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Franziska Müller-Rech

FDP 04.05.2023 Sitzungen 18/31

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unterrichtsausfall und Lehrkräftemangel – das sind die größten Herausforderungen für die Schulen in unserem Land. Sie haben massive Konsequenzen auf den Alltag von Schülerinnen und Schülern, von Lernkräften und bestimmen diesen leider maßgeblich mit. Zu dem Kampf gegen den Lehrermangel, den wir seit vielen Jahren führen, ist jetzt ein massives Problem hinzugekommen: Wir brauchen nicht nur mehr Lehrer, die wir in die Schulen hineinbringen, sondern wir müssen jetzt auch dafür sorgen, dass sie überhaupt an den Schulen bleiben. Allein im vergangenen Jahr 2022 haben rund 800 Menschen den Schuldienst in Nordrhein-Westfalen aufgegeben, darunter 286 verbeamtete Lehrkräfte. Die Zahl der Kündigungen hat sich in zehn Jahren verdreifacht. Diese Zahlen sind für uns alle alarmierend. Bei immer mehr Lehrkräften überwiegt inzwischen leider der Frust die Leidenschaft, Schülerinnen und Schüler zu begleiten und ihnen Wissen zu vermitteln. Lehrkräfte nehmen erhebliche finanzielle Einbußen in Kauf, um woanders ein neues berufliches Glück zu finden, statt in den Schulen zu bleiben. Im Gespräch mit diesen ehemaligen Lehrkräften erfährt man übrigens auch, dass die Kündigungen ohne Hinterfragen der Gründe vom Dienstherrn einfach hingenommen werden. Das ist schlechtes Personalmanagement. Wie sollen wir aus den Kündigungen lernen und sie künftig verhindern, wenn sie sich nicht einmal die Mühe machen, nach den Landtag Gründen zu fragen? Das alles ist richtig bitter. Meine Damen und Herren, wir müssen dringend dafür sorgen, dass aus dem Traumjob „Lehrer“ kein Alptraum wird. (Beifall von der FDP) Augenscheinlich haben Sie, Frau Ministerin, den Ernst der Lage noch immer nicht erkannt; denn Sie bringen Maßnahmen auf den Weg, die nur auf den ersten hastigen Laienblick gut klingen mögen. Beim genaueren Hinsehen werden aber Ihre Maßnahmen nicht für mehr Unterricht, sondern für mehr Belastung bei den Lehrkräften sorgen. Wir Freie Demokraten kritisieren insbesondere die unfreiwilligen Abordnungen bis zu 50 km vom Wohnort entfernt und die Einschränkungen der Teilzeitmöglichkeiten für Lehrkräfte. Frau Ministerin, haben Sie sich in letzter Zeit mal die Stellenausschreibungen in der freien Wirtschaft angesehen? Ich schon, die Gründe dafür sind bekannt. Darin wird geworben mit mobilem Arbeiten, Teilzeitmöglichkeiten, flexiblen Arbeitszeiten, leistungsorientierter Vergütung, Workations, Sabbaticals, moderner IT-Ausstattung, ansprechenden Arbeitsplätzen und vielem mehr. Die Luft wird dünn, wenn der öffentliche Dienst im Wettbewerb um Fachkräfte mithalten möchte. Viele Vorzüge der freien Wirtschaft kann der Lehrerberuf nicht erfüllen. Das liegt ein Stück weit in der Natur der Sache. Flexible Arbeitszeiten passen zum Beispiel nicht zu Stundenplänen. Das sehe ich ein. Aber Sie nehmen dem Lehrerberuf durch die Zwangsversetzungen und Einschränkungen der Teilzeit wichtige Faktoren zur Attraktivitätssteigerung des Arbeitsplatzes weg. Frau Ministerin, es ist unsere Pflicht und Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Lehrerberuf wieder zum Traumjob wird und nicht zum Alptraum. (Beifall von der FDP) Mit solchen Maßnahmen wird das allerdings nichts. Deswegen machen wir heute mit unserem Antrag ein Angebot zum Umsteuern. Da wir im Ausschuss ausführlich über alle Forderungen diskutieren, möchte ich heute rein exemplarisch