westfalen für alle Bundesländer Instrumente zur Berufswahl entwickelt haben, die flächendeckend eingesetzt werden. Das Bild, das Sie immer zeichnen wollen, das MAGS habe von Digitalisierung keine Ahnung, stimmt nicht. Im Übrigen wird auch die Frage, wie die Ausbildungslöhne ausgestaltet sind, nicht nur über eine Broschüre abgebildet, sondern das ist selbstverständlich auch auf dem elektronischen Weg in unserem Ministerium abrufbar. In einem Land mit 18 Millionen Einwohnern glauben wir nun wirklich nicht, dass wir mit 1.800 Broschüren irgendetwas ausrichten können. Diese gehen eher an die Bildungswerke, weil diese sie nach wie vor in Papierform anfordern. Natürlich werden wir auch KAoA weiterentwickeln, sodass es eine große Rolle auch in den Kanälen der Sozialen Medien spielt. Ich glaube, hier müssen wir auch eine Doppelstrategie verfolgen: Auf der einen Seite müssen wir „in“ sein für die digitale Welt, auch für die sozialen Medien, und auf der anderen Seite müssen wir diejenigen erreichen, die uns am meisten Sorgen bereiten; diejenigen, die zum Beispiel keine abgeschlossenen Bildungsabschlüsse haben und sich zu einer großen Zahl auch in den Warteschleifen der Kreisberufsschulen bzw. der Berufsschulen insgesamt befinden. Auch da werden wir einen großen Schwerpunkt setzen. An vielen Stellen höre ich, dass etwas ganz Altmodisches gut funktioniert, und zwar, wenn Auszubildende selber als Ausbildungsbotschafterinnen und Ausbildungsbotschafter in die Schulklassen gehen und von ihren Berufen, von der Lehre, von der Vielfalt und auch davon erzählen, wie modern mittlerweile viele gewerbliche Berufe in Handwerk und Industrie sind. Das Glück liegt hier nicht nur auf einer Schiene, sondern Gott sei Dank auf mehreren Schienen. Daran wird das Arbeitsministerium kontinuierlich – auch mit unseren Partnern im Ausbildungskonsens – weiterarbeiten. – Schönen Dank. 05.05.2023
