Jochen Ritter
Alles in Ordnung. – Es geht also um Wärmeverluste. Die Herausforderung ist, sie möglichst gering zu halten. Dazu wurde in der jüngeren Vergangenheit gedämmt, was das Zeug hält. Aktuell steht eher die Haustechnik im Fokus. Der Grenznutzen – also der Gewinn für das Klima durch zusätzliche Zentimeter Polystyrol auf der Fassade – kann getrost infrage gestellt werden. Die Wärmewende lässt sich nicht – jedenfalls nicht allein – im Heizungskeller bewerkstelligen. Wir wollen den Blick auf frühere Phasen im sogenannten Lebenszyklus von Gebäuden lenken. Was bisher weitgehend unter den Tisch fällt, ist das CO , das bei der Errichtung entsteht. Rund ein Drittel der 29.03.2023 Treibhausgase wird bereits freigesetzt, bevor ein Haus überhaupt in Betrieb geht. Je nach Bauweise und Material besteht hier erhebliches Einsparpotenzial im Vergleich zu konventionell umgesetzten Vorhaben, welches sich vielleicht sogar weniger konfrontativ heben lässt als bei den eingangs genannten Ansätzen – Stichworte: „Dämmung“ und „Heizung“. In dieser Hinsicht hat das Wohnhaus, das 2021 mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen in Beckum entstanden ist, Maßstäbe gesetzt. Denn dank 3D-Druck konnte der eingesetzte Beton exakt dosiert werden. Daran wollen wir anknüpfen und Verfahren voranbringen, die mit noch weniger Materialeinsatz auskommen. Und wir wollen vor allem hinsichtlich der eingesetzten Baustoffe selbst neue Wege gehen bzw. für andere den Weg bereiten. Beton ist ein Gemisch aus Zement, Sand bzw. Kies und Wasser. Das weiß jeder, der schon mal mit der Schüppe eine Speismaschine beschickt hat. Das alles sind Stoffe, mit denen wir aus unterschiedlichen Gründen zukünftig vorsichtiger umgehen sollten als bisher. Die Herstellung von Zement trägt – das wurde gestern sogar im ARD-Morgenmagazin thematisiert – mit 7 % zum auf der Welt anfallenden CO bei. Das ist signifikant. Beton ist je nach Anforderungen, die an das Bauwerk oder an das Bauteil gestellt werden, nicht einfach zu ersetzen, jedenfalls nicht im konstruktiven Ingenieurbau oder im Tiefbau. Das heißt allerdings nicht, dass wir im Umkehrschluss gar keine Spielräume haben. Dies gilt vor allem für den Hochbau. Aufseiten der Produktion von Beton gibt es bei der Verringerung des anfallenden CO technische Grenzen im Prozess. Allerdings gibt es auf der Absatzbzw. auf der Bauseite vielversprechende Ansätze, die wir auch mit Blick über die Landesgrenzen und nationalen Grenzen hinaus ausloten wollen. So muss Beton nicht immer aus natürlichen Gesteinskörnungen – sprich: Kies und Sand – bestehen. Man kann auch Recycling-Körnungen einsetzen bzw. zuschlagen. In der öffentlichen Wohnraumförderung des Landes Nordrhein-Westfalen hat dieser Gedanke bereits Einzug gehalten. Ein weiteres Anwendungsgebiet sind öffentliche Bauten. Vor allem bei Vorhaben des Landes haben wir vieles selbst in der Hand. Bei der Vergabe von Bauleistungen müssen wir die einschlägigen Kriterien auf den Prüfstand stellen. Damit sich all das, was damit erreicht wird, im eingangs angesprochenen CO -Fußabdruck niederschlägt, bedarf es eines Instruments, das diese Phase der Errichtung mit in den Blick nimmt und zu Landtag einer vollständigen Lebenszyklusbetrachtung des Bauwerks beiträgt. Dazu stellen wir uns einen Gebäudepass vor, der den bekannten Energieausweis inhaltlich ergänzt, vielleicht sogar integriert und zweckmäßigerweise mehr kann als das Stück Papier oder als das PDF-Dokument. In dieser Form kommt der Ausweis bislang daher. Er soll aussagekräftig im Hinblick auf die damit verfolgten Zwecke sein, aber auch praktikabel für diejenigen, die den Nachweis zu führen haben oder damit arbeiten wollen. Ein Pilotprojekt könnte uns bei der Frage weiterhelfen, wie man das in eine ausgewogene Balance bringt. Der Gebäudesektor ist nicht der Primus bei der Einsparung von Treibhausgasemissionen. Diese Baustelle wollen wir mit neuen Ansätzen angehen. Deshalb machen wir von der Bauseite aus einen Aufschlag und würden uns freuen, wenn sich diesem weite Teile des Hohen Hauses anschließen können. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