drei Forderungen hervorheben, um den Lehrerberuf wieder attraktiv zu machen. Erstens fordern wir, dass die Landesregierung ihr Maßnahmenpaket zur Bekämpfung des Lehrermangels umgehend überarbeitet. Unsere Lehrkräfte und ihre Arbeit brauchen dringend mehr Wertschätzung. Wir hatten in einer Kleinen Anfrage die Schulministerin gefragt, wie viele Teilzeitanträge in den letzten Jahren gestellt worden sind. Antwort: Wissen wir nicht. – Dann haben wir gefragt: Aus welchen Gründen beantragen die Lehrkräfte Teilzeit? – Antwort: Wissen wir nicht. – Und wir fragten noch: Wollen Sie denn künftig die Gründe für die Teilzeit erheben? Antwort: Wollen wir nicht. 04.05.2023 Frau Ministerin, warum wollen Sie das nicht? Wieso haben Sie in dieser Krisenlage so wenig Interesse an der Motivation Ihrer Lehrkräfte, an ihrem Alltag, an ihren Lebenswelten? Ihre Lehrkräfte brauchen dringend mehr Wertschätzung von ihrer Chefin, und Sie müssen Ihren Lehrkräften zuhören und lernen, was sie bewegt. (Beifall von der FDP) Zweitens sind wir Freie Demokraten fest davon überzeugt, dass ein moderner und zeitgemäßer Arbeitsplatz dafür sorgt, dass Lehrkräfte ihrem einstigen Traumjob nicht den Rücken kehren werden, sondern bleiben. Daher braucht es Veränderungen an den Schulen in Nordrhein-Westfalen. Die größte Entlastung für Lehrkräfte sind mehr Kolleginnen und Kollegen, und zwar nicht nur grundständig ausgebildete Lehrkräfte, sondern auch Vertretungslehrer, multiprofessionelle Teams und Quereinsteiger. Insbesondere damit Quereinsteiger zum Beispiel aus der Wirtschaft in die Schulen kommen, brauchen sie aber Anreize. Wir fordern zum Beispiel eine wettbewerbsfähige Besoldung, damit nicht finanzielle Gründe diesen Quereinstieg verhindern. Drittens fordern wir die Landesregierung auf, die Schulautonomie zu stärken und den Schulen mehr pädagogische, personelle und finanzielle Freiheiten zu geben. Die Bedarfe der Schulen sind genauso vielfältig wie die Schulstandorte der 6.000 Schulen, und mit mehr selbstverwaltetem Budget und mehr Entscheidungsfreiheit zum Beispiel für das Personal kann jede Schulleitung viel schneller eine passgenaue Unterstützung bekommen. Wir Freie Demokraten sind fest davon überzeugt, dass die Schulen vor Ort gerade in diesen herausfordernden Zeiten am besten wissen, was und wen sie brauchen. (Beifall von der FDP) Noch einmal: Es ist unsere Pflicht und Aufgabe, genau mit solchen Maßnahmen dafür zu sorgen, dass der Lehrerberuf wieder zum Traumjob und nicht zum Albtraum wird. Mehr Arbeitsplatzattraktivität und mehr Wertschätzung für unsere Lehrkräfte sind die Faktoren, mit denen wir die Schulen unterstützen können. Die Lehrerinnen und Lehrer leisten jeden Tag eine hervorragende Arbeit für die Kinder, die ihnen anvertraut sind. Wir schulden es diesen Lehrkräften, als Parlament die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, damit ihr Job wieder zum Traumjob wird und sie nicht bereuen, Lehrer geworden zu sein, und dann entnervt den Schuldienst quittieren. Meine Damen und Herren, ich möchte zum Schluss den ehemaligen amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower zitieren, der sagte: Motivation ist die Landtag Kunst, Leute dazu zu bringen, das zu tun, was du willst, weil sie es tun wollen. Meine Damen und Herren, genau das wünsche ich mir in Nordrhein-Westfalen für unsere Lehrkräfte. Ich freue mich sehr auf die Debatte im Schulausschuss. (Beifall von der FDP und Jochen Ott [SPD])

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