landtag.nrw.de ↗

Julia Kahle-Hausmann

SPD 30.03.2023 Sitzungen 18/28

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegen! Ich fange einmal mit einigen Fakten an, um das von Herrn Hansen Gesagte noch etwas weiterzuführen. 151.348 – das ist die aktuelle, heute Morgen gezogene Zahl an Mustern landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen, die bei der Bundeszentrale Ex-situ-Genbank gerade lagert. Außerdem gibt es in anderen Gendatenbanken für Obst und Zierpflanzen noch mehrere Tausend Muster genau desselben Typs. Auch für uns ist Agrobiodiversität wichtig. Die Fokussierung auf alte Sorten wird auch von uns begrüßt, weil das für die Ernährungssicherheit im Klimawandel und weltweit für die Ernährungs- und Nahrungsketten wichtig ist. Denn unsere Nahrungsketten werden durch Biodiversität und die daraus resultierenden Resilienzen durch Epigenetik weiter gestärkt. Wir finden es aber auch wichtig, über Patentierung zu sprechen. Sie wissen, dass mit Bayer einer der Big Four, mit denen wir uns darüber unterhalten müssen, nur wenige Kilometer von uns entfernt sitzt. Jetzt aber zur Bewertung Ihres Antrags: Was mich beim Durchlesen angewidert hat, ist, dass Sie dieses Thema mal wieder als Vehikel nutzen, und zwar als Vehikel gegen die EU und gegen Biogas. (Beifall von Inge Blask [SPD] und Dietmar Bro- ckes [FDP]) Ich habe versucht, Ihren Gedankengängen logisch zu folgen, wie man vom Thema „alte Sorten“ auf die Landtag abgenutzte Aufführung des AfD-Theaterstücks „Wir finden die EU doof“ kommen kann. (Heiterkeit von der SPD) Logik hilft da nicht viel weiter, Um-die-Ecke-Denken leider auch nicht. Man muss den Verstand schon ziemlich abschalten, um hier hinterherzukommen. (Beifall von der SPD) Lassen Sie sich kurz aufschlauen: Die EU fördert explizit Fruchtfolgen und gerade nicht die Monokultur. „Monokultur“ heißt nicht, dass da nur eine Pflanze auf dem Feld steht. Jeder, der einmal länger als zwei Minuten etwas mit Landwirtschaft zu tun hatte, kann Ihnen das sagen. Fragen Sie doch Ihren ehemaligen Kollegen Dr. Blex. Er war bei der letzten Enquetekommission zu dieser Thematik dabei und müsste es eigentlich mitbekommen haben. (Zuruf von Arndt Klocke [GRÜNE]) Den Hinweis darauf, dass der Anteil von Mais in Biogasanlagen gedeckelt ist, kann ich mir sparen. Schließlich haben Sie das in unserer Anhörung zum Thema „Biogas“ im Januar selbst angesprochen. Insofern kann ich nur mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen, dass Sie jetzt so tun, als sei Biogas der alleinige Treiber für den Maisanbau und als seien Biogasanlagen für den Sortenschwund, den wir erleben, verantwortlich. Weiterhin schlagen Sie viele sehr kleinteilige Maßnahmen vor: etwas mehr Geld hierfür, ein bisschen mehr Geld dafür. Irgendwann kommen dann Biogas und weitere Fördermaßnahmen. Sie wissen doch auch, dass ein Großteil des Maisanbaus für die Tierernährung erfolgt. Das wissen Sie, und das weiß ich. Dagegen haben Sie erst einmal nichts gesagt. Es ist doch – eigentlich müsste das auch in Ihrer Logik so vorkommen – eine weltfremde Idee, dass jemand, der keinen Mais mehr anbaut, auf einmal auf Mairübchen oder die Kartoffelkultursorte „Linda“ – auch eine alte Sorte – umsteigt. Sie versuchen, die alten Kultursorten als Deckmantel zu nutzen. Dafür ist das Thema uns allen aber viel zu wichtig. Wir stimmen der Überweisung des Antrags in den Umweltausschuss zu; denn das Thema ist insgesamt ein sehr wichtiges, und wir müssen uns damit beschäftigen. Ich kann Ihnen aber schon jetzt sagen, dass Sie bei diesem Wolf im Schafspelz mit unserer Unterstützung in Ihrem Sinne nicht rechnen können. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

Alle Reden von Julia Kahle-Hausmann Protokoll ↗