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Raphael Tigges

CDU 30.03.2023 Sitzungen 18/28

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vielen Dank, Frau Siebel, dass Sie gerade versucht haben, den Antrag zu begründen. Ehrlich gesagt bin ich aber nicht schlauer geworden, was Sie damit eigentlich bezwecken wollen. (Zuruf von der SPD: Das liegt aber nicht an Frau Siebel!) Sie stellen in Ihrem Antrag zum einen fest, dass die Ursache für die Probleme beim Studienstart im Schulsystem liegen, adressieren aber die Vorschläge im Forderungsteil bis auf einen einzigen Punkt nur an den Hochschulbereich. Sie fordern einen Masterplan für den Übergang von der Schule in den Beruf, stellen aber eigentlich mit Ihrem Antrag das Schulsystem gänzlich infrage und sprechen den Schulen – so habe ich es zumindest verstanden – die Kompetenz ab, diese Übergänge vorbereiten zu können. Landtag Dann fordern Sie, die Hochschulen – das haben Sie zum Schluss gesagt – an die Bedürfnisse der Studierenden anzupassen. Was denn jetzt? Wollen Sie die Studierfähigkeit der Schulabsolventen verbessern, oder wollen Sie die Hochschullehre an das anpassen, was aus dem Schulsystem kommt? Das ist aufgrund der Freiheit von Forschung und Lehre nicht so einfach möglich. Was mich auch gestört hat: Im ersten Absatz suggerieren Sie, dass alle Schülerinnen und Schüler – egal, welche Voraussetzungen sie haben und an welcher Schulform sie sind – studierfähig sein müssen. Sollte das wirklich unser Ziel sein? In NRW verfügen wir über eine vielfältige Schullandschaft mit unterschiedlicher Ausprägung und dem Ziel, Kinder und Jugendliche auf das weitere Leben vorzubereiten – egal, ob für ein Studium oder für eine Ausbildung. Das wird von uns gleichwertig anerkannt, und beides muss möglich sein. Hier setzt die Zukunftskoalition auch an. Uns ist es wichtig, die Schulvielfalt zu bewahren und allen jungen Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die gleichen Chancen auf Bildung zu ermöglichen. Vielleicht noch eines: Tun Sie mir den Gefallen, und lassen Sie den Begriff der Bildungskatastrophe weg. Die reden Sie doch mit diesen Anträgen und der immer wieder vorgetragenen Diktion herbei. (Jochen Ott [SPD]: Nehmen Sie doch einfach mal die Wirklichkeit wahr! Das ist die Wirklich- keit!) Mit dieser Begrifflichkeit demotivieren und diskreditieren Sie alle, die in unseren Schulen engagiert und motiviert arbeiten, die dort qualifiziert tätig sind. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Das geht doch nicht. Bei allem Verständnis für die aktuellen Probleme haben wir in NRW doch ein funktionierendes Bildungssystem, Herr Ott. (Jochen Ott [SPD]: Sie blenden die Wirklich- keit aus! Das ist traurig!) Wir haben hervorragende Pädagogen. Wir haben hervorragende Mitarbeitende an den Schulen, die sich jeden Tag sehr motiviert und engagiert für unsere Kinder einsetzen. (Jochen Ott [SPD]: Wenn sie das nicht täten, wäre es noch schlimmer!) – Im Übrigen, Herr Ott, haben wir mit unseren Gebäuden und Ausstattung der Schulen auch eine hervorragende Bildungsinfrastruktur in unserem Land. (Jochen Ott [SPD]: Lesen Sie mal die Zeitung der letzten drei Jahre!) Wenn Sie das einmal mit anderen Ländern vergleichen, wo der Zugang für junge Menschen ins Bildungssystem nicht gegeben ist, 30.03.2023 (Jochen Ott [SPD]: Ich bin 1974 geboren! Tut mir leid!) dann ist es doch hanebüchen und vermessen, hier von einer Katastrophe zu sprechen. (Jochen Ott [SPD]: Komisch, in allen gängigen Tageszeitungen jede Woche ein Bericht!) An dieser Stelle müssen Sie, Herr Ott, vielleicht auch mal ehrlich zu sich selbst sein. Der Lehrkräftemangel ist nicht über Nacht entstanden. Bis 2017, Herr Ott, liebe Kollegen von der SPD, haben Sie rein gar nichts getan, um die von Ihnen angesprochenen Probleme zu beheben. Seit 2017 kümmern wir uns konsequent Stück für Stück darum, den Mangel abzubauen. Wir haben mittlerweile 195.000 Lehrkräfte in unserem Bildungssystem, so viele Menschen wie nie zuvor. Frau Siebel, Ihnen scheint entgangen zu sein, dass wir in den letzten Wochen und Monaten bereits mehrere Anträge hier im Plenum miteinander diskutiert haben, die sich mit der Stärkung unserer Bildungslandschaft beschäftigen. Ich verweise unter anderem auf unseren Antrag zur Fachkräfteoffensive im MINT-Bereich, den wir noch vor Kurzem in einer Anhörung diskutiert haben. Das greifen Sie hier noch einmal auf. Dieser Antrag befasst sich eingehend damit, wie wir die Kenntnisse und das Interesse an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik bereits in Kitas und Schulen vertiefen und fördern und dann die Übergänge in Ausbildung oder Studium verbessern können. (Jochen Ott [SPD]: Sie blenden die Wirklich- keit einfach aus!) Auch die Stärkung von Beratungsstrukturen wie ArbeiterKind.de, was Sie zitiert haben, und die bessere Talentförderung waren bereits darin enthalten. Es ist interessant, dass sich derselbe Punkt im Forderungsteil Ihres Antrags wiederfindet. Hier laufen Sie schon gestellten Anträgen und Debatten einfach hinterher. Zur Studienabbruchquote und zur Stärkung von Vorkursen verhält sich auch der von uns gestellte Antrag zur Fachkräfteoffensive. Es ist wie so oft: Während sich CDU und Grüne um die Lösung kümmern, schreiben Sie, um bei den Schulbegriffen zu bleiben, einfach die Anträge ab, bemühen die Begriffe noch mal, präsentieren aber am Ende keine eigenen Ideen. (Jochen Ott [SPD]: Das ist eine wunderbare Idee, Herr Kollege! Sie werden sehen, was die Fachleute da sagen! Da werden Ihnen die Ohren klingeln!) Vielleicht haben wir nach der Überweisung an den Wissenschaftsausschuss noch mal die Gelegenheit, darüber zu diskutieren. Landtag (Jochen Ott [SPD]: Maßnahmen werden be- grenzt! Das ist die Wahrheit!) Vielleicht hören wir dann auch eigene Ideen von Ihnen, die uns in der Sache weiterbringen. (Weitere Zurufe von Jochen Ott [SPD]) Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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