landtag.nrw.de ↗

Dorothee Feller

29.03.2023 Sitzungen 18/27

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der vorliegende Antrag befasst sich mit einem schon vielfach diskutierten Thema, nämlich der ungleichen Geschlechterverteilung im Lehrerberuf insbesondere in der Grundschule. Die im Antrag gestellten Forderungen an die Landesregierung helfen uns jedoch in der derzeitigen Situation nicht weiter. Der Mangel an Lehrkräften gerade 29.03.2023 an den Grundschulen ist bundesweit und auch in Nordrhein-Westfalen erheblich. Allein vor diesem Hintergrund erscheint das Thema – so wichtig es dem Grunde nach ist – in der aktuellen Zeit nicht angebracht. Traditionell gibt es in Nordrhein-Westfalen bezogen auf die einzelnen Schulformen eine unterschiedliche Ausprägung, wie viele Männer und Frauen jeweils als Lehrkräfte arbeiten. Unabhängig von ihrem Geschlecht nehmen die Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen täglich gewissenhaft und gendersensibel ihre Aufgaben an unseren Schulen wahr. Gendergerechtigkeit ist bereits seit langer Zeit eine Aufgabe für jede Schule jeder Schulform. Einen Zusammenhang zwischen den Anteilen der weiblichen Lehrkräfte und den Bildungserfolgen von Jungen ließ sich Studien zufolge nicht herstellen. Die Realität stellt sich deutlich komplexer dar. Einflussfaktoren wie zum Beispiel geschlechterspezifische Sozialisation, die sozioökonomische Lage der Familien, Rollenbilder in Familien und ein zunehmender Anteil von Allein- und Getrennterziehenden dürfen dabei nicht ausgeblendet werden. Der Prozess des Heranwachsens ist nicht eindimensional. Für die Landesregierung besteht ohne Zweifel das Ziel, mehr Männer für den Lehrerberuf gewinnen zu wollen. Deshalb wird das Thema als Querschnittsaufgabe in den Arbeitszusammenhängen des Schulministeriums stets berücksichtigt und mitgedacht. Beispielsweise haben wir das Thema auch in die Maßnahmen zur Unterrichtsversorgung aufgenommen. Die geplante Lehrerwerbekampagne wird dies besonders mit Blick auf die Grundschulen aufgreifen. Ohne Frage steht für uns die grundsätzliche Verbesserung der Lehrkräfteversorgung in der aktuellen Situation im Vordergrund allen Handelns. Oberstes Gebot ist derzeit, dass wir die Unterrichtsversorgung in allen Schulen verbessern wollen, die Fachlichkeit gestärkt wird und die Basiskompetenzen der Schülerinnen und Schüler umfänglich und besser als bisher gesichert werden können. Dafür benötigen wir die Unterstützung aller Menschen in den Schulen, unabhängig vom jeweiligen Geschlecht. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

Protokoll ↗