Dr. Christian Untrieser
Vielen Dank. – Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! In der Tat ruht unter unseren Füßen ein Schatz. Nordrhein-Westfalen hat gute Voraussetzungen, in der Geothermie voranzukommen. Lieber Kollege Brockes, wer jetzt zuerst einen Antrag vorgelegt hat, kann man diskutieren. In jedem Fall ist unser Koalitionsvertrag aber schon viel älter; er ist fast ein Jahr alt. Darin haben wir den Bereich „Geothermie“ bereits beschrieben, und es kommt heute folgerichtig zu diesem Antrag. Geothermie ist ein ganz wichtiges Thema, vor allem, wenn wir uns vor Augen führen, dass 40 % unserer CO -Emissionen aus dem Wärmebereich kommen. Daran erkennt man auch, dass es mit dem klima-03.05.2023 neutralen Industrieland Nordrhein-Westfalen bis 2045 nichts wird, wenn wir den Wärmebereich nicht mutig angehen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir diese Schritte jetzt gehen. Die Geothermie hat sehr viele Vorteile. Ein paar davon möchte ich nennen, obwohl sie zum Teil schon angesprochen wurden. Die Geothermie ist eine nahezu unerschöpfliche Quelle. Wenn ich das Wasser, das in großer Tiefe lagert, anzapfe und nach oben leite, dann kann ich dieses warme oder vielleicht sogar heiße Wasser, wenn ich es wieder herunterleite, sozusagen unerschöpflich als Wärmequelle nutzen. Diese Quelle versiegt nicht. Die Geothermie ist auch ein heimischer Energieträger. Man muss nicht Kohle, Gas oder andere Energieträger aus anderen Weltregionen nach Nordrhein-Westfalen bringen, sondern es liegt, wie gesagt, eine heimische, sichere Energiequelle unter unseren Füßen. Die Geothermie ist vor allem auch eine CO -neutrale Energiequelle. Das ist für unsere Klimaschutzziele ganz wichtig. Wichtig ist auch, dass es mittlerweile eine sehr wirtschaftliche Möglichkeit ist, Wärme bereitzustellen. Wir sehen das beispielsweise in vielen Projekten, die es in Deutschland schon gibt. Im Süden der Republik ist man oft schon weiter. Dort gibt es viele Anlagen. Dort sprechen wir von ca. 30 Euro Erzeugungskosten pro Megawattstunde. Vergleichen Sie das einmal mit aktuellen Gaspreisen und aktuellen Ölpreisen! Wenn ich einmal eine Anlage gebaut habe, dann ist es eine wunderbare wirtschaftliche Möglichkeit, Wärme zu erzeugen. Nordrhein-Westfalen hat des Weiteren ganz tolle Voraussetzungen – nicht nur, weil wahrscheinlich der Untergrund warm ist, sondern weil wir auch schon viel Infrastruktur haben. Wir haben hier die großen Ballungsräume; wir haben die großen Wärmenetze. Viele Stadtwerke und andere Energieversorgungsunternehmen sind in der Lage, eine neue Wärmequelle auch in die Netze einzuspeisen. Neben den kommunalen Wärmenetzen ist natürlich auch die industrielle Nutzung in Nordrhein-Westfalen von besonderer Relevanz: Gartenbau, Nahrungsmittelindustrie, Metallbau, Chemieindustrie, Kunststoffindustrie usw. – viele industrielle Verbraucher benötigen Wärme, und die kann zukünftig aus Geothermie bereitgestellt werden und nicht mehr, wie aktuell, aus Gas oder Öl. Unser Problem ist: Wir haben diesen Schatz, aber oft ist es so, dass wir den Untergrund gar nicht so gut kennen. Da ist uns ein anderer Nachbar voraus: Die Niederlande haben ihren Untergrund schon wesentlich besser untersucht und mithilfe dieser Daten-Landtag kenntnis auch schon mehrere Projekte angehen können. Wir müssen also in Nordrhein-Westfalen viel besser den Untergrund untersuchen und sind in der Vergangenheit auch schon vorangegangen. Denn das Land hat durch den Geologischen Dienst mindestens zwei sehr große Projekte gemacht: einmal das Projekt „Seismik Münsterland“, in dem für Münster und Umgebung ein umfassendes zweidimensionales Bild erstellt worden ist, und in jüngerer Zeit das Projekt „Seismik Rheinland“, das zwischen Düsseldorf/Duisburg und Krefeld und dem Kreis Viersen stattgefunden hat. Auch dort wurde nach geothermischen Potenzialen gesucht. Unsere Aufgabe ist es jetzt, weiterzusuchen – dazu fordern wir die Landesregierung in unserem Antrag auf –, damit noch mehr Player, egal ob Industrie, Stadtwerke oder Energieversorger, wissen: Dort im Untergrund ist etwas, das ich anzapfen kann, und damit kann ich einen guten Schritt für die Wärmewende machen. Wir müssen aber auch das Risiko begrenzen. Denn wenn ein kleines Stadtwerk eine Probebohrung macht, kostet das sehr viel Geld. Das kostet schon einmal mehrere Millionen Euro. (Zuruf von Christian Loose [AfD]) Gerade kleine Versorger scheuen das Risiko, wenn Ihnen dieses Risiko nicht abgenommen wird. Wir können mit Mitteln arbeiten, die das Fündigkeitsrisiko begrenzen. Da ist allerdings auch der Bundesgesetzgeber in der Pflicht. Er hat auch etwas angekündigt, und ich hoffe, dass es da weitergeht. Wir müssen auch all das beschleunigen, was in Genehmigungsverfahren beschleunigt werden kann.
