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Lisa-Kristin Kapteinat

SPD 05.05.2023 Sitzungen 18/32

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Ausbildung ist ein super wichtiges Thema, das auch wir als Landtagsfraktion der SPD immer wieder adressieren. Deswegen zunächst herzlichen Dank an die Landtag FDP für diesen Antrag. Eines direkt vorweg: Mit den allermeisten Beschlusspunkten würden wir weitgehend mitgehen. Aber aus unserer Sicht wird bei der Werbung um Auszubildende eine Kampagne für mehr Digitalisierung dem Problem an sich schlicht nicht gerecht. Es braucht so viel mehr, um Schülerinnen und Schüler dafür zu begeistern, in eine Ausbildung zu gehen, eine Ausbildung zu machen, sich dort zu bewerben. Ich habe in der vergangenen Woche ein Handwerksunternehmen besucht. Dort ist ein ganz toller Meister, der mit ganz viel Engagement dabei war, der mir aber auch berichtet hat, dass eine seiner ersten Auszubildenden eine Frau, ein junges Mädchen war, das vorher bereits fünf Praktika im handwerklichen Bereich gemacht hat. Sie hatte ein tolles Realschulzeugnis und 52 Bewerbungen geschrieben, die zurückgekommen sind. Auf zwei Zetteln stand noch: „Achtung, Mädchen!“ bzw. „Achtung, Frau!“. Dieses Beispiel hat mir sehr deutlich gemacht: Wir müssen nicht nur und in allererster Linie eine Kampagne für die Schülerinnen und Schüler und für die potenziellen Azubis fahren, sondern wir müssen auch noch ganz viel bei unseren Ausbildungsbetrieben nachsteuern. (Beifall von der SPD) Es geht auch darum, dass hier Generationen zueinanderfinden müssen und dass man ein Verständnis füreinander entwickeln muss, wie gute Arbeit und gute Ausbildung aussehen kann. Es gibt auch im digitalen Bereich bereits tolle Kampagnen. Ich möchte beispielsweise auf den Instagram-Account E-Zubis verweisen, der es aus meiner Sicht sehr gut schafft, junge Menschen anzusprechen, ohne dabei cringe oder sonst wie zu wirken. Darüber hinaus kann die allerbeste Kampagne aber auch nur so gut sein, wie das Produkt, für das sie wirbt. Daher haben wir eine ganz dringende Bitte: Wir alle zusammen müssen hier im Parlament an den bekannten Stellschrauben drehen, um auf politischer Basis dabei zu unterstützen, dass Ausbildungsbedingungen besser werden – die Bedingungen und die Vergütung. (Vereinzelt Beifall von der SPD) Die Ausbildungsgarantie – wir diskutieren sie zurzeit im Bund – ist nur ein Beispiel. Wir brauchen sie dringend, um für eine gewisse Sicherheit zu sorgen. Ein weiteres Beispiel, das helfen kann, ist die Erfahrung, etwas Praktisches zu machen. Unser Schulleben ist aber sehr darauf ausgerichtet, sich theoretisch etwas anzueignen; es ist auf die Theorie ausgerichtet. Immer noch gilt es als erstrebenswert, nach dem Abitur zu studieren. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass man in der Schule wieder haptischer ar-05.05.2023 beitet und dass man lernt, wie es ist, wenn man mit den eigenen Händen etwas geschaffen hat. (Vereinzelt Beifall von der SPD) Es ist völlig egal, ob man damit hinterher zu Hause die Eltern glücklich macht, weil man in der Lage ist, die Spülmaschine zu reparieren, oder weil man sich die eigenen kleine Bank für den Garten oder für den Balkon schreinern kann. Diese Erfolgserlebnisse und das Gefühl, tatsächlich etwas zu schaffen, sind es doch, die einen weiterbringen. Das zeigen auch die Erfahrungen beispielsweise beim Girls’ und Boys’Day immer wieder. Ich bin mir sicher, wir werden im Ausschuss noch viele gute Ideen diskutieren und darüber sprechen, wie wir mehr Jugendliche dafür begeistern können, in eine Ausbildung zu gehen, und wie wir dafür sorgen, dass Ausbildungsberufe und Ausbildungsfirmen attraktiver werden. Ich freue mich auf die Debatte. – Herzlichen Dank. (Beifall von der SPD)

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