Dr. Günther Bergmann
Frau Präsidentin, schönen Dank. Ich war gerade so in Wallung, dass ich mich nicht an die parlamentarischen Vorgaben halten konnte. Ich möchte meiner Betroffenheit ob des gerade Gehörten Ausdruck verleihen. Wenn man versucht, einen Antrag zu diskreditieren, wie das gerade passiert ist, auch mit der perfiden Wortwahl, so darf man das nicht unwidersprochen hier stehen lassen. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP) Ich mache seit 30 Jahren an jedem Holocaust-Gedenktag und darüber hinaus an verschiedenen Tagen im Jahr Führungen über den verwaisten Friedhof meiner Heimatstadt mit Angehörigen der dort Beerdigten, mit Nachkommen der dort Beerdigten, mit völlig Fremden. Alle Religionen sind bei uns auf diesem Friedhof. Es gibt keine andere Möglichkeit mehr in der heutigen Zeit, so hautnah das Schicksal der ehemaligen, in meinem Fall, Landgemeinden – nicht aus Großstädten wie Köln, sondern der Landgemeinden – darzustellen. Wenn man es hier im Grunde genommen so darstellt, als wollten wir damit eine Art „Showeffekt“ erreichen, ist das inakzeptabel; fast hätte ich auf ländlichem Niederrheinisch „schäbbig“ gesagt. Das weise ich ganz strikt von uns. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP) Wenn wir aufgrund dieser Räumlichkeiten in der Lage sind, darzustellen, wie die Entwicklung des jüdischen Lebens in Deutschland war, und zwar auch auf dem Land, dann ist das aller Mühen wert. Wenn wir zugleich die Genealogie ermöglichen, wie es das Salomon Ludwig Steinheim-Institut zum Beispiel in Essen-Steele – früher in Duisburg – auch macht, dann sind das ganz, ganz wertvolle Beiträge zur Geschichte unseres Landes. 30.03.2023
