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Andreas Bialas

SPD 04.05.2023 Sitzungen 18/31

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe AfDlerinnen und AfDler! (Vereinzelt Beifall von der SPD) Vielen Dank für den Antrag und Ihre unmissverständliche Positionierung. Hätten Sie beispielsweise einen Antrag vorgelegt, in welchem Sie sich für eine gendergerechte oder gendersensible Sprache eingesetzt hätten, hätte Sie das möglicherweise ein klein bisschen sympathisch gemacht. Mit Ihrem Antrag und insbesondere mit den Begründungen Ihres Antrags sind Sie aber konsequent weiterhin das, wofür Sie eben stehen: nicht modern, sondern prähistorisch. (Beifall von der SPD) Sie haben es nicht so mit der Zukunft, sondern mehr mit dem Gestern. Sie haben es auch nicht so mit Frauen oder dem fairen und gerechten Umgang der Geschlechter miteinander. Das Handelsblatt hat eine Kampagne: „Erfolg kommt von :innen. – Bereit für neues Denken.“ Das ist nicht so ganz Ihre Welt, und das ist auch gut so; denn so muss ich mein Bild von Ihnen zum Glück nicht ändern. (Heiterkeit von Kirsten Stich [SPD]) Liebe AfDlerinnen und AfDler, ich gebe Ihnen in einem Punkt sogar recht: Es wird wahrscheinlich nie eine endgültig diskriminierungsfreie und alle miteinbeziehende Sprache geben, die ästhetischen Kriterien entspricht und verständlich bleibt. Aber das wäre auch das Extrem, das kaum jemand anstrebt, weshalb man es nicht als einzige Alternative als Schreckensbild an die Wand malen muss. Wir leben nicht in einem Vakuum, wir leben nicht in einer allein von der Biologie determinierten Natur. Wir leben in sozialen Konstrukten, in einer von uns geschaffenen und daher nicht idealen, sondern zum Teil sehr ungerechten Kultur. Eine der größten Ungerechtigkeiten ist die jahrtausendealte Unterdrückung der Frauen, und die ist noch lange nicht überwunden. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Natürlich beeinflusst die Sprache das Denken und Handeln. Das generische Maskulinum wurde eben 04.05.2023 nicht geschaffen, um eine Welt zu beschreiben, in der Frauen gleichberechtigt mitgemeint sind, sondern um eine Welt zu bilden, in der Frauen marginalisiert werden, keine Rolle spielen und keine Rolle spielen sollen. (Ralf Witzel [FDP]: Nein! – Zuruf von der AfD: Unsinn!) Ist das fair? Ich glaube nicht. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Es wäre fairer, wenn man erstens begreift, dass Sprache ein Herrschaftsmittel sein kann, und wenn man zweitens auf den Stachel der Exklusion verzichtet. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Nicht das Sternchen ist das Problem, die Verhältnisse sind es. Daher stellt sich die Frage: Warum wollen wir die Welt nicht gemeinsam, ohne großen Aufwand täglich ein bisschen besser machen? Ich kann mich nur freuen, wenn der WDR dabei eine aktive Rolle spielt. Sie haben mit Ihrem Antrag klargemacht, dass Sie nicht dabei sind. Damit bleiben Sie sich zumindest konsequent treu. (Beifall von der SPD – Heiterkeit von Angela Freimuth [FDP]) Als Gesellschaft, insbesondere als Mann in der Gesellschaft, kann man Folgendes tun: Man kann sich ein klein wenig bemühen, um die große bisher unausgesprochene und unangesprochene Gruppe der Frauen in die täglich genutzte Sprache einzubinden, sie mitzunehmen, sie sprachlich wahrzunehmen. Das ist nicht viel Arbeit; das ist relativ leicht. Wenn man sich nur ein klein wenig anstrengt, kann man so viel gerechter und/oder sensibler sprechen. Es gibt keinen vernünftigen, keinen warmherzigen Grund, dies nicht zu wollen. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN) Als Gesellschaft, insbesondere als Mann in der Gesellschaft, kann man Folgendes tun: Man muss nicht mitmachen, man kann aber darauf verzichten, den Versuch des Einbindens bisher ausgeschlossener Gruppen in die Nutzung der Sprache der Lächerlichkeit preiszugeben (Dr. Hartmut Beucker [AfD]: Aber wenn er lä- cherlich ist?) oder gar mittels Gesetzentwürfen zu verhindern. Sie wollen verhindern, der WDR eben nicht; der will öffnen. Darüber bin ich froh, denn es zeigt mir, dass ich in einem lebens- und liebenswerten Land leben darf. Daher finde ich den WDR sympathisch und Sie eben nicht. (Beifall von der SPD – Heiterkeit von Elisabeth Müller-Witt [SPD]) Landtag Ich darf noch eine Frage aufwerfen: Wollen wir in Deutschland eine Sprache, die nur recht schlicht und einfach ist, oder eine, die differenzieren kann, die reich ist, die vielfältig ist und die die Vielfältigkeit der Realität gut abbilden kann? (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Gerade die von mir so geliebte deutsche Sprache ist dazu in der Lage, und sie bleibt meistens sogar noch schön dabei. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Liebe AfDlerinnen und AfDler, ich darf Ihnen aufgrund meiner oben angeführten Dankbarkeit im Gegenzug ein wenig Ihre Ängste nehmen: Das Abendland geht durch die Nutzung einer gendersensiblen Sprache nicht unter. Es drohen auch kein Armageddon, kein links-feministisch-ideologischer WDR und kein Matriarchat. Übrigens: Frauen sind so viel anständiger als wir Männer. Sie wollen nicht die Herrschaftsverhältnisse umdrehen, wollen nicht plötzlich die Macht, wollen nicht Herr sein, sondern nur Folgendes: (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Sie wollen den Platz, der ihnen natürlicherweise zusteht und der ihnen bislang durch männlich dominierte soziale Geflechte und einer durch das Patriarchat als Machtmittel genutzten Sprache weggenommen wurde – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Sven Werner Tritschler [AfD]: Das ist Mans- plaining, was Sie da machen!)

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