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Prof. Dr. Daniel Zerbin

AfD 03.05.2023 Sitzungen 18/30

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche. Dieses Zitat von Jean Jaurès ist so aktuell wie nie. Seit 1907 – mit Unterbrechung – heißt die Universität in Münster Westfälische Wilhelms-Universität. Sie hieß im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, in der NS-Zeit sowie in der Bonner und Berliner Republik so. Jetzt soll sie aber umbenannt werden. Wie kommt es dazu? Waren frühere Generationen weniger empathisch, waren sie dümmer oder ist jetzt gerade die woke Krönung der Schöpfung an der Macht, die alles besser weiß? Zur Wahrheit gehört dazu, dass das Thema schon in den 80er und 90er Jahren diskutiert wurde. 1997 gab es eine offizielle Kommission dazu, die auch zu einem Ergebnis gekommen ist. Das Ergebnis war, dass die Person Wilhelm II. politisch problematisch ist. Nichtsdestotrotz ist ihre Tilgung aber unhistorisch. Man sollte den Namen vielmehr, so die Kommission, zum Anlass für eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Tradition nehmen. Eine sehr vernünftige Einschätzung. Wer war Friedrich Wilhelm II.? Letzter Kaiser von Deutschland und König von Preußen. Er muss jetzt für alles Böse des 20. Jahrhunderts herhalten. Mit anderen Monarchen und Ländern geht man viel weniger kritisch um – beispielsweise mit dem englischen König. So etwas gibt es noch im 21. Jahrhundert. Vor Kurzem hat man ihm in Deutschland einen roten Teppich ausgerollt, Straßen gesperrt und Bahnhöfe abgesperrt, damit der Hochwohlgeborene nicht bei Rot an der Ampel warten muss – zuletzt Ende März in Berlin und Hamburg. SPD-Spitzenpolitiker waren vorne dabei und haben Beifall geklatscht. Wilhelm war sicherlich kein lupenreiner Demokrat, um im SPD-Jargon zu bleiben. Man muss ehrlich sagen, dass es um die Person Wilhelm eigentlich nicht geht. Vielmehr geht es um das Prinzip „Cancel Culture“. Man kann die Vergangenheit nicht mit den moralischen Vorstellungen der Gegenwart beurteilen. In Wirklichkeit sind die Motive nämlich andere. Es geht um egoistische Selbst-Landtag erhöhung. Der Zeitgeist soll mit der Tradition gleichgestellt werden. Die Diskussion ist nicht objektiv, sondern holzschnittartig und emotional. Die Initiative zur Umbenennung startete 2014 in der örtlichen jungsozialistischen Hochschulgruppe. 2018 wurde sie weiter im Senat behandelt. Das Ergebnis kennen wir jetzt. Die Umbenennung der Westfälischen Wilhelms-Universität ist allerdings nur ein Baustein einer dekadenten Entwicklung der Bilderstürmerei. Straßen werden umbenannt. Das Bismarck-Zimmer im Auswärtigen Amt darf nicht mehr so heißen. Die Kreuze im historischen Friedenssaal in Münster werden abgehängt. Der Höhepunkt ist jetzt, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nicht mehr so heißen darf. Frau Claudia Roth, die Staatsministerin für Kultur und Medien, hat das auf ihre Agenda geschrieben. Eine ehemalige Managerin einer bankrottgegangenen Punkband ist jetzt für das kulturelle Erbe Preußens verantwortlich. Gute Nacht Deutschland! (Beifall von der AfD und Dr. Christian Blex [fraktionslos]) Frau Ministerin, ich hoffe, Sie zeigen Rückgrat und lassen das nicht zu. Preußen und das Deutsche Reich waren nicht Mordor. Neben starker Unterstreichung des Militärischen standen Preußen und das Deutsche Reich auch für Kunst und Wissenschaft. Die Epoche zwischen 1871 und 1914 war wirtschaftlich erfolgreich. Weltberühmte Wissenschaftler wie Conrad Röntgen, Robert Koch oder Max Planck entstammen dieser Ära. Und: Deutschland war in dieser Zeit die Apotheke Europas. Wir haben heute Morgen in der Aktuellen Stunde darüber diskutiert, dass Medikamente fehlen. Hier in Deutschland in dieser Zeit sind sie erfunden worden, unter anderem. Ich möchte es noch mal ganz klar und deutlich sagen: Wir als AfD stehen für Basisdemokratie und nicht für Monarchie. Wir wollen aber keine strukturelle Nestbeschmutzung und fanatische Bilderstürmerei. Wir wollen auch keine DDR-Demokratie, wo man Kreuze von der Wand hängt und der Opposition den Geheimdienst auf den Hals hetzt. Das wollen wir nicht. (Beifall von der AfD) Tradition und Kultur und Geschichte sind der soziale Kitt der Gesellschaft – Herr Präsident, ich komme langsam zum Ende –, alles andere sind traditionsentleerte Mondlandschaften, die von allein verfallen. Den Vorgeschmack der schönen neuen Welt können wir tagtäglich erleben. Immer neue Messerangriffe oder Ausschreitungen zu Kulturtagen wie Silvester sind schon alltäglich. Aus der kulturellen deutschen Asche wird kein Phönix aufsteigen, sondern höchstens der Halbmond. Jetzt wünsche ich Ihnen viel Spaß beim AfD-Bashing. – Vielen Dank. 03.05.2023 (Beifall von der AfD)

Protokoll ↗