Matthias Goeken
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In unserem bevölkerungsreichen Land Nordrhein-Westfalen besteht täglich ein großer Energiebedarf. Um auch Landtag zukünftig über genügend Energie zu verfügen, müssen wir die Energiewende weiter vorantreiben. Der grausame Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine zeigt uns täglich, wie wichtig eine Unabhängigkeit von externen Energielieferanten ist. Zudem müssen wir den Transformationsprozess hin zur Klimaneutralität weiter vorantreiben. Genau für diesen Transformationsprozess benötigen wir den handwerklichen und industriellen Mittelstand; denn nur Personen, die über eine große fachliche Expertise verfügen, können Geräte zur Energiegewinnung wie zum Beispiel eine Pelletheizung, eine Solaranlage oder eine Wärmepumpe installieren und auch künftig warten. Wir haben in NRW zahlreiche Handwerksbetriebe, die Tag für Tag hervorragende Arbeit leisten und damit den Wohlstand in unserer Gesellschaft sichern. In der Regel ist ein Handwerker schnell zur Stelle. Bei einigen Handwerksleistungen liegt die Wartezeit schon jetzt bei ca. 10 bis 14 Wochen oder teilweise darüber. Die Ursache hierfür liegt eindeutig beim Fachkräftemangel. Wir haben zu wenig Handwerkerinnen und Handwerker und eine zu hohe Auftragslage zu bedienen. Daher wird uns das Thema „Fachkräftemangel“ auch zukünftig noch lange begleiten. Nicht nur im Handwerk fehlen die Fachkräfte. Insgesamt sind laut Bundesagentur für Arbeit aktuell noch 60.000 Ausbildungsplätze in NRW für das Jahr 2023 zu besetzen. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auf Ausbildungsstellen nimmt zudem leider weiter ab. In diesem Jahr sind es 3,6 % weniger als im Vorjahr. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass sich wieder mehr junge Menschen für eine duale Ausbildung entscheiden. Dies können wir nur erreichen, indem wir die Attraktivität der Ausbildung weiter stärken, die Kooperation der verschiedenen Lehrorte intensivieren und die digitale und energetische Ausstattung der Bildungseinrichtungen vorantreiben. Außerdem muss es eine Absicherung von Fachklassen geben; denn der Weg zur Berufsschule darf nicht zu weit sein, vor allen Dingen im ländlichen Raum. Ansonsten verlieren wir weiter Bewerber. Auch Kinder müssen möglichst früh die verschiedenen Berufsfelder kennen lernen, um das Interesse für einen handwerklichen Beruf schon frühzeitig zu wecken. Darüber hinaus müssen wir dafür sorgen, dass die Berufswahl nicht vom Geschlecht abhängig gemacht wird und dass alle Berufe allen Menschen offenstehen. Dies sollte Kinder und Jugendlichen schon früh vermittelt werden. Die duale Ausbildung bietet eine sehr gute Möglichkeit, um Qualifikationen insbesondere im Bereich der Wärme- und Energiewende zu erwerben. Die Absol-03.05.2023 venten können dadurch einen wichtigen Beitrag zum Transformationsprozess der Energiewende leisten. Durch Qualifikation und Weiterbildung muss zudem der Einstieg für Quereinsteiger ermöglicht werden. Darüber hinaus ist es wichtig, dass wir auch eingewanderte Mitbürgerinnen und Mitbürgern beispielsweise durch Sprachkurse dazu befähigen, schnell eine Ausbildung beginnen zu können. Zudem müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden, um einen schnelleren Einstieg in eine Ausbildung in unserem Land zu ermöglichen. Dies ist unter anderem durch schnellere Visaverfahren und durch die Beschleunigung von Anerkennungsverfahren möglich. Gleiches gilt für die Anträge auf die Berufsanerkennung. Auch hierbei lautet die Devise: vereinfachen, beschleunigen und entbürokratisieren. Zudem muss es eine Erleichterung für die Betriebe geben, um auch Ausbildungsverträge mit geduldeten Personen abzuschließen und ihnen eine daran anknüpfende Beschäftigungsperspektive zu eröffnen. Die 3+2-Regelung ist ein erster Schritt. Ziel muss es sein, dass geduldeten Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung eine dauerhafte Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung erteilt wird. Auch das Anwerben und die Integration von Arbeitsund Fachkräften müssen erleichtert werden. Hierfür müssen die Beratungsangebote ausgebaut und muss weiterhin für die Akzeptanz ausländischer Arbeits- und Fachkräfte geworben werden. Wichtig ist hierbei auch die Beschleunigung der Anerkennungsverfahren und die Gewährleistung einer Verfahrenssicherheit für die Unternehmen und Ausbilder. Um die Unternehmen zu entlasten und um optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, müssen außerdem weiterhin übermäßige Bürokratieanforderungen gestrichen werden. Um die Herausforderungen auf dem Weg zur Klimaneutralität zu meistern, müssen sich die Unternehmen an neue Gegebenheiten anpassen. Innovative Produkte und Dienstleistungen erfordern technisches Know-how und müssen bereitgestellt werden, um eingesetzt werden zu können. Hierfür wird es erforderlich sein, dass ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Qualifikations- und Weiterbildungsmaßnahmen nutzen können. Wir können auch in Zukunft nicht auf die Ausbildungsberufe verzichten; denn wir benötigen die Expertise aller Fachkräfte. Daher müssen wir alles Notwendige dafür tun, um die Ausbildungsberufe weiter zu stärken und wieder mehr Menschen für die Ausbildung zu begeistern. Eine echte Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung muss unser Ziel sein. Daher bitten wir um Unterstützung für unseren Antrag. – Herzlichen Dank. Landtag (Beifall von der CDU und Norika Creuzmann [GRÜNE])
