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Christin Siebel

SPD 30.03.2023 Sitzungen 18/28

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vielleicht ist es nicht allen von uns klar, aber ein Studium aufzunehmen, bringt viele Herausforderungen mit sich: die notwendigen Kompetenzen aus der Schule mitzunehmen; das richtige Studienfach auszuwählen; sich an einer Hochschule, vielleicht in einer neuen Stadt, zurechtzufinden; einen neuen Freundeskreis aufzubauen; die ersten neuen Fachbegriffe der akademischen Welt kennenzulernen und das komische Gefühl der Unsicherheit beim ersten Gebrauch eben jener. Viele von uns haben das erfolgreich hinter sich gebracht. Vielleicht stammen einige in diesem Hause aus Familien ohne akademischen Hintergrund, wie ich selbst, und können sich an die Herausforderungen erinnern. Vielleicht haben einige auch vergessen, wie schwierig das manchmal war. Fakt ist: Die Voraussetzungen von jungen Menschen für ein erfolgreiches Studium sind sehr unterschiedlich. Kinder aus einem Akademikerhaushalt haben andere persönliche Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start ins Studium als Kinder aus Familien ohne einen akademischen Hintergrund. Studierende Landtag der ersten Generation lernen eine neue Welt kennen: Selbstzweifel, ein Nebenjob neben dem Studium, um die erste eigene Wohnung zu finanzieren, und das Unverständnis der Eltern. Ich kenne das. Schulen schaffen es nicht immer, die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln. Dazu fehlt es schlichtweg an den notwendigen Ressourcen und dem nötigen Personal. Auch das kann in einigen Familien besser aufgefangen werden als in anderen. Andere wiederum müssen während des Studiums Inhalte nachholen, ohne den Anschluss zu verlieren. Auch die Quoten der Studienabbrüche variieren abhängig von den individuellen Voraussetzungen. Eine der wesentlichen Ursachen liegt in unserem Schulsystem. Selbstorganisation und selbstständiges Lernen sind das A und O jedes Studiums. Stumpfes Auswendiglernen und reine Wissensabfrage müssen in Zeiten von ChatGPT besonders hinterfragt werden. Welchen Mehrwert hat es langfristig für Jugendliche, am Prüfungstag eine geballte Ladung Wissen abzurufen oder sich die Nächte mit Aufsätzen um die Ohren zu schlagen, wenn ein Gruppenprojekt vielleicht effektiver vermittelt? Doch veraltete Prüfungsformate, überfrachtete Lehrpläne und der eklatante Lehrkräftemangel führen dazu, dass häufig viele der notwendigen Kompetenzen für ein Studium nicht mehr ausreichend vermittelt werden können. (Beifall von der SPD) Ich möchte kurz auf die neulich geführte Debatte zum Fachkräftemangel im MINT-Bereich hier im Plenum verweisen. An manchem Berufskolleg findet MINT-Unterricht so gut wie gar nicht mehr statt. An vielen allgemeinbildenden Schulen schätzt man sich glücklich, wenn es eine Ersatz- oder Vertretungskraft gibt, die den Unterricht punktuell übernehmen kann. Dass einige Studierende beim Start eines MINT-Studiums Probleme haben, sollte an diesem Punkt wirklich kein Wunder sein. Einige werden dadurch vielleicht sogar ganz abgeschreckt. Die Bildungskatastrophe in Nordrhein-Westfalen greift also bereits heute unmittelbar auf die Hochschulen über. Wir brauchen dringend einen Masterplan, um diese Probleme zu lösen. Ein paar unserer Lösungsvorschläge möchte ich aufgreifen. Es gibt bereits einige Strukturen, die Studierende beim Übergang unterstützen und begleiten. Hier brauchen wir dringend einen flächendeckenden Ausbau von Beratungs- und Förderangeboten wie ArbeiterKind.de und dem NRW-Zentrum für Talentförderung. Von ihrer Arbeit profitieren besonders junge Menschen, für die eine Hochschulausbildung kein Selbstverständnis ist. An den Hochschulen selbst müssen Vorbereitungskurse, Tutorien und Beratungsangebote ausgeweitet, stärker beworben und besser finanziert werden. 30.03.2023 Nur so erreichen die Angebote auch alle die, die sie wirklich benötigen. Zur Vermeidung von Studienabbrüchen braucht es eine individuellere Ausrichtung der Lehre und Didaktik an den Bedürfnissen der Studierenden und eine bessere Relation zwischen wissenschaftlichen Lehrkräften und Studierenden. (Beifall von der SPD) Auch Zweifel am Studium müssen ernst genommen werden. Hier müssen neue Beratungsangebote geschaffen und bestehende gestärkt werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Programm Next Career. Eine Überarbeitung der Lehrpläne und Lern- und Prüfungsformate an Schulen kann dabei helfen, Schülerinnen und Schüler besser auf Studium und Ausbildung vorzubereiten. Insbesondere der Fortschritt im Bereich der Künstlichen Intelligenz muss hier berücksichtigt werden. Programme wie Chat-GPT – ich habe es gerade schon erwähnt – werden aus der Forschung und der Lehre nicht mehr verschwinden. Mit unserem Antrag fordern wir als SPD-Fraktion die regierungstragenden Fraktionen dazu auf, gemeinsam mit uns im Wissenschaftsausschuss einen Masterplan auszuarbeiten, der die von uns genannten Probleme in Angriff nimmt. Lassen Sie uns gemeinsam für mehr Chancengleichheit arbeiten. – Herzlichen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD)

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